Zinssenkung

Frankfurt 12.09.2014 –– Banken können sich nach der EZB-Zinssenkung für quasi nichts Geld leihen. Damit sinkt ihr Anreiz, Kunden Zinsen zu zahlen, weiter. Anlegern, die ihr Geld bei Top-Banken anlegen und auf mehrere Laufzeiten aufteilen, macht das weniger aus.

„Zinskosmetik“, „Liquiditätsdoping“ oder „verzweifeltes Aufbäumen“ – mit solchen Worten haben Volkswirte und Finanzexperten die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf nun 0,05 Prozent kritisiert. Zudem will die Notenbank den Banken unter anderem Pfandbriefe abkaufen, um die aus ihrer Sicht viel zu niedrige Inflationsrate von 0,3 Prozent im Euro-Raum zu erhöhen. Die Hoffnung von Draghi und anderen Zentralbankern: Die Banken vergeben mit dem freiwerdenden Geld Kredite, vor allem an klamme Unternehmen und Haushalte in Südeuropa.

FMH-IndeX geht nach Zinssenkung zurück

Ob die Maßnahmen der EZB von Erfolg gekrönt sein werden, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Sicher ist schon jetzt, dass die Banken den Sparern und Anlegern durch den erneuten Zinsrückgang immer weniger Zinsen fürs Ersparte gutschreiben werden. So ist der repräsentative FMH-IndeX für Tages- und Festgeld nach der Zinssenkung weiter gesunken – für Tagesgeld auf nun 0,58 Prozent und für einjähriges Festgeld auf inzwischen 0,52 Prozent.

Manche Bank erhöht Zinsen gegen den Trend

Gleichwohl gibt es noch immer einige Banken, die Tagesgeld mit über 1,2 Prozent und Festgeld mit mehr als 1,4 Prozent verzinsen. Zudem widersetzt sich manches Institut dem Abwärtstrend. Dazu gehört etwa die VTB Direktbank, die zur zweitgrößten russischen Bankengruppe gehört und in Österreich lizensiert ist – was bedeutet: Im Fall einer Bankenpleite haftet der österreichische Staat. Sie bietet Sparern fürs Tagesgeld bundesweit nun 1,25 Prozent und fürs zwölfmonatige Festgeld 1,5 Prozent. Wer Geld für zwei Jahre festlegt, bekommt dort jetzt 1,65 Prozent. Übrigens: Weil es sich bei der russischen Bank um eine österreichisches Tochterunternehmen handelt, ist sie von den EU-Sanktionen ausgenommen.

Wer sein Geld splittet, fährt besser

Die Aufteilung des Ersparten auf verschiedene Laufzeiten kann auch in dieser Phase ein guter Weg zu einer akzeptablen Verzinsung sein – zumindest für jene Sparer, deren gesamtes Geld nicht täglich verfügbar sein muss. Angesichts einer Inflationsrate von 0,8 Prozent in Deutschland und einer recht geringen Wahrscheinlichkeit, dass die Geldentwertung in den nächsten ein bis zwei Jahren spürbar steigt, lässt sich eine Drittelung des Ersparten auf Tagesgeld sowie auf ein- und dreijähriges Festgeld vertreten. Wer dabei Wert auf die deutsche oder österreichische Einlagensicherung legt, kommt bei den Top-Banken auf eine durchschnittliche Verzinsung von 1,63 Prozent.

Dispokunden profitieren nicht

Wer seinen Dispokredit oft nutzt, wird von der Zinssenkung der Notenbank kaum profitieren. Denn Banken, die den Dispozins an den Leitzins gekoppelt haben, nehmen den Zins in aller Regel erst zurück, wenn die EZB den Leitzins um mindestens 0,25 Prozentpunkte drosselt. Die aktuelle Senkung (0,1 Prozentpunkte) erfüllt dieses Kriterium nicht, was sich auch im FMH-IndeX für den Dispozins spiegelt, der bei 9,97 Prozent verharrt. Gleichwohl sind kundenfreundliche Zinssenkungen einzelner Banken nicht ausgeschlossen, zumal sie auch von der Politik gern gesehen werden.

Sinken die Bauzinsen durch Anleihekäufe erneut?

Abzuwarten bleibt, ob sich die für Oktober angekündigten Anleihe- und Pfandbrief-Käufe der EZB bei den Hypothekenzinsen niederschlagen werden. Schließlich schafft die Notenbank mit diesem Programm zusätzliche Nachfrage nach diesen Papieren, was deren Zins sinken lassen müsste. Da die Bauzinsen letztlich von den Zinsen für Staatsanleihen und Pfandbriefe abhängen, könnten diese nochmals nachgeben. Bislang hält sich unser FMH-IndeX für Hypotheken jedoch stabil auf dem bisherigen Niveau.