Die günstigsten Girokoten bei Filialbanken 2016

Wirtschaftswoche online vom 11.02.2016

Bei welchen Filialbanken das Konto noch günstig ist

Viele Banken und Sparkassen erhöhen ihre Kontoführungsgebühren. Unser Vergleich zeigt, bei welchen Filialbanken Konto, EC- und Kreditkarte am günstigsten sind.

Post von der Bank hat oft nichts Gutes zu bedeuten. Zuletzt erhielten viele Verbraucher die Nachricht, dass ihr Konto künftig teurer wird. Zahlreiche Banken und Sparkassen erhöhen zum 1. April die Gebühren. Teilweise wird das Girokonto teurer, bei anderen Instituten sind es EC- oder Kreditkarten, für die höhere Gebühren anfallen.Viele Sparkassen, unter anderem die Sparkasse Leipzig oder die Erzgebirgssparkasse, haben sich für die Erhöhung neue Kontomodelle ausgedacht, zwischen denen der Verbraucher wählen kann. Die Grundgebühr für das Girokonto rangiert zwischen rund zwei und zwölf Euro. Je nach Modell, für welches der Kunde sich entscheidet, fallen mehr oder weniger Zusatzgebühren für einzelne Transaktionen an. Ist die Grundgebühr niedrig, werden unter Umständen bis zu zwei Euro für Ein- und Auszahlungen fällig. Je höher die Grundgebühr, desto mehr Leistungen sind inklusive. Viele Sparer fürchten nun, am Ende draufzuzahlen.Andere Banken, wie die genossenschaftliche GLS, erheben künftig einen sogenannten Mitgliedsbeitrag. Bei der GLS zahlen Kunden künftig einen “Solidarbeitrag” von bis zu 15 Euro. “In diesem Jahr sehen wir auffallend viele Gebührenerhöhungen”, sagt Max Herbst, Inhaber der Frankfurter FMH Finanzberatung. Ein weiterer Preistreiber seien Gebühren für Kreditkarten. Die EU hatte die Interbanken-Entgelte für Kreditkartenzahlungen zuletzt gedeckelt, weshalb befürchtet wurde, dass die Kreditkartenunternehmen als Ausgleich höhere Kartengebühren verlangen könnten.Banken im ZinsdilemmaGrund für die Gebührenerhöhung ist das schwache Zinsumfeld. Die niedrigen Zinsen drücken bei den Instituten auf die Margen, tragen sie ihr Geld zur Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen sie Strafzinsen, welche das Geschäft weiter belasten. Das Problem: der Wettbewerb auf dem Konto-Markt ist hart, vor allem wegen der Direktbanken, die Girokonten oft kostenlos anbieten.Entsprechend schrecken Banken davor zurück, den negativen Einlagezins an ihre Kunden weiterzugeben – eine massive Kündigungswelle möchte kein Institut mitmachen. Bleibt nur der Kniff mit den Gebühren. Selbst Bundesbank und Finanzaufsicht Bafin forderten die Branche dazu auf, sich ihre Dienstleistungen angemessen bezahlen zu lassen.Was tun, wenn die eigene Bank mehr Geld verlangt?Wer Preiserhöhungen nicht einfach so hinnehmen will, muss die Bank wechseln. Wer auf eine Filiale in der Nähe verzichten kann, findet bei Direktbanken eine günstige neue Kontoheimat. Das allerdings ist nicht jedermanns Sache.Deshalb hat die Frankfurter FMH Finanzberatung für WirtschaftsWoche Online bei insgesamt 50 Banken die Kosten für Kontoführung, Buchungen und EC- und Kreditkarten verglichen. Um günstige Starterpakete auszuschließen, wurde das Ranking nach den im zweiten Jahr auftretenden Kosten erstellt. ‘Im ersten Jahr gibt es oft einen Bonus, oder die Kreditkarte ist günstiger’, erklärt Herbst.Regionale und überregionale BankenBei den regionalen Banken fällt das gute Abschneiden der Sparda-Banken auf. Auch die PSD Banken gelten insgesamt als günstig, allerdings haben sie oft deutlich weniger Filialen. Am kostengünstigsten ist das Konto für Sparer bei der Sparda-Bank Hessen. Bei einem unterstellten Gehaltseingang von 1800 Euro im Monat ist das Girokonto kostenlos, auch für Buchungen und zwei EC-Karten fallen keine Gebühren an. Lediglich die Kreditkarte kostet – je nach Umsatz – maximal 20 Euro pro Jahr.Auch bei der Sparda-Bank Hamburg ist das Konto sehr günstig, solange man auf die zweite EC-Karte verzichten kann. Für die berechnet die Bank zehn Euro pro Jahr. Günstig sind Girokonten grundsätzlich auch bei den PSD Banken in Koblenz und Köln. Dort fallen allerdings Gebühren an, wenn Kunden etwa für Überweisungen in die Filiale kommen und nicht den Online-Service dafür nutzen. Zudem fällt bei vielen Sparda-Banken ein Mitgliedsbeitrag an.Aus Sicht eines Direktbank-Kunden mögen diese recht niedrigen Gebühren völlig normal sein. Der hintere Teil des Rankings zeigt allerdings, dass die Preisunterschiede bei Girokonten in Deutschland recht deutlich sind. Die Berliner Bank etwa verlangt immerhin sieben Euro im Monat für die Kontoführung. Zusammen mit 28 Euro, die als Gebühr für die Kreditkarte anfallen, kostet das Paket den Sparer 112 Euro pro Jahr.Tendenziell ist auch der Dispozins bei den günstigeren Banken niedriger. Er wird zwar in der Tabelle mit aufgeführt, hat aber keinen direkten Einfluss auf die Platzierung. ‘Nur etwa jeder sechste Kunde nutzt einen Dispo’, erklärt Finanzexperte Herbst. Oft würde der Überziehungsrahmen auch nur für geringere Beträge unter 1000 Euro genutzt.Wie dicht ist das Filialnetz?Ähnlich breit ist das Preisspektrum auch bei den überregionalen Filialbanken. Während Anleger beim 1|2|3 Girokonto der Santander Bank sogar eine monatliche Gutschrift bekommen können und so ein Überschuss von knapp 25 Euro erwirtschaftet werden kann, kostet das BestKonto der Deutschen Bank insgesamt knapp 120 Euro im Jahr. Dafür punktet Deutschlands größte Bank naturgemäß mit einem üppigen Filialnetz. Die Santander Bank kommt nur auf 150 Niederlassungen in Deutschland.Solche Fakten sollten Sparer bedenken, bevor sie vorschnell die Bank wechseln. ‘Analysieren Sie ihr Nutzungsverhalten’, rät Sabine Breidel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Nur wer einen Überblick darüber hat, welche Leistungen er wirklich braucht, kann ein passendes Kontomodell wählen.Auch Max Herbst warnt vor zu viel Großzügigkeit: Gerade sogenannte all-inclusive’ Konto-Pakete würden oft viele Leistungen enthalten, die der Kunde gar nicht in Anspruch nimmt, erklärt Herbst und erinnert an Handy-Flatrates, die sich auch oft nicht lohnen, weil viele Nutzer mit ihrem Smartphone gar nicht mehr telefonieren.Wer sich am Ende für einen Wechsel entscheidet muss aber nicht verzweifeln. Viele Banken bieten mittlerweile einen Wechselservice an. Oft werden dabei anfallende Kosten getragen und die nötigen Ansprechpartner wie Arbeitgeber oder andere, zu denen Daueraufträge bestehen, von der neuen Bank informiert. Panik vor fehlenden Einnahmen wäre also übertrieben.Die Ergebnisse im Überblick

