Immobilienkredite werden teurer

Frankfurt 11.07.2017 –– Danke, Mario Draghi! Im Schlepptau der EZB-Rede Ende Juni sind die Renditen der Bundesanleihen gestiegen – und mit ihnen die Hypothekenzinsen von nun fast allen Banken. Und das ausgerechnet in der Urlaubszeit!

Steigende Zinsen kommen für Bauherrn immer zum falschen Zeitpunkt, doch in der Urlaubszeit ist das besonders ärgerlich, da man nicht umgehend reagieren kann. Die aktuelle leichte Erhöhung bei den Baugeldzinsen (weniger als 0,5 Prozentpunkte) geht auf das Konto der EZB. Die Zentralbank hält die wirtschaftliche Entwicklung in Europa für so gut, dass sie über ihre künftige Zinspolitik nachdenkt. Diese vage Aussage reichte aus, um die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe in einer Woche um mehr als 0,2 Prozentpunkte steigen zu lassen – und damit die Baugeldzinsen. Inzwischen haben fast alle Banken auf die Erhöhung der Refinanzierungskosten reagiert.

Hypothekenzinsen und Vertragsabschluss: Käufer haben wenig Spielraum

Für den angehenden Bauherrn oder Käufer einer Immobilie ist das ärgerlich. Denn über den Zeitpunkt der Finanzierungsentscheidung entscheidet selten er selbst, sondern der Notartermin bzw. der Kaufvertrag etwa beim Bauträger. Anders sieht es bei Immobilienbesitzern aus, deren Zinsbindung in nächster Zeit endet. Die Unterschrift unter ein Anschluss- oder Forward-Darlehen können sie meist entspannt planen – insbesondere wenn sie ein Angebot in der Hoffnung fallender Zinsen noch nicht unterschrieben haben oder sich damit noch Zeit lassen können.

Immobilienkredite: Bestes Angebot spart fast 37.000 Euro

Tatsache ist jedoch: Die meisten Immobilienkäufer verlieren aus anderen Gründen mehr Geld – etwa weil sie unbedacht ihre Verträge abschließen, ausschließlich ihrer Hausbank oder einem Vertreter vertrauen, den sie kennen, vor allem aber, weil sie sich zu selten die Mühe machen, über Vergleichsportale den besten Anbieter zu finden.

Selbst in der FMH-Datenbank (Stand 11.07.2017) sind die Zinsunterschiede enorm: Bei einer Laufzeit von 15 Jahren fest und 60 % Beleihung klafft zwischen dem besten Angebot (1,30 % effektiv) und dem schlechtesten (2,60 %) eine Differenz von 100 % – und das, obwohl hier nur jene Banken vertreten sind, die ihre Zinsen präsentieren, weil sie glauben, attraktive Konditionen zu haben. Bei einem Darlehen von 200.000 Euro zahlt der Kunde, der an den schlechtesten Anbieter gerät, 36.900 Euro mehr als im besten Fall.

Fazit: Ein gezielter Zinsvergleich und die passende Entscheidung haben viel mehr Einfluss auf die Kosten als eine leichte Zinserhöhung während der Urlaubszeit!