Zinsprognose 2020
Wie entwickeln sich die Zinsen im neuen Jahr? © simbos / Adobe Stock

Frankfurt 23.12.2019 –– Ein verrücktes Zinsjahr geht zu Ende, aber auch die kommenden zwölf Monate könnten wieder turbulent werden. Nach wie vor gilt sowohl für Anlagezinsen als auch Kreditzinsen: Alles kann – nichts muss. Was Anleger und Bauherren wissen müssen.

Hinterher ist man immer schlauer. Diese alte Binse ist noch immer voller Wahrheit. Nehmen wir zum Beispiel die Finanzwelt. Ende 2018 gab es so gut wie keinen Experten, der bezüglich Zinsentwicklung nicht von steigenden Zinsen ausging – auch und gerade bei Baufinanzierungen. Tatsächlich deutete so gut wie alles auf eine solche Entwicklung hin. Die EZB hatte ihren umstrittenen Anleihenkauf gestoppt, steigende Leitzinsen galten als ausgemacht. Damit, so die allgemeine Auffassung müssten sich die Zinsen auch in anderen Bereichen nach oben entwickeln.

Wie wir wissen, kam es anders.

Vom Neujahrstag bis Mitte Oktober kannte die Kurve beim Tages- und Festgeld nur eine Richtung: abwärts. Die Hypothekenzinsen entwickelten sich ebenso. Mitte Oktober gab es sogar kurzfristig ein Darlehen, das bei einer Volltilgung binnen zehn Jahren für 0,02 Prozent zu haben war – also quasi umsonst. Selbst Negativzinsen bei der Baufinanzierung sind inzwischen schon zu haben – auch wenn sie nicht aktiv so beworben werden. Doch wer etwa die Tilgungszuschüsse der KfW für energetische Bauvorhaben nutzt, verdient im Endeffekt dadurch Geld, dass er sich verschuldet.

Die Kehrseite der Medaille: Auch Sparer werden seit diesem Jahr immer häufiger mit Negativzinsen belegt. Bei Anlagebeträgen über 100.000 Euro sind derlei Strafzahlungen fast schon eine Selbstverständlichkeit. Einzelne regionale Banken verlangen bei Neukunden und neu angelegtem Geld sogar schon ab dem ersten Euro 0,5 Prozent Minuszinsen oder Verwahrentgelte.
Das führt zu der drängenden Frage: Was bringt das neue Jahr?

  • Zinsprognose zum Tagesgeld

    Auf attraktive Zinsen hoffen Tagesgeldsparer schon lange nicht mehr. 2020 dürfte sich stattdessen – mehr noch als im vergangenen Jahr –die Furcht vor Negativzinsen oder Verwahrentgelten ausbreiten. Vor allem bei Neukunden ist das durchaus berechtigt. Schon heute liegt der Mittelwert der 712 Banken, die Tagesgeldkonten anbieten, bei einer Guthabenverzinsung von nur noch 0,0078 Prozent. Und es wird wohl noch weiter nach unten gehen. Selbst die Direktbanken steuern bereits auf den Nullzins zu: Die ING ist bei Bestandskunden schon bei kaum noch messbaren 0,001 Prozent angelangt. Insgesamt bieten nur noch 32 von 712 Banken einen Zinssatz zwischen 0,5 und 0,1 Prozent. Alle anderen zahlen 0,05 Prozent und weniger. Attraktive Zinsen finden Sie im FMH-Tagesgeldvergleich

  • Prognose zum Festgeld

    Ein ähnliches Bild bietet sich beim Festgeld: Die Zinssätze für Anlagezeiträume bis fünf Jahre nähern sich auch hier an die Nulllinie an. Für einen Festlegungszeitraum von zwölf Monaten bieten die 575 Banken in unserer Datenbank derzeit im Mittel noch 0,13 Prozent, wer drei Jahre auf sein Geld verzichtet, bekommt läppische 0,19 Prozent, bei fünf Jahre sind es 0,22 Prozent. 52 Banken von 575 bieten null Prozent Zinsen für eine Festgeldanlage von zwölf Monaten. Immerhin: 29 Banken bieten für eine Festanlage über ein Jahr noch Zinsen zwischen 0,25 und einem Prozent – diese erfreulichen Ausnahmen könnten im kommenden Jahr aber noch seltener werden. Attraktive Zinsen finden Sie im FMH-Festgeldvergleich