Post von der Bank hat oft nichts Gutes zu bedeuten. Zuletzt erhielten viele Verbraucher die Nachricht, dass ihr Konto künftig teurer wird. Zahlreiche Banken und Sparkassen erhöhen zum 1. April die Gebühren. Teilweise wird das Girokonto teurer, bei anderen Instituten sind es EC- oder Kreditkarten, für die höhere Gebühren anfallen.

Viele Sparkassen, unter anderem die Sparkasse Leipzig oder die Erzgebirgssparkasse, haben sich für die Erhöhung neue Kontomodelle ausgedacht, zwischen denen der Verbraucher wählen kann.

Die Grundgebühr für das Girokonto rangiert zwischen rund zwei und zwölf Euro. Je nach Modell, für welches der Kunde sich entscheidet, fallen mehr oder weniger Zusatzgebühren für einzelne Transaktionen an. Ist die Grundgebühr niedrig, werden unter Umständen bis zu zwei Euro für Ein- und Auszahlungen fällig. Je höher die Grundgebühr, desto mehr Leistungen sind inklusive. Viele Sparer fürchten nun, am Ende draufzuzahlen.

Andere Banken, wie die genossenschaftliche GLS, erheben künftig einen sogenannten Mitgliedsbeitrag. Bei der GLS zahlen Kunden künftig einen “Solidarbeitrag” von bis zu 15 Euro. “In diesem Jahr sehen wir auffallend viele Gebührenerhöhungen”, sagt Max Herbst, Inhaber der Frankfurter FMH Finanzberatung. Ein weiterer Preistreiber seien Gebühren für Kreditkarten. Die EU hatte die Interbanken-Entgelte für Kreditkartenzahlungen zuletzt gedeckelt, weshalb befürchtet wurde, dass die Kreditkartenunternehmen als Ausgleich höhere Kartengebühren verlangen könnten.

Banken im Zinsdilemma

Grund für die Gebührenerhöhung ist das schwache Zinsumfeld. Die niedrigen Zinsen drücken bei den Instituten auf die Margen, tragen sie ihr Geld zur Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen sie Strafzinsen, welche das Geschäft weiter belasten. Das Problem: der Wettbewerb auf dem Konto-Markt ist hart, vor allem wegen der Direktbanken, die Girokonten oft kostenlos anbieten.

