Zinsunterschiede beim Tagesgeld

Frankfurt 02.11.2015 –– Es ist schon erstaunlich: Während einige Geldhäuser Sparer mit Zinsen von 0,01 Prozent aufs Tagesgeld abspeisen, bieten andere noch immer bis zu 1,25 Prozent. Wie unterschiedlich die Strategien sind, zeigt exemplarisch das Segment der Autobanken.

Positive Schlagzeilen im Zusammenhang mit Volkswagen waren in jüngster Zeit eher selten. Dass die Volkswagenbank einen Extrazins für ihr 25 jähriges Bestehen auflegt, ist daher nachvollziehbar – auch wenn das Angebot schon lange geplant war und tatsächlich nur als kurzfristige Jubiläums-Aktion gedacht ist. Gut erkennbar soll die Offerte dazu dienen, neue Kunden zu gewinnen. Bestandskunden nämlich erhalten von den Wolfsburgern zurzeit nur 0,3 Prozent. Und diesen Status erreicht man bei der Volkswagenbank bereits nach vier Monaten.

Mit stolzen 100.000 Euro ist die Maximal-Anlagesumme für diesen Sonderzins vergleichsweise hoch. Die Geburtstagszinsen mitzunehmen lohnt sich bestimmt für viele Anleger: Wer die 100.000 Euro bei der Volkswagen- oder Audi Bank für besagte vier Monate anlegt, bekommt immerhin 413 Euro mehr Zinsen als bei der Commerzbank und einigen Sparkassen. Und selbst die 0,3 Prozent für Bestandskunden liegen nur knapp unter unserem Index-Wert von 35 ausgesuchten Tagesgeldofferten. Er liegt aktuell bei 0,37 Prozent und setzt sich aus folgenden Zinsangeboten zusammen: Erfasst sind jeweils sieben Banken, die zu den Direkt- und Spezialbanken gehören, jeweils sechs Instituten aus dem Lager der Sparkassen und Volksbanken und jeweils drei Geldhäusern aus dem Segment der Auto- und Geschäftsbanken sowie Anbieter, die nur die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro bieten und Kunden damit nur den Mindestsicherheitsstandard zugestehen.

Sparen mit extra viel PS

Auffallend ist, wie achtbar sich derzeit auch andere Autobanken schlagen – allen voran die Renault-Bank direkt. Sie liegt derzeit auf dem zweiten Platz unseres Tagesgeldvergleichs. Neukunden garantieren die Franzosen für drei Monate immerhin 1,10 Prozent. Nach Ablauf dieser Zeit sinken die Zinsen zwar auf das Niveau, das auch Bestandskunden der Renault Bank direkt erhalten. Doch auch dieser Wert kann sich mit 1,0 Prozent sehen lassen. Offenbar ist es für Renault lukrativer, deutschen Anlegern höhere Zinsen zu bezahlen als sich das notwendige Kapital für die Ratenkreditvergabe auf dem Anleihenmarkt zu besorgen.

Ähnliches gilt für die Opel Bank. Sie bietet Neu- wie Bestandskunden derzeit ein Prozent. Die Bank möchte in Vergleichsportalen allerdings momentan nicht gelistet werden. Man weiß: Würde ein solch attraktives Angebot allen interessierten Kunden bekannt, wäre mit einem wahren Ansturm zu rechnen – und den will man bei Opel derzeit offenbar vermeiden. Ziel ist es eher, in den nächsten Monaten die Refinanzierung der Autofinanzierung aus eigenen Kundenanlagen bestreiten zu können. Auf lange Sicht geht es Opel darum, sich sowohl als Autobauer als auch Finanzierungsbank in der Spitzengruppe zu positionieren.

Die Mercedes-Benz Bank mit 0,3 Prozent und die BMW Bank mit 0,25 Prozent halten sich im Mittelfeld der Angebote auf. Mehr haben die Premium-Marken offenbar nicht nötig: Sie sind ohnehin schon im Markt vertreten und wissen auch, dass sie mit attraktiven Zinsen sehr schnell viele Kundengelder einsammeln könnten. Derzeit, so scheint es, sind die Refinanzierungen der Autokredite über andere Quellen aber lukrativer bzw. ausreichend.

Gesetzliche Einlagensicherung reicht für das Gros der Sparer

Wenn man nur Banken mit deutscher Einlagensicherung betrachtet, liegt der Mittelwert aus 60 Anbietern bei 0,28 Prozent. Hier können alle deutschen Auto-Banken gut mithalten. Bezieht man die etwas besser verzinsten Tagesgeldangebote mit in den Vergleich ein, die nur die gesetzlich vorgeschriebenen 100.000 Euro absichern, steigt der Mittelwert auf 0,36 Prozent an. Das entspricht nahezu unserem FMH-IndeX.

Für die meisten Anleger dürfte die gesetzliche Einlagensicherung erst einmal ausreichen. Das belegt die statistische Auswertung der Berechnungen unserer Nutzer in den vergangenen Monaten: Etwa die Hälfe der Besucher unseres detaillierten Tagesgeldvergleichs, legt Beträge zwischen von 5.000 bis 25.000 Euro an. Jeweils 20 Prozent haben einen Betrag von bis zu 50.000 beziehungsweise zu 100.000 Euro übrig. Die restlichen zehn Prozent teilen sich die Nutzer mit Anlagebeträgen von unter 5.000 und mehr als 100.000 Euro. Interessant ist auch, dass die Hälfte der User eine Geldanlage von mindestens zwölf Monaten plant. Gleichzeitig ist der Trend zu kurzen, dreimonatigen Anlagezeiträumen stark gestiegen– statt bei 13 liegt der Anteil inzwischen bei 30 Prozent. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass die Weihnachtszeit schon wieder näher rückt.
Fazit: Tagesgeld ist immer noch eine der beliebtesten Anlageformen: Konten sind leicht zu eröffnen und wenn die Zinsen der Bank zu schlecht werden, können Kunden schnell wieder wechseln. So sie denn wollen. Denn nicht jeder Sparer hat – verständlicherweise – Lust auf ein solches Banken-Hopping. Das wissen auch die Institute und ruhen sich zum Teil auf ihren mehr als mäßigen Angeboten aus.