  • Zinsprognose zu Ratenkrediten

    Wie sich die Zinsen bei den Ratenkrediten entwickeln werden, lässt sich derzeit unschwer abschätzen, da sie von der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) abhängen. Sollte man sich dort dazu durchringen, die Leitzinsen anzuheben – derzeit eher unwahrscheinlich –, könnte das auch auf die Zinsen der Ratenkredite durchschlagen. Aktuell geht der Trend aber in eine andere Richtung. Betrachtet man man die bonitätsunabhängigen Zinsen, dann haben sie sich in den vergangenen zwölf Monaten sogar noch einmal um 0,05 Prozentpunkte nach unten bewegt, obwohl die EZB keine Leitzinsveränderung vorgenommen hatte. Ein etwas verschobenes Bild gibt es bei den bonitätsabhängigen Angeboten, die mit extrem niedrigen Zinsen für Bestkunden werben und für diese Klientel auch etwas niedrigere Zinsen offerieren als vor einem Jahr. Das heißt aber nicht, dass die tatsächlich vergebenen Kredite in der Fläche billiger geworden wären Im Gegenteil. Der Grund: Längst nicht alle Kunden können mit optimalen Bonitätskriterien punkten. Daher verlangt der Gesetzgeber für unterschiedlich bepreiste Kredite, dass die Banken auch jene Zinsen nennen, die zwei Drittel der Kunden tatsächlich erhalten haben. Und dieser Wert ist nicht gefallen, sondern leicht angestiegen. 2020 dürfte sich das nicht wesentlich ändern: Der durchschnittlicher Zinssatz, egal ob für bonitätsabhängige oder -unabhängige Zinsen, dürfte bei etwa vier Prozent bleiben – und zwar relativ unabhängig von der Kreditlaufzeit. Attraktive Zinsen finden Sie im FMH-Ratenkreditvergleich

  • Zinsprognose für die Bauzinsen

    Noch schwieriger vorherzusagen ist die Zinsentwicklung bei den Bauzinsen. Sie hängen weniger von der EZB ab, sondern reagieren, über das Vehikel der deutschen Bundesanleihe, vor allem auf wirtschaftliche und politische Veränderungen. Ist die Welt halbwegs im Gleichgewicht, streben Anleger vor allem nach renditeträchtigen Anlageformen. In unruhigen Zeiten hingegen verlangt es sie vor allem nach Sicherheit – und damit meist auch nach deutschen Bundesanleihen, die in genügendem Umfang vorhanden sind und zu den sichersten Anlagen der Welt zählen. Je mehr Geld aber in diese Bundesanleihen fließt, desto tiefer sinkt auch deren Rendite – Angebot und Nachfrage. Das drückt zugleich auch die Erträge der Pfandbriefe– und am Ende dann die Bauzinsen. Anders formuliert: Eine entspannte weltpolitische Lage lässt die Bauzinsen eher steigen, Krisen drücken sie in den Keller. 2019 haben die deutschen Häuslebauer sowohl von den italienischen Staatsproblemen profitiert, als auch vom Kräftemessen der USA und China. Wie es 2020 weitergeht bleibt abzuwarten. Allerdings hat auch die hiesige Politik einen gewissen Einfluss auf die Zinsen. Sollte man sich in Berlin zum Abschied von der schwarzen Null durchringen, könnte das die Zinsen leicht steigen lassen. Die besten Bauzinsen finden Sie hier

Fazit: Bei aller Ungewissheit spricht derzeit viel dafür, dass 2020 ein Zinsjahr mit (überschaubaren) Schwankungen werden wird. Bei den Bauzinsen erwartet die FMH einen leichten Trend nach oben, Ratenkredite bleiben günstig, bei den Anlagezinsen könnten wir weiter in den Minusbereich rutschen.

Für Testzwecke können hier alle Rechner aufgerufen werden. Wird auf der richtigen Seite dann nicht mehr angezeigt.
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