Nach EZB Zinssenkung: Sparern steht neuer Zinsrutsch bevor

Frankfurt 06.05.2013 –– Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins, zu dem sich Banken bei der Notenbank Geld leihen, von 0,75 auf 0,5 Prozent und damit auf ein Rekordtief gesenkt. Umstritten ist, ob die Unternehmen in den Euro-Krisenstaaten dadurch günstigere Kredite erhalten und die Länder auf diese Weise schneller aus der Rezession kommen. Viel klarer sind jedoch die Auswirkungen, die der niedrigere Leitzins auf die Spar- und Kreditzinsen in Deutschland haben wird.

Tages- und Festgeld:

Sehr wahrscheinlich werden die Zinsen für Tages- und Festgeld weiter sinken. In aller Regel bewegen sich die Zinsen um den oder sogar unter dem aktuellen EZB-Leitzins, sodass in dieser Hinsicht noch einiges an Spielraum nach unten besteht. Dies gilt insbesondere, wenn die EZB, wie zwischen den Zeilen bereits angekündigt, eine weitere Zinssenkung auf 0,25 Prozent vornehmen wird.

Aktuell notiert der FMH-IndeX für Tagesgeld bei 0,88 Prozent und für zwölfmonatiges Festgeld bei 0,79 Prozent. Wer sich attraktive Zinsen sichern möchte, kann Geld, das er für ein, zwei oder drei Jahre nicht benötigt, als Festgeld anlegen und eventuell auf unterschiedliche Laufzeiten verteilen (siehe Beitrag vom 21.04.2013) Derzeit zahlen die Top-Banken zwischen 1,85 und 2,3 Prozent für ein- bis dreijähriges Festgeld.

Dispozinsen:

Der Zins für die Dispokredite sollte bei vielen Banken in den kommenden Wochen und Monaten sinken. Die Banken, die sich an den EZB-Leitzinsen orientieren, passen die Dispozinsen in der Regel bald nach einer Zinsänderung an. Bei einigen Instituten, die den Euribor – dem Zinssatz für die Geldleihe unter Banken – als Referenz nutzen, dürfte es bis Anfang Juli dauern, bis die Dispozinsen gesenkt werden. Da die Dispo-Anpassung an den Euribor an unterschiedliche Veränderungen gekoppelt ist, kann es sein, dass bei vielen Banken keine Dispozins erfolgen wird. Der Grund: Der Euribor wird nicht im gleichen Maße sinken wie jetzt die Leitzinsen, noch dazu weil der Euribor bereits unter dem Leitzins liegt.

Angesichts durchschnittlicher Dispozinsen von 10,5 Prozent dürfte sich der Blick zu anderen Anbietern ohnehin lohnen – so verlangt die günstigste Bank lediglich 5,25 Prozent für die Nutzung des Disporahmens, die teuerste jedoch 12,94 Prozent. Wird der Disporahmen überzogen, werden zwischen 9,75 und 14,5 Prozent fällig.

Ratenkredite:

Der Zins für dreijährige Ratenkredite ist laut unserem FMH-IndeX seit Anfang 2012 um einen ganzen Prozentpunkt gesunken. Diese Tendenz dürfte nach der jüngsten Zinssenkung der Zentralbank anhalten, sodass in den nächsten Monaten mit günstigeren Zinsen zu rechnen ist. Gleichwohl streichen die Banken, je nach ihren Angeboten, angesichts des geringen Ausfallrisikos von Ratenkrediten mit Margen zwischen vier und acht Prozent noch immer satte Gewinne in diesem Geschäft ein.

Hypothekenzinsen:

Entgegen der landläufigen Meinung hängen die Hypothekenzinsen nicht von den Zinsentscheidungen der EZB ab. Ausschlaggebend sind vielmehr die langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt, die etwa für Pfandbriefe oder Bundesanleihen gezahlt werden. Diese Zinsen sind jüngst erneut gefallen, und die Zinsen für Hypothekendarlehen sind ihnen gefolgt. Aktuell sind laut FMH-IndeX für fünfjährige Darlehen 1,75 Prozent, für zehnjährige Kredite 2,33 Prozent und für 15-jährige Darlehen 2,87 Prozent zu zahlen – noch nie war die Finanzierung einer Immobilie in Deutschland so günstig.