Entsprechend schrecken Banken davor zurück, den negativen Einlagezins an ihre Kunden weiterzugeben – eine massive Kündigungswelle möchte kein Institut mitmachen. Bleibt nur der Kniff mit den Gebühren. Selbst Bundesbank und Finanzaufsicht Bafin forderten die Branche dazu auf, sich ihre Dienstleistungen angemessen bezahlen zu lassen.

Was tun, wenn die eigene Bank mehr Geld verlangt?

Wer Preiserhöhungen nicht einfach so hinnehmen will, muss die Bank wechseln. Wer auf eine Filiale in der Nähe verzichten kann, findet bei Direktbanken eine günstige neue Kontoheimat. Das allerdings ist nicht jedermanns Sache.

Deshalb hat die Frankfurter FMH Finanzberatung für WirtschaftsWoche Online bei insgesamt 50 Banken die Kosten für Kontoführung, Buchungen und EC- und Kreditkarten verglichen. Um günstige Starterpakete auszuschließen, wurde das Ranking nach den im zweiten Jahr auftretenden Kosten erstellt. ‘Im ersten Jahr gibt es oft einen Bonus, oder die Kreditkarte ist günstiger’, erklärt Herbst.

Regionale und überregionale Banken

Bei den regionalen Banken fällt das gute Abschneiden der Sparda-Banken auf. Auch die PSD Banken gelten insgesamt als günstig, allerdings haben sie oft deutlich weniger Filialen. Am kostengünstigsten ist das Konto für Sparer bei der Sparda-Bank Hessen. Bei einem unterstellten Gehaltseingang von 1800 Euro im Monat ist das Girokonto kostenlos, auch für Buchungen und zwei EC-Karten fallen keine Gebühren an. Lediglich die Kreditkarte kostet – je nach Umsatz – maximal 20 Euro pro Jahr.

Auch bei der Sparda-Bank Hamburg ist das Konto sehr günstig, solange man auf die zweite EC-Karte verzichten kann. Für die berechnet die Bank zehn Euro pro Jahr.

Günstig sind Girokonten grundsätzlich auch bei den PSD Banken in Koblenz und Köln. Dort fallen allerdings Gebühren an, wenn Kunden etwa für Überweisungen in die Filiale kommen und nicht den Online-Service dafür nutzen. Zudem fällt bei vielen Sparda-Banken ein Mitgliedsbeitrag an.

Aus Sicht eines Direktbank-Kunden mögen diese recht niedrigen Gebühren völlig normal sein. Der hintere Teil des Rankings zeigt allerdings, dass die Preisunterschiede bei Girokonten in Deutschland recht deutlich sind. Die Berliner Bank etwa verlangt immerhin sieben Euro im Monat für die Kontoführung. Zusammen mit 28 Euro, die als Gebühr für die Kreditkarte anfallen, kostet das Paket den Sparer 112 Euro pro Jahr.

Tendenziell ist auch der Dispozins bei den günstigeren Banken niedriger. Er wird zwar in der Tabelle mit aufgeführt, hat aber keinen direkten Einfluss auf die Platzierung. ‘Nur etwa jeder sechste Kunde nutzt einen Dispo’, erklärt Finanzexperte Herbst. Oft würde der Überziehungsrahmen auch nur für geringere Beträge unter 1000 Euro genutzt.

Wie dicht ist das Filialnetz?

Ähnlich breit ist das Preisspektrum auch bei den überregionalen Filialbanken. Während Anleger beim 1|2|3 Girokonto der Santander Bank sogar eine monatliche Gutschrift bekommen können und so ein Überschuss von knapp 25 Euro erwirtschaftet werden kann, kostet das BestKonto der Deutschen Bank insgesamt knapp 120 Euro im Jahr. Dafür punktet Deutschlands größte Bank naturgemäß mit einem üppigen Filialnetz. Die Santander Bank kommt nur auf 150 Niederlassungen in Deutschland.

Solche Fakten sollten Sparer bedenken, bevor sie vorschnell die Bank wechseln. ‘Analysieren Sie ihr Nutzungsverhalten’, rät Sabine Breidel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Nur wer einen Überblick darüber hat, welche Leistungen er wirklich braucht, kann ein passendes Kontomodell wählen.

Auch Max Herbst warnt vor zu viel Großzügigkeit: Gerade sogenannte all-inclusive’ Konto-Pakete würden oft viele Leistungen enthalten, die der Kunde gar nicht in Anspruch nimmt, erklärt Herbst und erinnert an Handy-Flatrates, die sich auch oft nicht lohnen, weil viele Nutzer mit ihrem Smartphone gar nicht mehr telefonieren.

Wer sich am Ende für einen Wechsel entscheidet muss aber nicht verzweifeln. Viele Banken bieten mittlerweile einen Wechselservice an. Oft werden dabei anfallende Kosten getragen und die nötigen Ansprechpartner wie Arbeitgeber oder andere, zu denen Daueraufträge bestehen, von der neuen Bank informiert. Panik vor fehlenden Einnahmen wäre also übertrieben.

Littmann, Saskia

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