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Frankfurt 30.07.2012 –– Neues Auto oder Reparatur am Haus – es gibt einige gute Gründe für größere Ausgaben. Herrscht Ebbe auf dem Konto, denken viele Konsumenten fast automatisch an einen Ratenkredit oder gar an den Verkauf ihrer Kapitallebensversicherung. Was viele nicht wissen: Sie können ihre Police beleihen, ohne den Versicherungsschutz zu verlieren und die Altersvorsorge aufzugeben. Ob und für wen sich dieses Darlehen lohnt, hat die FMH-Finanzberatung aktuell untersucht.

Wer eine private Kapitallebens- oder Rentenversicherung hat, kann die Police bis zu 100 Prozent des aktuellen Rückkaufwertes beleihen. Das gilt auch, wenn die Versicherung nicht mehr bespart wird, weil sie bereits beitragsfrei gestellt worden ist. Zudem bietet das Policendarlehen gegenüber dem Ratenkredit den Vorteil, dass Sondertilgungen wie auch die komplette Rückzahlung des Darlehens auf einen Schlag möglich sind, ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig wird. Nicht beleihbar sind staatlich geförderte Riester- und Rürup-Produkte.

Kein fester Tilgungsplan

Ein fester Tilgungsplan ist ebenfalls nicht vorgesehen; nur die Kreditzinsen müssen kontinuierlich beglichen werden. Aber: Wer sich mit der Rückzahlung (sehr) lange Zeit lässt, muss teils deutliche Abstriche bei der Altersvorsorge in Kauf nehmen. Im Extremfall zieht der Versicherer das nicht getilgte Darlehen am Ende der Vertragslaufzeit von der Leistung im Erlebensfall ab und überweist nur einen verschwindend geringen Differenzbetrag – ein Grund, warum man bei der Allianz empfiehlt, das Policendarlehen eher für kurzfristige Überbrückungen zu nutzen.

Unkompliziert und ohne Bonitätsprüfung

Für Arbeitslose ist die Beleihung der Versicherungspolice meist die einzige Option, um an einen Kredit zu kommen. Auch Selbstständige erhalten auf weitaus unbürokratischere Weise ein Darlehen als in der Kreditabteilung einer Bank, bei der ein Antrag erst den gesamten Prozess der Risikokontrolle durchlaufen muss. Selbstredend entfällt die Prüfung durch die Schufa, da die Kreditnehmer das Geld ja aus ihren eigenen Ersparnissen erhalten.

Sehr große Spannbreite bei den Zinsen

Sind Policendarlehen also der perfekte Ersatz für Ratenkredite? So einfach ist es leider nicht. Denn: Ob sich ein solches Darlehen im Vergleich zur Bankalternative lohnt, hängt davon ab, bei welcher Gesellschaft der potenzielle Kreditnehmer die Police abgeschlossen hat. Die Spannbreite reicht nach unseren Recherchen von sehr konkurrenzfähigen 4,50 Prozent bei der RheinLand bis zu extrem hohen 8,70 Prozent bei Inter LV und Nürnberger. Außer RheinLand haben Debeka mit 4,55 Prozent und Münchener Verein mit 4,71 Prozent noch Zinsen unterhalb der Fünf-Prozent-Marke (siehe Tabelle).

Policendarlehen von Versicherungen

Viele Banken sind günstiger

Wie Kreditnehmer mit Policendarlehen fahren, zeigt der Vergleich zu den Ratenkredit-Konditionen, wie wir sie in unserem FMH-IndeX ermitteln. Wer aktuell einen Ratenkredit in Höhe von 10.000 Euro benötigt und dazu ein bonitätsunabhängiges Angebot nutzt, zahlt bei einer Laufzeit von drei Jahren im Mittel 5,95 Prozent und bei fünf Jahren Laufzeit 6,26 Prozent. Die günstigsten Versicherer verlangen über diese Laufzeiten einen Effektivzins von 4,4 Prozent bzw. fünf Prozent und mehr. Von den insgesamt 46 Gesellschaften wollen jedoch 29 für ihr Darlehen einen Zins oberhalb der Marke von 6,26 Prozent. Das bedeutet: Versicherte, die eine Gesellschaft mit Zinsen an oder gar über der Sieben-Prozent-Schwelle erwischt haben, sollten insbesondere bei kürzeren Laufzeiten von Policendarlehen absehen – außer sie haben keine andere Wahl.

Zinsen seit Ewigkeiten nicht angepasst

Interessant ist, dass mancher Versicherer die Zinsen seit einer Ewigkeit nicht angepasst hat. So verlangt die Barmenia seit Juni 1991 Darlehenszinsen in Höhe von 8,0 Prozent. Die Basler kassiert für Kredite seit 2003 einen Effektivzins von 7,27 Prozent, während die Württembergische Lebensversicherung seit Juni 1999 ihre 7,93 Prozent einstreicht. Solche Indizien deuten darauf hin, dass nicht jede Versicherungsgesellschaft es darauf anlegt, Policendarlehen zu vergeben.

Zweitmarkt als Alternative

Anders sehen das offenbar Anbieter wie Policen Direkt (Marktführer im Zweitmarkt), lifeFinance oder cash.life, die Versicherten am Zweitmarkt die Möglichkeit bieten, an Geld zu kommen, ohne deshalb ihre Police verkaufen zu müssen. Über sie können Interessenten ebenfalls bis zu 100 Prozent des Rückkaufswertes beleihen. Auch einige Banken wie DSL-Bank oder SWK-Bank bieten inzwischen verbilligte Ratenkredite zu einem pauschalen Zinssatz von unter sechs Prozent effektiv an, wenn als Sicherheit das Policendarlehen hinterlegt wird.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung

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