Frankfurt 07.07.2013 –– Man hört, was man hören will – das gilt auch für die Kapitalmärkte: Seit den jüngsten Äußerungen des US-Notenbankchefs wetten die Märkte auf steigende Zinsen. Nach dem Kalkül der Marktteilnehmer hat Ben Bernanke das Signal für eine straffere Geldpolitik gegeben, was die Nachfrage nach Staatsanleihen sinken und den Zins steigen lassen dürfte. Doch in Deutschland fällt diese oft beschworene Zinswende bescheiden aus – und dafür gibt es etliche gute Gründe. Für Bauherren dürften die Zinsen damit weiter niedrig bleiben.

Die Akteure an den Kapitalmärkten haben Bernankes Worte als das Signal zum Ausstieg aus dem sogenannten „Quantitative Easing“ interpretiert. Aktuell kauft die US-Notenbank unter dieser Bezeichnung für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherte Wertpapiere im Monat. Schon die Ankündigung, einen (kleinen) Teil dieser gigantischen Liquidität eventuell nicht mehr zur Verfügung zu stellen, ließ die Märkte nervös werden: So stieg die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen von 1,2 auf 1,8 Prozent, während die der zehnjährigen Pfandbriefe von 1,6 auf 2,2 Prozent kletterte. Für die Mehrheit der Marktbeobachter war klar: Die seit Langem beschworene Zinswende ist da.

Notenbanken halten an lockerer Geldpolitik fest

Gegen diese Sicht der Dinge sprechen mehrere Gründe. Der erste sind die Äußerungen aus den Notenbanken selbst. So sprach Bernanke lediglich von der Möglichkeit, unter gewissen Umständen das Anleihekaufprogramm zu verringern – was aber bedeutet, dass die Federal Reserve dem Markt weiterhin Liquidität zuführen wird. Und EZB-Präsident Mario Draghi beeilte sich zu betonen, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik nicht straffen werde. Für alle, die es nicht verstehen wollten, legte der Italiener bei der jüngsten Zinsentscheidung nach: Die EZB erwartet, so Draghi, dass die Leitzinsen „für längere Zeit auf den gegenwärtigen oder noch niedrigeren Niveaus bleiben werden“. Der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik sei „noch sehr weit entfernt“.

Beginnt jetzt der zweite Teil der Euro-Krise?

Der zweite Grund, der gegen eine Zinswende in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt spricht, ist das erneute Aufflammen der Euro-Krise. So hat die aktuelle Regierungskrise in Portugal die Anleihezinsen des Landes von fünf auf zeitweise über acht Prozent steigen lassen; auch die Zinsen für spanische und italienische Papiere kletterten nach oben. In der Folge wurde Geld in den als sicher erachteten Hafen der deutschen Staatsanleihen verschoben, was deren Rendite wieder sinken ließ. Dieses Muster ist aus der Euro-Schuldenkrise seit 2011 bereits bekannt. Sollte sich die Lage in Portugal und anderen Ländern verschärfen, ist zu erwarten, dass erneut massiv Geld in deutsche Anleihen und Pfandbriefe fließt. Das dürfte die Hypothekenzinsen sinken lassen.

Schwache Konjunktur im Euro-Raum spricht gegen höhere Zinsen

Der dritte Grund, der gegen die Zinswende spricht: Anders als in den USA ist im Euro-Raum von einer Wirtschaftserholung nichts zu sehen. Während das Bruttoinlandsprodukt in Übersee im Vorjahresvergleich mit einer Jahresrate von 1,8 Prozent wuchs, schrumpfte es zwischen Gibraltar und der Ägäis um 1,1 Prozent, in Deutschland ging es sogar um 1,4 Prozent zurück. In einem solchen konjunkturellen Umfeld steigen die langfristigen Zinsen in der Regel nicht an. Denn für Kapitalanleger ist es in dieser Situation rationaler, dem Staat für Minizinsen Geld zu leihen als es in Unternehmen zu investieren, deren Gewinne in einer Rezession dahinschmelzen.

Fazit: Die aktuelle Zinsentwicklung zeigt, dass sich das Blatt schon wieder gewendet hat und die Hypothekenzinsen leicht nachgeben. Zudem können künftige Bauherren wie auch Anschlussfinanzierer mit günstigen Anbietern noch immer weit mehr Geld sparen als mit dem Timing von vermeintlichen Zinswenden.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung