Mängel bei Wohn-Riester-Angeboten

Frankfurt 19.12.2014 –– In Sachen Wohn-Riester rechnet die Branche potenziellen Kunden gerne vor, wie viel sie damit sparen können. Doch die Vorteile bei Riester-Darlehen fallen meist nur deswegen hoch aus, weil die weniger positiven Aspekte zuweilen nicht beleuchtet werden.

Wer eine Immobilie finanzieren will und zum Wohn-Riester berechtigt ist, sollte genau prüfen, ob diese Förderung die eigene Finanzierung sinnvoll ergänzen kann. Auch wenn Bausparvertreter und Vermittler gerne anderes suggerieren: Eine Finanzierung mit Riester-Darlehen oder mit einem Riester-Bausparvertrag ist nicht automatisch vorteilhaft, nur weil der Staat eine jährliche Zulage überweist und die Beiträge bis zu 2.100 Euro pro Jahr und Steuerpflichtigem steuerlich geltend gemacht werden können.

Riester-Darlehen: Vergleiche sind nicht immer korrekt

Dass die Branche bei den Darlehen meist zu einem positiven Ergebnis kommt, liegt daran, dass gerne die hauseigenen nicht geförderten Darlehen mit den hauseigenen Riester-Darlehen verglichen werden – und am Ende gewinnt fast logischerweise das geförderte Darlehen. Sinnvoll wäre es, das Riester-Darlehen mit einem sehr guten, wenn nicht gar dem besten Bankdarlehen ohne Förderung zu vergleichen. Plötzlich schmelzen die angeblichen Vorteile aus dem Vergleich hausinterner Produkte zusammen. In verschiedenen Konstellationen und wenn man, korrekt und ehrlich rechnend, die spätere Versteuerung des Wohnförderkontos einbezieht, stellt sich sogar heraus, dass man mit einem nicht geförderten Bankdarlehen eventuell sogar besser fährt als mit einem Riester-Darlehen.

Lange Zinsbindung minimiert Zinsrisiko

Beim Vergleich von Bank- und Riester-Darlehen sollte man idealerweise mit sehr langen Zinsbindungen rechnen, um sicherzustellen, dass die Darlehen nach dieser Zeit möglichst getilgt sind. Wer kürzere Zinsbindungen verwendet, riskiert beim Riester- wie auch beim Bankdarlehen, dass die Anschlussfinanzierung sich unterschiedlich hoch verändert, was den Vergleich erschwert. Zurzeit tun sich Riester-Darlehen schwer damit, in einem solchen ehrlichen Vergleich zu punkten. Der Grund: Es gibt viele sehr günstige langfristige Annuitätendarlehen, vor allem von Versicherungsgesellschaften, die bei korrekter Gegenüberstellung besser abschneiden.

Riester-Bausparverträge: Angebote haben oft Mängel

Wer ein Bankdarlehen mit einem Riester-Bausparvertrag kombinieren will, sollte darauf achten, dass die Zinsen für das Bankvorausdarlehen mindestens bis zur Ablösung des Bausparvertrages festgeschrieben sind. Keineswegs empfiehlt sich, was nach unserer Beobachtung in manchen Finanzierungsangeboten vorgeschlagen wird: Dabei hat das Bankvorausdarlehen eine Zinsbindung von 10 Jahren, der Bausparvertrag wird aber erst in 13 oder 14 Jahren zugeteilt.

Die Tatsache, dass der Kunde in einem solchen Szenario einige Jahre lang das volle Zinsrisiko trägt, wird oft nonchalant übergangen – und zwar indem bis zur Vertragszuteilung mit dem gleichen günstigen Zinssatz weitergerechnet wird. Doch in Wahrheit kennt niemand die Höhe der Darlehenszinsen in zehn Jahren. Besser ist es in einem solchen Fall, eine Zinsbindung von 15 Jahren zu vereinbaren und den Riester-Bausparvertrag vor deren Ende abzulösen, wenn die Zuteilung es erlaubt. Immobilienkäufer, die in den nächsten Jahren mit längeren Zuteilungszeiten beim Bausparvertrag rechnen, sollten zudem einen Zuteilungspuffer von sechs Monaten einplanen.

Geheimniskrämerei stimmt nachdenklich

Fazit: Nur wenn das Wohnriester-Modell unter Berücksichtigung der Steuerzahlung besser ist als ein sehr gutes Annuitätendarlehen, sollte man es in seine Finanzierung einplanen. Dass die Branche beim Verkauf dieser Produkte oft nicht alle negativen Faktoren offenlegt und zur Diskussion stellt, ist zwar aus Verkäufersicht verständlich, stimmt aber nachdenklich. Vielleicht sind die Vertreter von ihren Angeboten selbst nicht so richtig überzeugt. Wer hier objektive Informationen möchte, kann den unabhängigen Wohn-Riester-Vergleich der FMH-Finanzberatung nutzen.