Bauverzögerungen können teuer werden
Bauverzögerungen können teuer werden © Alex Grass / Adobe Stock

Frankfurt 24.06.2021 –– Während viele Menschen gerade frohlocken – das Leben scheint endlich wieder aufzublühen – hat eine Personengruppe gerade wenig zu lachen: Häuslebauer. Auf den Baustellen fehlen Rohstoffe. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Bereitstellungszinsen. Was Sie in der Baufinanzierung jetzt beachten müssen.

Corona ist noch nicht vorbei, trotzdem macht sich allerorten Erleichterung breit: Das Leben beginnt wieder, Restaurants öffnen, auch das Umzugsgeschäft boomt. Endlich darf man wieder …! Doch nicht alle haben Grund zur Freude: Häuslebauer haben es aktuell schwer. Denn dank langer globaler Lockdowns fehlen Rohstoffe, um den Bau voranzutreiben. Dass Außenanlagen nicht finalisiert werden können, weil beispielsweise Holz fehlt, mag noch zu verschmerzen sein. Doch auch Plastikrohre und Dämmstoffe sind aktuell kaum zu bekommen – und ein Hausdach ist ebenfalls essenziell, aber schwierig umzusetzen ohne Dachlatten. Und so sitzen viele Eigenheimbauer gerade auf stillen, halbfertigen Baustellen.

Stillstand auf Baustellen: Das kann teuer werden.

Der Stillstand auf Baustellen bringt unterschiedlichste Schwierigkeiten mit: Die gesamte Planung gerät durcheinander, Bautrupps werden abgezogen, da sie ohne Rohstoffe nicht arbeiten können – und sind dann, wenn diese Rohstoffe endlich erhältlich sind, nicht ad hoc abrufbar, da sie bereits auf anderen Baustellen im Einsatz sind. So verzögert sich der Bau um Wochen und Wochen.

Das ist einerseits frustrierend, aber auch finanziell nicht ohne. Denn in der Regel wird der Hausbau mit einem Baudarlehen finanziert. Das wird von der Bank dem vorgelegten Bauplan entsprechend auf Abruf bereitgestellt. Für die Zeit der Bereitstellung fallen jedoch Zinsen an, wenn das Darlehen bzw. die Teilauszahlung für den entsprechenden Bauabschnitt nicht abgerufen wird. Verlängert sich der Bau, werden demnach nicht eben kleine Beiträge für die Bereitstellungszinsen fällig.

Nachfinanzierung oder Ratenkredit: Mögliche Wege aus dem Dilemma.

Wer längere Zeit neben seiner aktuellen Miete auch noch die Bauzinsen und zusätzlich die Bereitstellungszinsen für die nicht ausgezahlten Bauabschnitte zahlen muss, kann durchaus in finanzielle Schwierigkeiten geraten: Verdoppelt sich die Bauzeit beispielsweise, können je nach Darlehenskondition bis zu 500 Euro monatlich anfallen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern für manch einen tatsächlich schwer zu stemmen. Vor allem sind das Kosten, die viele in diesem Umfang sicher nicht eingeplant haben. Wenn nun auch noch das Material durch die Verknappung teurer wird, wird es noch enger, denn plötzlich reicht womöglich der ursprünglich kalkulierte Darlehensbetrag nicht mehr.

Was also tun, wenn das Geld nicht reicht? In diesem Fall gibt es nur den Weg zur Bank. Zum Einen gibt es die Möglichkeit der Nachfinanzierung – man fragt die Bank, bei der man das Baudarlehen hat, ob man dieses aufstocken kann. Allerdings sind diese Nachfinanzierungen nicht gerade beliebt bei Banken: Für einen relativ geringen Darlehensbetrag fällt erneut Planungsaufwand an, gleichzeitig muss der Antrag genau geprüft werden, weil die Mehrkosten zu keiner Wertsteigerung des Objekts führen. Damit ändern sich die Beleihungskriterien und der Zinssatz für das erst vor kurzem zugesagte Darlehen stimmt nicht mehr.

Deshalb werden solche Nachfinanzierungen eher als Ratenkredit abgewickelt: Die beispielsweise 20.000 zusätzlich gebrauchten Euro sind damit nicht Bestandteil des eigentlichen Baudarlehens, sondern ein eigenständiger Kredit. Das bedeutet eine schnelle Rückzahlung, Zinssätze von fünf bis sieben Prozent und eine zusätzliche Belastung von beispielsweise 200 Euro monatlich für die nächsten 10 Jahre. Eine bittere Pille, dafür, dass sich einfach nur die Materialien für den Hausbau verknappt und damit verteuert haben: Dieser Zusatzkredit plus beispielsweise 4.000 Euro Bereitstellungszinsen summieren sich nämlich am Ende auf rund 30.000 Euro, mit denen vorher nicht zu rechnen war.

Besser: Dem Schaden vorbeugen anstatt nachfinanzieren zu müssen

Gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen und gegen jeden möglichen Schadensfall eine Absicherung. In diesem Fall gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Die Dauer der Bereitstellungszins freien Zeit großzügig berechnen: Wer voraussichtlich in neun Monaten fertig sein soll, lässt sich eine bereitstellungsfreie Zeit von mindestens 12 oder besser noch 15 Monaten in den Darlehensvertrag schreiben.
  2. Die Nichtabnahmemöglichkeit: In diesem Fall vereinbart man statt der beispielsweise eigentlich benötigten 375.000 Euro ein Darlehen über 395.000 Euro, ist jedoch nicht verpflichtet, die 20.000 Euro Puffer abzunehmen – man streicht sie später einfach indirekt wieder aus dem Darlehen, spart sich andernfalls aber den Ärger einer Nachfinanzierung. Machen leider nicht allzu viele Banken.

Banken, die diese Option anbieten, sind smart: Sie sparen sich und ihren Kunden jede Menge Ärger und Arbeit, denn nur wenige Bauvorhaben und Modernisierungen laufen exakt so wie geplant. Die Nichtabnahmemöglichkeit ist in der Regel nicht mit Zusatzkosten verbunden. Eine Übersicht über die kundenfreundlichen Anbieter , die diese Option ermöglichen, finden Sie hier .

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