Zinssenkung der EZB – für Tagesgeld-Anleger ist das egal

Frankfurt 08.12.2011 –– Sparer können unabhängig von der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) weiterhin mit guten Konditionen beim Tagesgeld rechnen. Denn angesichts der höheren Kapitalanforderungen und der Euro-Krise können es sich vermutlich die wenigsten Banken leisten, auf Einlagen der Kunden zu verzichten.

Bereits im November hatte die EZB zum Amtsantritt ihres Präsidenten Mario Draghi den Leitzins von 1,5 auf 1,25 Prozent gesenkt. Begründung: Die Rezessionsgefahr sei größer als das Inflationsrisiko. Von daher war es unwahrscheinlich, dass die Notenbank nun keinen Handlungsbedarf mehr sehen würde. Im Gegenteil: Angesichts zunehmend schlechterer Wirtschaftsdaten aus der Europäischen Union hielten viele Ökonomen eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte für ausgemacht. Und zu dieser kam es jetzt: Die EZB senkte die Zinsen am Donnerstag um weitere 0,25 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent.

Die Politik zwingt Banken dazu, gute Konditionen zu bieten

Gleichwohl müssen sich Anleger kaum Sorgen machen, dass dadurch die Konditionen für Tagesgeld erheblich unter Druck geraten. Dafür sorgen zwei Trends. Zum einen steigen zum 1. Januar 2013 die regulatorischen Anforderungen an die Banken. Konkret: Da risikobehaftete Anlagen mit mehr Eigenkapital abgesichert werden müssen, versuchen viele Institute, zunehmend auf risikoarme Finanzierungen auszuweichen – und dazu gehören Einlagen privater Kunden. Hier gilt das Motto: Je mehr, desto besser. Wer aber mehr Geld von Privatkunden will, muss gute Konditionen bieten.

Höhere Kundeneinlagen machen unabhängig von der Konkurrenz

Zum anderen nähern sich die eintägigen Einlagen sowie die Übernacht-Einlagen der Institute bei der EZB Anfang Dezember der Marke von 300 Milliarden Euro. Beide Entwicklungen gelten als Hinweise darauf, dass sich die Institute misstrauen. Denn in „normalen Zeiten“ würden die Geschäftsbanken diese Möglichkeit nur ungern in Anspruch nehmen, da die Konditionen eher ungünstig sind. Das wachsende Misstrauen wiederum ist ein starker Antrieb für die Institute, Geld bei privaten Kunden einzusammeln und sich so etwas unabhängiger von der Einschätzung der Mitbewerber zu machen.

Mehrere Häuser zahlen 2,75 Prozent an Zinsen

Aktuell bekommen Sparer, die 10.000 Euro anlegen wollen, in der Spitze einen Jahreszins von bis zu 2,75 Prozent geboten. Diesen Zinssatz zahlen außer der deutschen DAB Bank und der in Österreich lizenzierten Deniz Bank die niederländische NIBC Direct sowie die ebenfalls in Holland ansässige MoneYou. Die Konditionen der DAB Bank sind an die Eröffnung eines Wertpapierdepots bis zum 31. Januar 2012 und die Anlage von maximal 20.000 Euro gebunden. In diesem Fall werden die 2,75 Prozent bis zum 30. September 2012 garantiert.

Bei den anderen drei Instituten gibt es keine solche Zinsgarantie. Allerdings sind die Zinssätze nicht an andere Geschäfte gekoppelt und gelten für Beträge bis mindestens 500.000 Euro. Damit eignen sie sich potenziell auch für Anleger, die mehrere zehntausend Euro auf einem Tagesgeldkonto parken möchten.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung