Die Banken brauchen Geld – das sorgt für attraktive Zinsen

Frankfurt 16.01.2012 –– Sparer und Anleger werden 2012 mit attraktiven Zinsen beim Tages- sowie beim Festgeld rechnen können. Die verschärften Vorgaben der Bankenaufsicht motivieren die Geldhäuser, neues Geld von Kunden einzuwerben – und dazu sind attraktive Konditionen nötig.

Bis zum 30. Juni 2012 müssen Europas Banken ihr so genanntes hartes Kernkapital auf sieben Prozent ihrer risikobehafteten Geschäfte aufstocken. Konkret bedeutet dies, dass für 100 Euro, die etwa als Kredit vergeben wurden, die Bank sieben Euro an Eigenkapital vorweisen muss. Das Gleiche gilt für risikoreiche Geldanlagen in Wertpapiere.
Zusammen mit dem weichen Kernkapital als weiterem Risikopuffer müssen die Banken laut Bundesfinanzministerium 10,5 Prozent der Risikogeschäfte an Eigenkapital halten. Daher verringern viele Geldhäuser ihre Wertpapieranlagen und versuchen, Kundengelder zu bekommen. Schließlich führt die Reduzierung risikoreicher Geschäfte zu einem geringeren Bedarf an Eigenkapital.

Respektable Marge beim Tagesgeld

Empirisch untermauert wird dieser Trend durch den Vergleich der Tagesgeldzinsen mit dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Normalerweise liegt der repräsentative Tagesgeldzins, wie die FMH-Finanzberatung ihn seit Jahren im FMH-IndeX ermittelt, unterhalb des EZB-Leitzinses, zu dem sich die Banken bei der EZB Geld leihen. Betrachtet man etwa die Zeitspanne von Januar 1999 bis August 2008, zeigt sich: Der Leitzins der EZB lag im Schnitt bei 3,08 Prozent, der Tagesgeldzins bei 2,47 Prozent. 0,6 Prozentpunkte wurde der Privatkunde somit schlechter gestellt als die EZB, die sogar noch Sicherheiten von den Banken für die Geldabnahme verlangt.

Jetzt legen Banken drauf, um an Kundeneinlagen zu kommen

Mit dem Beginn der Finanzkrise Ende 2008 hat sich diese Situation umgekehrt: Seit September 2008 lag der im FMH-IndeX ermittelte Tagesgeldzins im Schnitt bei 1,69 Prozent, der EZB-Leitzins jedoch bei nur 1,42 Prozent. Die Banken sind also bereit, den Kunden einen höheren Zins für ihr Tagesgeld zu zahlen, als sie der EZB für ihr täglich benötigtes Geld vergüten müssten. Damit verzichten sie nicht nur auf Marge, sondern legen sogar drauf, um sich von den Unwägbarkeiten des Finanzsystems ein Stück weit unabhängiger zu machen – gut für Sparer und Anleger.

Auch beim Festgeld kehren sich die Vorzeichen um

Ähnlich sieht die Situation beim einjährigen Festgeld aus. Von Januar 1999 bis August 2008 zahlten die Banken ihren Kunden durchschnittlich 2,92 Prozent an Zinsen – und damit fast 0,2 Prozentpunkte weniger, als sie die Geldaufnahme bei der EZB kostete. Seit September 2008 indes bekommen Anleger für einjähriges Festgeld 1,98 Prozent, während der Leitzins im Schnitt bei 1,42 Prozent liegt. Auch hier zeigt sich der verstärkte Kapitalbedarf, der Sparern und Anlegern zugute kommt. Festgeld und Sparbriefe mit längeren Laufzeiten sind für die Banken ideal, um ihre Risikopositionen abzubauen, da sie mit diesem Geld auf Sicht der jeweiligen Laufzeit sicher rechnen können.

Viele Sparer verschenken Geld

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Sparkassen und Volksbanken haben weniger riskante Wertpapiere im Portfolio und sehen sich daher nicht gezwungen, neue Anleger anzulocken, solange ihre Bestandskunden mit Zinsen zwischen 0,25 und 1,0 Prozent zufrieden sind. Diese Tatsache nutzen Mitbewerber wie die Deutsche Bank, die seit Wochen ihr einjähriges Festgeld mit zwei Prozent Zinsen bewirbt. Insbesondere Kunden, die an die anämisch niedrigen Zinsen von Sparkassen und Volksbanken gewöhnt sind, dürfte das anlocken – wenngleich der unabhängige Zinsüberblick der FMH-Finanzberatung zeigt: Derzeit bieten mehr als zehn Banken drei Prozent und mehr Zinsen für zwölfmonatiges Festgeld. Sein Erspartes für zwei Prozent festzulegen heißt, Geld zu verschenken.

FMH bietet unabhängigen Marktüberblick

Fazit: Der regulatorische Druck auf die Banken und der damit einhergehende hohe Kapitalbedarf werden für attraktive Konditionen bei den Anlagezinsen sorgen. Sparer können davon aber nur profitieren, wenn sie sich bei unabhängigen Quellen wie der FMH-Finanzberatung einen umfassenden Marktüberblick verschaffen, statt sich blindlings auf die Aussagen ihres Bankers oder der Werbung zu verlassen. Stets aktuelle Informationen zu den Anlagezinsen finden Sie hier:

Tagesgeld : www.fmh.de/tagesgeld

Festgeld : www.fmh.de/festgeld

Sparbriefe : www.fmh.de/sparbrief

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung