Tagesgeld Neuorientierung
Nicht nach Negativzinsen schauen, sondern nach besseren Tagesgeldzinsen. © Adobe Stock
„Weshalb nur schauen alle auf die Negativzinsen, anstatt zu schauen, wo sich noch Geld verdienen lässt?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich unser Finanzexperte Max Herbst in dieser Woche und richtet den Fokus aufs Tagesgeld.

Gäbe es auch in der Finanzbranche ein Unwort des Jahres: „Negativzins“ wäre ein heißer Aspirant auf den Titel. Dabei ist das Instrument gar nicht so neu, wie viele meinen.

Die ersten Strafzinsen gab es schon in den 1970-er Jahren in der Schweiz. Damals galt das Vorgehen der eidgenössischen zwar noch als ziemlich sonderbar. Doch spätestens seit 2014, seit die Europäische Zentralbank als erste große Zentralbank Negativzinsen verlangte, wagen auch immer mehr deutsche Geldhäuser den Tabubruch.

Die Hemmschwelle sinkt

Anfangs waren Strafzinsen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto vor allem bei vermögenden Kunden ein Thema. Nur wer mehr als eine Million dort geparkt hatte, musste befürchten, dass seine Bank ihn für die Verwahrung der Barschaft zur Kasse bat. Schon bald reduzierte sich der Betrag jedoch auf 500.000 Euro, und inzwischen gibt es etliche Banken, bei denen nur noch 100.000 Euro kostenlos auf dem Konto liegen dürfen: Die Volksbank Magdeburg setzt inzwischen sogar auf einen kombinierten Freibetrag: Danach sind nur noch 75.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto zins- und kostenfrei erlaubt, auf dem Girokonto maximal 25.000 Euro.

Für die Kunden dieser Banken sind das keine guten Nachrichten. Dennoch ist es falsch, sich zu der Aussage zu versteigen, Sparen in Deutschland mache arm. Denn Geld verlieren nur jene Kunden, die die Negativzinsen ihrer Bank klaglos bezahlen. Wer sich hingegen eine halbe Stunde Zeit nimmt und mit dem FMH-Tagesgeldvergleich die besten Tagesgeld-Angebote herausfiltert, findet auch heute Banken, die vergleichsweise attraktive Habenzinsen fürs Tagesgeld zahlen.

Die PSA-Direktbank etwa garantiert Neukunden derzeit noch stolze 0,7 Prozent bis zum 04.02.2020. Bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro erhalten Wechselwillige im besagten Zeitraum immerhin rund 155 Euro an Zinsgutschrift, während sie bei ihrer Volksbank bis dahin rund 110 Euro Strafzinsen zahlen müsste.

Eine Alternative ist die Advanzia aus Luxemburg, die seit vielen Monaten zu den besten Tagesgeldbanken zählt. Zwar hat das Institut im Oktober seine Zinsen gesenkt. Damit aber stehen die Chancen gut, dass der aktuelle Satz von 0,4 Prozent noch eine Weile Bestand hat. Würde er bis zum 30. Juni 2020 gelten, könnten Kunden mit 100 000 Euro Guthaben gegenüber 0,5 Prozent Strafzinsen einen Vorteil von 575 Euro erwirtschaften. Und selbst wenn die Advanzia ihre Zinsen in den kommenden Wochen auf 0,2 Prozent senken sollte, läge das Plus bis Mitte 2020 immer noch bei 450 Euro, weil keine Strafzinsen anfallen.

Bei Sparsummen, die den europaweit abgesicherten Betrag von 100 000 Euro nicht überschreiten, können Kunden EU-weit die Konditionen der Geldhäuser vergleichen und über Vermittler schnell und unkompliziert wechseln. Wer ausländischen Banken eher skeptisch gegenüber steht, muss ja nicht gleich auf italienische oder bulgarische Banken ausweichen, um attraktive Zinsen zu erhalten: Es gibt auch viele europäische Banken in Deutschland. Sie tragen zwar zum Teil ausländische Namen (Akbank und VTB), bieten aber die hervorragende deutsche Einlagesicherung oder sichern Kundengelder nach dem Einlagensystem Frankreichs (PSA Direktbank), der Niederlade (RaboDirect), Österreichs (Sberbank) oder Schweden (Ikano Bank) ab.

Wechseln und Gutes tun

Wer sich von einer Bank abwendet, die Negativzinsen verlangt, tut zudem nicht nur sich selbst einen Gefallen, sondern handelt auch im Sinne der übrigen Anleger. Denn je mehr Kunden auf Strafzinsen mit einem Wechsel reagieren, desto vorsichtiger dürften die Geldhäuser mit der Weitergabe der EZB-Strafzinsen an Privatleute werden.

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