Bausparvertrag ja oder nein
Bausparvertrag ja oder nein? © deagreez / Adobe Stock

Frankfurt 08.10.2019 –– Bausparen ist tot? Von wegen. Banken und Vermittler verdienen wieder ansehnliche Summen mit dem Verkauf von Bausparverträgen. Doch wie sinnvoll ist ein Abschluss aus Kundensicht? Wir haben nachgerechnet – mit eindeutigem Ergebnis.

Bausparen hat sich in den vergangenen acht Jahren vom Liebling angehender Eigenheimbesitzer zum argwöhnisch beäugten Schmuddelkind entwickelt. Daran ist zum einen die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) schuld – aber auch das Geschäftsgebaren der Bausparkassen.

Die FMH-Finanzberatung hat seit 1993 regelmäßig deren Zinsen und Bedingungen gesammelt. Anfangs war das einfach, weil die Anbieter bereitwillig ihre Daten meldeten. Der Branche ging es blendend. Die Kreditzinsen der Banken waren hoch, die Nachfrage nach billigen Hypothekendarlehen entsprechend groß – und die Bausparkassen brauchten möglichst viele Kundengelder. Deshalb umgarnten sie selbst Sparer, die gar nicht die Absicht hatten, irgendwann ein günstiges Darlehen abzurufen. Um sie zu ködern, versprachen die Bausparkassen allen jenen einen Bonus, die später auf ein Darlehen verzichteten. Das sollte sich als verhängnisvoller Fehler erweisen.

Folgenreiche Fehleinschätzung

Erste Anzeichen dafür gab es bereits im Jahr 2005, als die Hypothekenzinsen der Banken seit langem wieder deutlich sanken. Den eigentlichen Genickschlag aber erhielt die Branche durch die Finanzkrise 2008/2009. Deren Auswirkungen hat man offenbar völlig falsch eingeschätzt. Alles spricht dafür, dass die Bausparkassen nur von einem vorübergehenden Finanzbeben ausgingen, das sich mit garantiert niedrigen Bausparzinsen gut überstehen lasse. Schließlich, so das Kalkül, würden die Zinsen ja nicht ewig im Keller bleiben.

Doch die Bausparkassen hatten die Rechnung ohne die Zentralbanken gemacht. Diese drückten die Leitzinsen auf null und schickten damit auch die Hypothekenzinsen auf immer neue Tiefststände. Plötzlich boten nahezu alle Banken günstigere Sollzinsen an als die vermeintlich so billigen Bausparkassen. Gleichzeitig mauserten sich deren Anlagezinsen zu ansehnlichen Renditen – erst recht, wenn man die (teuren) Darlehen nicht abrief und auch noch einen Bonus dafür kassierte: Die Bausparkassen waren zum Opfer ihrer eigenen Marketingstrategie geworden.

Um die Verluste zu begrenzen, schickten sie nun ihre Rechtsexperten los – und kündigten im großen Stil die alten, gut verzinsten Bausparverträge. Die einst so heftig umworbenen Kunden waren darüber naturgemäß nicht glücklich. Etliche von ihnen klagten – viele mit Erfolg. Zwar befanden die Gerichte in die vorzeitige Vertragskündigung durch Wüstenrot & Co in einigen Fällen auch für rechtens. Dennoch haben die Verfahren dem Ansehen der Bausparkassen massiv geschadet.

Aus Schaden wird nicht jeder klug

Wer allerdings denkt, dass die Branche sich aktiv um Schadensbegrenzung bemüht hätte, der irrt. Statt sich nach der verheerenden Berichterstattung aktiv um größtmögliche Transparenz zu bemühen, mauerten die Anbieter weiter. Auch gegenüber der FMH: Als wir uns vor einigen Jahren bereit erklärten, die – aus unserer Sicht überhöhte – Abschlussgebühr der Bausparkassen mit unseren Kunden zu teilen, sahen die Bausparkassen dies als Angriff aufs Kollektiv an und weigerten sich, von der FMH Verträge anzunehmen – und schadeten damit erneut ihren eigenen Kunden.
Die FMH hat daraus Konsequenzen gezogen. Heute beziehen wir unsere Daten zu den Bausparkassen ausschließlich aus deren Allgemeinen Bausparbedingungen (ABB) – und bieten den Vergleich auf anderer Basis wieder an.

Verkaufen und Beraten sind zweierlei

Wie wichtig es ist, der Branche weiterhin auf die Finger zu schauen, beweist ein Blick auf die Abschlusszahlen. Vom einstigen Hoch sind die Bausparkassen zwar noch weit entfernt. Dennoch steigen die Zahlen seit einigen Jahren wieder: Viele Banken und auf Provisionsbasis arbeitende Vermittler empfehlen Kunden gerne, ihre eigentliche Finanzierung mit einem Bausparvertrag abzusichern. Auf diese Weise, so das Argument, könnten Kunden ihr Anschlussdarlehen auch dann problemlos bedienen, wenn die Zinsen nach Ablauf der Zinsbindung wieder gestiegen sein sollten.

Doch ist diese Empfehlung wirklich im Sinne des Kunden? Wir haben nachgerechnet.

Ergebnis: Das Bausparmodell kann sich zwar lohnen, allerdings nur, wenn die Anschlusszinsen beim Bankdarlehen bei mehr als vier Prozent liegen. Für den (nicht unwahrscheinlichen) Fall, dass auch in zehn Jahren noch Zinsen von vier Prozent oder weniger anfallen, verdienen allein die Bank und der Vertriebler.

Fazit: Da keiner weiß, wie sich die Zinsen in den nächsten Jahren entwickeln werden, ist Bausparen zu einem Produkt für Spekulanten geworden. Wer (wie so manche Experten) davon ausgeht, dass wir japanische Verhältnisse mit jahrelangem Niedrigzins bekommen, sollte um Bausparverträge einen weiten Bogen machen. Wer hingegen davon ausgeht, dass die EZB auf absehbare Zeit eine Zinswende einläuten wird, kann einen Abschluss überlegen – oder sich zum Festpreis von 175 Euro von der FMH-Finanzberatung durchrechnen lassen, wann sich welche Modelle (mit oder ohne Bausparen) für die konkreten Finanzierungsabsichten lohnen.

Weitere Darstellungen zur Zinsentwicklung von Bausparen und Hypotheken finden Sie hier:
https://index.fmh.de/fmh-index/zinsentwicklung/spezialgrafiken/
Bausparen vs Hypothekenzins 2019
© FMH-Finanzberatung / FMH-Finanzberatung

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