Baufinanzierung zum Jahresende: Jetzt könnte es schwierig werden, noch einen Kredit zu bekommen.
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Frankfurt 13.11.2020 –– Nicht nur die Ankündigung der (möglichen) Zulassung eines Corona-Impfstoffs lässt die Bauzinsen steigen. Auch andere Faktoren beeinflussen derzeit den Zinssatz für Immobilienkredite. Wer zeitnah eine Finanzierung braucht, muss daher besonders akribisch planen.

Das Jahr 2020 war bislang arm an guten Nachrichten. Die Meldung, dass ein vom deutschen Hersteller Biontech entwickelter und mit dem US-Konzern Pfizer geprüfter Corona-Impfstoff offenbar wirkt und zeitnah zugelassen werden könnte, sorgte daher für einen wahren Freudentaumel – auch an den Finanzmärkten.

Die Logik dahinter könnte sein, dass die Hoffnung auf ein Ende der Corona-Krise viel Geld in den Aktienmarkt hat fließen lassen, während sichere Anlageformen – etwa die deutsche Staatsanleihe – nicht mehr so gefragt waren. Diese Entwicklung schlägt bereits auf die Zinsen durch: Zwar bleibt es dabei, dass die zehnjährigen Bundesanleihe im Minus rentiert. Allerdings stieg der Wert von minus 0,65 auf minus 0,50 Prozent. Und weil die Bauzinsen stets die Zinsentwicklung der Bundesanleihe nachvollziehen, werden wohl auch sie in den nächsten Tagen leicht steigen.

Doch nicht nur das sollte Bauherren und Käufer zur Eile treiben. Auch die guten Umsätze der Banken in den vergangenen Monaten sprechen dafür, eine anstehende Baufinanzierung möglichst schnell unter Dach und Fach zu bringen. Einige Geldhäuser sind bereits dabei, sich die Rosinen aus den Finanzierungsanfragen herauszupicken. Normalkunden oder Bauherren mit wenig Eigenkapital müssen hingegen damit rechnen, deutlich mehr zu bezahlen als noch im Oktober.

Warum die Banken die Zinsen erhöhen

Zum Teil geht es den Geldhäusern nur darum, sich in den letzten Wochen des Jahres Stress zu ersparen. Daher versuchen sie, allzu viele Darlehenszusagen und -auszahlungen noch in diesem Jahr zu vermeiden. Und das geht am einfachsten, indem man an der Zinsschraube dreht.

Andere Banken haben die Bücher so voll, dass sie es sich erlauben können, ihr Angebot (deutlich) zu verteuern. Wer Finanzierungen von mehr als 80 Prozent des Kaufpreises braucht, muss daher damit rechnen, dass einzelne Institute Zinsen aufrufen, die ausgesprochen unattraktiv sind. Das Kalkül: Entweder der etwas risikoreichere Kunde springt ab, oder man hat wenigstens viel Geld verdient.

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Wie enorm die Preisspanne bei Baufinanzierungen (gerade am Jahresende) ist, verdeutlicht ein Blick auf die Zahlen in der Datenbank der FMH-Finanzberatung. Eine Finanzierung von 95 Prozent des Kaufpreise mit zehn Jahren Zinsbindung und drei Prozent Tilgung pro Jahr ist beim günstigsten Darlehen für 0,75 Prozent effektiv zu haben – der teuerste Kredit liegt bei 3,06 Prozent. Bei einer Finanzierungssumme von 475.000 Euro Darlehen zahlt der Kunde dadurch innerhalb von zehn Jahren 93.500 Euro mehr (oder weniger) – bei gleicher Ratenhöhe. Wer sich für 15 Jahre die Zinsen festschreiben lässt, kommt sogar auf 126.500 Euro Differenz zwischen dem billigsten und teuersten Anbieter.

Bauherren und Käufer, die darauf angewiesen ist, dass das Geld noch im Jahr 2020 fließt, sollten daher schon beim Darlehensantrag danach fragen, ob zum Zahltag laut Kaufvertrag bzw. Kaufvertragsentwurf auch die Bearbeitung, Darlehenszusage und auch Auszahlung möglich ist bzw. wie lange sie sich ggfls. verzögern könnte. Der Hintergrund: Wenn ein Käufer dem Verkäufer und dem Notar eine etwaige Verzögerung angekündigt, muss er nicht befürchten, dass diese gleich die Rückabwicklung des Kredites einleiten, wenn das Geld zum avisierten Termin noch nicht eingegangen ist. Alternativ wäre es möglich, den Zahlungstermin gleich ein bisschen nach hinten zu verschieben.

Ausblick aufs neue Jahr

Sollten in den kommenden Wochen tatsächlich (weitere) Pharma-Unternehmen Corona-Impfstoffe auf den Markt bringen, ist es wahrscheinlich, dass große Investoren wieder mehr in Aktien investieren. Dieses Geld fehlt bei den deutschen Staatsanleihen. Auch könnte die neu aufkeimende Hoffnung höher verzinste Anleihen wieder interessanter machen. Dadurch könnte auch die Rendite der deutschen Staatsanleihen steigen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass 2021 die sonst übliche Zinsflaute zu Beginn eines neuen Jahres ausbleibt und die Zinsen stattdessen leicht steigen. Dramatische Ausschläge nach oben sind nach jetzigem Stand aber trotzdem nicht zu erwarten.

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