Entwicklung der Bausparzinsen

Frankfurt 07.09.2015 –– Jahrzehntelang haben Wüstenrot und Co. an ihren Kunden blendend verdient. Diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen ist die Not so groß, dass die Anbieter zu drastischen Mitteln greifen – und auf die Unterstützung von ganz oben setzen.

Manche traurige Wahrheit haben Bausparkunden bereits verinnerlicht. Zum Beispiel, dass Wüstenrot und Co. ihnen derzeit noch geringere Guthabenzinsen bezahlen, als viele Banken . Dass Baugeld inzwischen fast überall billiger zu haben ist, als bei den Bausparkassen, dürfte den einen oder anderen aber doch überraschen. Die Zahlen sind allerdings eindeutig.

Seit 1993 hat die FMH-Finanzberatung die Zinssätze und Bedingungen der meisten Bausparkassen abgefragt. Seither haben wir alljährlich zwischen 85 und 65 Tarife aktualisiert und in unseren Datenbanken archiviert. Wir wissen also sehr genau, welche Bausparkasse wann welche Gebühren verlangten und zu welchen Bedingungen. Das gilt umso mehr, als wir in unsere Datenbank natürlich auch neue Tarife eingepflegt und die Zinssätze stets aktuell gehalten haben.

Guthabenzinsen fast wie auf dem Tagesgeldkonto

Die Guthabenverzinsung der Bausparkassen startete vor knapp 20 Jahren bei durchschnittlich 2,75 Prozent. Damals war die Tarifwelt noch geprägt von Angeboten mit 2,5 und 3,0 Prozent Guthaben- und 4,5 und 5,0 Prozent Darlehenverzinsung. Es gab zwar auch schon niedrigere Kreditzinsen in Verbindung mit einem Disagio. Aber das Gros der Angebote setzte auf die klassische Alternative.

Wie die Grafik zeigt, waren die Guthabenzinsen – von einem kurzen Intermezzo während und nach der Finanzkrise – nicht besonders weit von den Tagesgeldangeboten der Banken entfernt. Inzwischen bewegen sich beide Kurven fast parallel Richtung gen null Prozent.

Entwicklung der Bausparzinsen

Das verloren gegangene Alleinstellungsmerkmal

Anders sieht es bei den Zinsen für Baudarlehen aus. Lange hat das Bausparen davon gelebt, dass die Kassen fast konkurrenzlos günstige Bauzinsen anbieten konnten. Viele Kunden konnten die hohen Raten der Bausparrückzahlung zwar nur unter Schmerzen stemmen – doch wen kümmert das schon, wenn ein Verkaufsgespräch kurz vor dem erfolgreichen Abschluss steht?

In den 1990-er Jahren, der Ära der hohen Tagesgeldzinsen, waren auch die Hypothekenzinsen hoch. Das machte Bausparen attraktiv. Zumindest bis kurz nach der Finanzkrise. Dann ging es steil bergab. Seit 2012 sind selbst die durchschnittlichen Hypothekenzinsen bereits günstiger als die der Bausparkassen. Die Folge: Immer mehr Kunden verzichten auf das Bauspardarlehen, weil sie ihr Baugeld billiger von der Bank bekommen. Die hohen Guthabenzinsen aus dem alten Vertrag kassieren sie aber weiter.

Die Not ist groß

Das macht den Anbietern zunehmend zu schaffen. Auf der einen Seite wollen die Bausparer die unwirtschaftlich hohen Darlehenszinsen nicht bezahlen. Sie verzichten daher vielfach auf den Darlehensanspruch. Auf der anderen Seite wollen die Kunden ihre Altverträge mit Guthabenzinsen von teilweise vier Prozent und mehr bis zum Maximum weiter besparen. All das ist vom Vertrag gedeckt, legitim und aus Sicht der Kunden nachvollziehbar. Doch die Bausparkassen halten dagegen. Sie kündigen im großen Stil die – aus ihrer Sicht – nicht mehr lukrativen Altverträge. Begründet wird dieser Schritt immer wieder mit dem „Wohl des Bausparerkollektivs“, das unter der Selbstoptimierung solcher Altkunden zu leiden habe.

Dieses Argument ist allerdings nur vorgeschoben. Es geht den Bausparkassen nicht um das Wohl ihrer Kunden. Sie fürchten um die eigene Rendite. Und sie haben Angst, ihre Aktionäre zu verärgern. Dass selbst die vermeintlich unabhängige Finanzaufsicht, die BaFin, die Kündigung der teuren Altverträge als vertretbar ansieht, ändert daran nichts: Der BaFin ging es noch nie um den treuen und einst so heftig umworbenen Sparer, sondern nur um das finanzielle Überleben der einzelnen Bausparkassen.

Dennoch lässt das Placet der Aufseher tief blicken. Denn wenn sich schon die BaFin auf die Seite der Bausparkassen schlägt, damit das System nicht zusammenbricht, dann muss es den einzelnen Anbietern wirklich miserabel gehen.

Entwicklung der Bausparzinsen