Zinsentwicklung: Spitzenreiter bleiben auch nach EZB-Senkung vorn

Frankfurt 02.08.2012 –– Sparer und Anleger, die Wert auf attraktive Zinsen legen, sollten auch nach der Zinssenkung der EZB vor allem auf Banken setzen, die „nur“ der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Anleger und Institut unterliegen. Die Banken aus dieser Gruppe bieten im Schnitt eine deutlich höhere Verzinsung als Häuser, die einem zusätzlichen Sicherungssystem angehören. Beim Tagesgeld etwa zahlen sie nach Recherchen der FMH-Finanzberatung nun im Durchschnitt 2,0 Prozent, während die übrigen Banken im Mittel jetzt auf 1,2 Prozent kommen.

Unsere Untersuchung hat ergeben, dass zahlreiche Banken die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) genutzt haben, um die Habenzinsen für Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefe zu senken. Bei den Zinsen für Dispokredite, die entweder an den Leitzins oder an den für die Geldleihe unter Banken wichtigen Euribor-Zins gekoppelt sind, wurden die Zinsen (noch) nicht in vergleichbarem Ausmaß nach unten gesetzt.

Tagesgeld: Ein Drittel der Banken senkt die Zinsen

Beim Tagesgeld minderten mehr als 30 von rund 90 Banken die Zinsen, wobei sich die Differenz zum zuvor gezahlten Zins im Durchschnitt unter 0,1 Prozentpunkten bewegt. Manche Häuser nutzten die Gelegenheit indes für eine kräftigere Anpassung: So senkte Volkswagen Bank direct den Tagesgeld-Zins für Neukunden von 2,3 auf 2,0 Prozent; Bank of Scotland überweist statt 2,25 nun ebenfalls 2,0 Prozent. Gleichwohl gibt es auch „Felsen in der Brandung“: GEFA Bank garantiert Neukunden für Einlagen ab 10.000 Euro weiter einen Zins von 2,5 Prozent für die Dauer von sechs Monaten. Und bei CortalConsors bekommen sie für ihr Tagesgeld noch immer 2,4 Prozent, wobei dieser Zins für zwölf Monate festgeschrieben wird.

Kreditkarte: DKB spart sich jetzt 0,5 Prozentpunkte

Ordentlich Bewegung gab es auch bei den Tagesgeld-Angeboten von Banken, bei denen Einlagen bis zur Höhe von 100.000 Euro abgesichert sind. akf bank etwa senkte von 2,4 auf 2,15 Prozent, Advanzia Bank von 2,31 auf 2,03 Prozent. Besonders deutlich gingen die Zinsen der DKB Deutsche Kreditbank zurück, die über das System der Öffentlichen Banken abgesichert ist: Das in Berlin ansässige Institut senkte den Guthabenzins für das Kreditkartenkonto von 2,05 auf 1,55 Prozent –und damit doppelt so stark wie die EZB. Ebenfalls weniger kassieren Kunden der Ikano Bank, die noch 2,25 statt 2,41 Prozent erhalten.

Festgeld: Geringe Konkurrenz sorgt für Zins-Talfahrt

Bei den längerfristigen Anlagen herrscht traditionell weniger Konkurrenz um Kundengeld als beim Tagesgeld – was dazu führt, dass, prozentual betrachtet, mehr Banken die Zinsen gesenkt haben als beim Tagesgeld. Auch hier liegen Häuser mit ausschließlich gesetzlicher Einlagensicherung an der Spitze: Während Moneyou für einjähriges Festgeld jetzt 2,55 Prozent (vorher 2,75) und Garanti Bank 2,5 Prozent (vorher 2,65) zahlen, bleibt NIBC Direct mit dem Spitzenzins von 2,7 Prozent am Markt. Im Mittel kommen diese Banken bei drei Jahren Laufzeit auf 2,19 statt zuvor 2,43 Prozent. Damit liegen sie deutlich vor den 1,26 Prozent (vorher 1,38), die Banken mit zusätzlicher Einlagensicherung zahlen.

Sparbriefe: weiterhin große Unterschiede

Analog sieht die Situation bei Sparbriefen aus. Wer Geld für drei Jahre festlegen möchte, kann bei Banken mit gesetzlicher Einlagensicherung im Durchschnitt nun 2,68 Prozent erwarten (vorher 3,4), bei anderen Häusern indes nur 1,65 Prozent (vorher 1,77). Den höchsten Zins zahlt indes die über den Bundesverband deutscher Banken abgesicherte Santander Consumer Bank mit 3,25 Prozent, gefolgt von der ebenfalls derart gesicherten Oyak Anker Bank mit 3,2 Prozent. Bei der fünfjährigen Laufzeit beträgt der Unterschied zwischen diesen Bankengruppen nach der Zinssenkung im Mittel 1,2 Prozentpunkte.

Bei den Dispozinsen tut sich noch nicht viel

Eher gemächlich lassen es die Banken bei der Senkung der Dispozinsen angehen. Bislang wurden für zehn von 45 Girokonten die Dispozinsen gesenkt, sodass der Mittelwert minimal von 11,07 auf 11,03 Prozent gerutscht ist. Banken, die die Zinshöhe an den Leitzins gekoppelt haben, müssen die Zinsen zeitnah anpassen, während Häuser mit dem Euribor als Referenzwert sich bis zum Ende des Quartals Zeit lassen können. Kontenbesitzer sollten also darauf achten, dass die Zinsen spätestens zu Oktoberbeginn angepasst werden.

Spitzenreiter bei den niedrigsten Dispozinsen ist mit nun 5,25 Prozent die Deutsche Skatbank, gefolgt von der DAB bank AG mit 6,95 Prozent und der DKB Deutsche Kreditbank, die 7,9 Prozent verlangt. Die höchsten Zinsen kassieren Targobank (13,63 Prozent), Sparkasse Langen-Seligenstadt (13,50 Prozent) und Berliner Sparkasse (13,25 Prozent).

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung