Inflation bis zu drei Prozent? Ist das realistisch und wenn ja, was bedeutet das für die Baufinanzierung?
Inflation bis zu drei Prozent? Ist das realistisch und wenn ja, was bedeutet das für die Baufinanzierung? © Monster Ztudio / Adobe Stock

Frankfurt 27.05.2021 –– Das Leben in Deutschland wird teurer. Führende Notenbanker rechnen bereits mit einer Inflation von bis zu drei Prozent. Damit würden sich auch Baufinanzierungen deutlich verteuern. Doch wie schnell werden die Zinsen steigen – und welche Werte sind realistisch?

Eine Inflation knapp unter zwei Prozent – für die Europäische Zentralbank (EZB) ist das Ideal für den Euro-Raum. In den vergangenen Jahren blieb die Teuerungsrate allerdings stets hinter diesem Wert zurück. Auch aktuell beträgt sie gerade einmal 1,6 Prozent.

Anders sieht es in Deutschland aus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate in der Bundesrepublik im April 2021 bei plus zwei Prozent. Damit stiegen die Verbraucherpreise den vierten Monat in Folge – und ein Ende des Aufwärtstrends ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Nach Einschätzung von EZB-Direktorin Isabel Schnabel könnte die Inflation in Deutschland kurzfristig sogar die Marke von drei Prozent oder mehr erreichen.

Steigen die Preise, steigen die Zinsen

Sollte sie damit Recht behalten, würde das zwangsläufig auch die Bauzinsen in die Höhe treiben. Zum Vergleich: Drei Prozent Inflation hatten wir zuletzt Anfang 2008. Damals zahlten Käufer und Bauherren rund fünf Prozent Zinsen für ein Hypothekendarlehen.

Dass die Zinsen mit der Inflation auf das damalige Niveau anziehen, ist derzeit zwar nicht zu erwarten. Dennoch müssen Kunden sich auf deutliche Zinssprünge einstellen: Während eine Finanzierung laut FMH-Index derzeit noch für schlanke 0,90 Prozent für zehn Jahre fest zu haben ist, könnten es auf absehbare Zeit schon wieder 1,25 Prozent sein.


Inflation Hypothekenzinsen Mai 05 2021
© FMH-Finanzberatung / Urheber ist Datenquelle (Bank, Red. etc.)


Der Anstieg hat begonnen

Die ersten zarten Korrekturen sind bereits sichtbar. Seit Jahresbeginn sind die Bauzinsen von mittleren 0,66 auf 0,90 Prozent gestiegen. Für die meisten Käufer ist das zwar noch gut zu verkraften. Wer beispielsweise eine halbe Million Euro in ein Haus oder eine Wohnung investiert und deshalb 350.000 Euro Schulden machen muss, zahlt hierdurch nur 70 Euro mehr pro Monat : Die Rate für Zins und Tilgung hat sich in dieser Konstellation von 1.067,50 Euro auf 1.137,50 Euro verteuert.

Der Effekt auf die Restschuld ist schon etwas deutlicher, aber immer noch zu verschmerzen: Unterstellt man die gleiche hohe monatliche Rate, hat der Kunde am Ende der Zinsbindung noch 7.500 Euro mehr auf der Uhr.

Sollten die Zinsen allerdings, wie von uns prognostiziert, bald 1,25 Prozent erreichen, würde sich die Restschuld bei gleicher Rate wie zu Jahresbeginn um 18.700 Euro erhöhen, der Kunde müsste seine Tilgungsquote von drei Prozent in auf 2,4 Prozent herunterschrauben.

Besser luftig planen

Wer aktuell ein Kaufobjekt sucht oder kurz vor einem Vertragsschluss steht, sollte in jedem Fall mit leicht steigenden Zinsen kalkulieren. Dafür spricht nicht nur die hohe Inflationsrate. Die Rendite der Bundesanleihe entwickelt sich ebenfalls wieder nach oben –auch das ist ein Zeichen für steigende Bauzinsen.

Wer erst in einigen Wochen und Monaten zur Bank kann, sollte zudem bedenken, dass die Sommermonate bzw. die Urlaubszeit traditionell mit kräftigeren Zinserhöhungen einhergehen, weil die Banken in dieser Zeit zwar weniger Sachbearbeiter im Einsatz haben, aber dennoch eine gute Marge erzielen wollen.

Fazit: Baufinanzierungen werden in den kommenden Monaten teurer werden. Das aber ist kein Grund zur Panik. Bauherren können die Mehrbelastung abfedern, indem sie die Tilgungsquote von derzeit meist drei auf 2,5 oder zwei Prozent reduzieren. Dadurch tut die Verteuerung nicht mehr so weh, obwohl die Effekte bereits deutlich sind. Wer die Kosten überschaubar halten will, muss aber unbedingt und gezielt die beste Finanzierung auswählen und nicht wegen angekündigten Zinserhöhungen vorschnell eine Unterschrift unter einen unvorteilhaften Vertrag zu setzen. Denn auch wenn die Preise insgesamt steigen – die Zinsunterschiede zwischen den Anbietern bleiben bestehen. Mitte Mai etwa betrug der Unterschied zwischen dem billigsten und dem teuersten Sollzins bei 15 Jahren Zinsbindung laut FMH -Daten stolze 1,28 Prozent.

Das macht im obigen Beispiel (500.000 Euro Kaufpreis zu 350.000 Euro Darlehen) mehr als 373 Euro Unterschied bei der monatlichen Rate. Unterstellt man eine identische Rate von 997,50 Euro (die Tilgung beim teuren Anbieter wird von drei auf 1,72 Prozent reduziert), dann ist die Restschuld beim teuersten Anbieter nach 15 Jahren um 62.000 Euro höher als bei der billigsten Bank. Man kann bei einer gezielten Wahl des besten Finanzierungspartner leicht mehr Geld sparen, als eine Zinserhöhung momentan kostet.

Für Testzwecke können hier alle Rechner aufgerufen werden. Wird auf der richtigen Seite dann nicht mehr angezeigt.
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