Zukunft von Tages- und Festgeld

Frankfurt 25.04.2014 –– Manche Banken senken die Zinsen fürs Tagesgeld, andere erhöhen sie – ein klarer Trend ist derzeit nicht zu erkennen. Unklar ist auch, welche Maßnahmen die EZB gegen eine mögliche Deflation ergreifen wird. Dennoch können Sparer sich wappnen.

NIBC DirectNIBC Direct , lange Zeit ganz vorne mit dabei, hat den Tagesgeldzins vor Kurzem von 1,3 auf 1,15 Prozent gesenkt. Auch CortalConsorsConsorsbank überweist mit 1,2 Prozent nun 0,1 Prozentpunkte weniger als zuvor. Nicht lumpen lässt sich indes die Renault Bank DirektRenault Bank direkt, die mit 1,3 Prozent fürs Tagesgeld auf den zweiten Platz unter den Tagesgeldanbietern vorgerückt ist. Beim Festgeld punktet die estnische BigbankBigbank AS, die unter anderem den Zinssatz für 3 Jahre von 1,7 auf 2,0 Prozent angehoben hat.

Dass manche Banken die Zinsen senken und andere sie erhöhen, ist ein starkes Indiz, dass diese Aktionen weniger von der allgemeinen Zinsentwicklung als vielmehr von der Geschäftspolitik einzelner Häuser geprägt werden: Institute, die ausreichend Geld eingesammelt haben, senken die Zinsen, um den Zufluss zu bremsen, während andere Mitbewerber mit einer höheren Verzinsung mehr Geld einwerben wollen.

Wie wird die Geldpolitik der EZB künftig aussehen?

Zur unklaren Zinsentwicklung gesellt sich derzeit die Unsicherheit über die weitere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Forderung, die EZB solle mit unkonventionellen Maßnahmen gegen eine mögliche Deflation vorgehen, findet immer mehr Anhänger – insbesondere im EU-Ausland. Zunehmend klarer wird auch, dass die Notenbank den Wechselkurs des Euro schwächen könnte, um die Wettbewerbsfähigkeit des Euro-Raums zu gewährleisten. EZB-Präsident Mario Draghi selbst hat diese Diskussion jüngst angestoßen, als er sagte: „Die Stärkung der Wechselkursrate würde eine weitere Anpassung der Geldpolitik nötig machen.“ Auf gut deutsch: Sinkt der Kurs des Euro nicht, wird die EZB Maßnahmen ergreifen.

Euro-Stärke? Eher eine Dollar-Schwäche!

Dass die Notenbank gezwungen ist, etwas zu tun, verdeutlichen die Bilanzsummen der internationalen Währungshüter. Demnach haben sich die Geldvolumen der Federal Reserve sowie der Bank of England seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 mehr als vervierfacht, während sich die Bilanzsumme der EZB „lediglich“ verdoppelte. Die Dollar-Geldmenge hat sich also deutlich stärker aufgebläht als die Euro-Geldmenge – mit dem Ergebnis, dass die knapper vorhandene Währung aufwertet: Die Stärke des Euro ist demnach eher eine Dollarschwäche.

Zinsen könnten erst fallen, dann steigen

Sicher scheint, dass die EZB dieser Entwicklung auf Dauer nicht tatenlos zusehen, sondern ebenfalls die Geldmenge erhöhen wird – eventuell durch den Kauf von Staatsanleihen. Wie die Erfahrung aus den USA zeigt, führt dies zunächst zu sinkenden Anleihezinsen. Sofern keine Inflationsangst vorhanden ist, werden die kurzfristigen Zinsen ebenfalls sehr niedrig bleiben. Sollten sich die Inflationserwartungen jedoch ändern, werden die kurzfristigen Zinsen schneller und deutlicher ansteigen als die Zinsen für längere Anlagezeiträume.

Aufteilung in Fest- und Tagesgeld ist sinnvoll

Um für beides gewappnet zu sein, sind Sparer gut beraten, ihr Geld auf gut verzinste Festgeldangebote mit bis zu drei Jahren Laufzeit sowie auf attraktive Tagesgeldkonten aufzuteilen. Wer sein Geld auf diese Weise hälftig splittet, kommt derzeit im Schnitt auf eine Verzinsung von knapp 1,7 Prozent – und damit auf einen Zinssatz oberhalb der aktuellen Inflationsrate. Anleger, die mehr Risiko vertragen und einen längeren Zeithorizont haben, können auch Aktienfonds beimischen – insbesondere Indexfonds lohnen sich, da deren Verwaltungsgebühr sehr niedrig ist und der Ausgabeaufschlag entfällt.