Hypotheken- und Anlagezinsen:

Frankfurt 16.08.2014 –– Die Hypothekenzinsen schlittern abwärts – und ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Erstmals liegt der FMH-IndeX für zehnjährige Darlehen unter zwei Prozent. Damit entwickelten sich die Zinsen 2014 genau anders, als Experten vorhersagten.

An den Finanzmärkten gibt es ein Phänomen, das man als paradoxe goldene Regel bezeichnen könnte: Wenn sich alle Marktbeobachter einig sind, dass sich die Zukunft so und so entwickelt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es genau anders kommt. Was absurd erscheint, lässt sich jedoch vielleicht logisch erklären: Wenn etwa alle glauben, dass Aktien steigen werden, haben die meisten Marktteilnehmer vermutlich schon gekauft – folglich gibt es kaum noch Käufer, die die Preise höher treiben könnten. Das Ergebnis: Die Aktienkurse bewegen sich seitwärts oder fallen sogar.

Experten setzten einmütig auf das falsche Pferd

Eine solche Zinsentwicklung ist seit Anfang des Jahres auch bei den Zinsen für Staatsanleihen und Pfandbriefe zu beobachten, von denen wiederum die Hypothekenzinsen abhängen. Durch die Bank erklärten Finanzexperten, dass die Zinsen 2014 nur steigen könnten und nannten nachvollziehbare Gründe dafür – etwa dass die US-Notenbank die Anleihekäufe drosselt und deshalb die Nachfrage nach Staatsanleihen zurückgeht. So erwarteten 67 von 67 (!) Wirtschaftswissenschaftlern, die der Nachrichtensender Bloomberg befragt hatte, dass die Kurse bis Oktober sinken und damit die Renditen steigen würden. Inzwischen wissen wir alle, dass sie – Stand Mitte August – ziemlich daneben lagen.

Zinsschwäche im Frühjahr korrekt prognostiziert

Auch wir sind vor solchen Irrtümern nicht gefeit. Im letzten FMH-ZinsReport des Jahres 2013 rechneten wir mit einem leichten Anstieg der Zinsen bis Ende 2014. Zu unserer Ehrenrettung sei gesagt, dass wir – im Gegensatz zu anderen Marktbeobachtern – eine Zinsschwäche im Frühjahr kommen sahen. Wie prognostiziert, gaben die Hypothekenzinsen von März bis Mai auch nach. Den weiteren Zinsrückgang der Sommermonate, der auch den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine, im Irak und in Gaza geschuldet ist, hatten wir jedoch nicht auf der Rechnung.

FMH-IndeX: Zehnjährige erstmals unter zwei Prozent!

Durch den Zinsrutsch ist erstmals in fast 30 Jahren auch unser FMH-IndeX für zehnjährige Hypothekendarlehen unter die Marke von zwei Prozent gesunken. Volltilgerdarlehen mit dieser Laufzeit sind sogar für rund 1,5 Prozent im Jahr zu bekommen. Vom jetzigen Blickwinkel aus betrachtet gibt es keinen vernünftigen Grund, warum die Anleihe- und Hypothekenzinsen bald steigen sollten. Eher ist damit zu rechnen, dass sie auf diesem niedrigen Niveau verharren bzw. weiter leicht zurückgehen. Das hat erfreuliche und weniger erfreuliche Konsequenzen für Immobilien-Interessenten und Anleger.

Deutliche Zinsspanne bei den Kreditgebern

Wer sich für den Kauf einer Immobilie interessiert und dazu ein Baudarlehen abschließen muss, kann sich recht entspannt zurücklehnen. Keinesfalls sollte man sich von der Hausbank wegen der „unglaublich niedrigen (hauseigenen) Zinsen“ in ein Angebot drängen lassen. Deutlich besser fährt, wer sich über unseren Hypotheken-Vergleich sorgfältig über die besten Angebote informiert und erst danach alles unter Dach und Fach bringt. Schließlich weisen bereits die Anbieter, die uns freiwillig ihre Daten melden, eine Spanne von einem halben Prozentpunkt bei zehnjährigen Darlehen auf. Dabei werden jene Banken gar nicht aufgeführt, die sich der Transparenz unserer objektiven Vergleiche nicht stellen wollen.

Sinkende Zinsen stärken den Aktienmarkt

Für Anleger ist die Botschaft aus dem Zinstal zwar weniger erfreulich, aber nicht völlig niederschmetternd – zumindest wenn sie mit einem Teil ihres Geldes gewisse Risiken eingehen können und wollen. Denn kontinuierlich niedrigere Zinsen stärken auf lange Sicht den Aktienmarkt, weil die Unternehmen weniger für die Bedienung von Krediten aufwenden müssen. Zugleich sind Anleihen immer weniger eine Alternative für Anleger, da deren Ausschüttung deutlich unter der von dividendenstarken Unternehmen liegt.

Fazit: Wie schon in früheren Zeiten zeigt sich auch heute, dass eine breite Streuung des Geldes auf verschiedene Anlageklassen der beste Schutz gegen Fehlprognosen und eine Entwertung des erwirtschafteten Vermögens ist.