Höhere Festgeldzinsen

Frankfurt 14.10.2016 –– Die traurigen Zeiten für Sparer könnten bald zu Ende sein. Erste Banken beginnen, die Zinsen auf Festgeld-Anlagen zu erhöhen. Ein Strohfeuer – oder bereits ein Trend? Wir haben uns die Entwicklung genauer angesehen.

Für viele Anleger, die ihr Geld zu garantierten festen Zinsen anlegen wollen, haben wir eine erfreuliche Mitteilung: Von 51 Banken mit erweiterter deutscher Einlagensicherung in der Festgeld-Datenbank der FMH-Finanzberatung haben in den vergangenen Wochen sechs ihre Festgeldzinsen erhöht. Gewaltig sind die Sprünge zwar nicht: Sie liegen zwischen 0,05 und 0,20 Prozentpunkten für eine Festgeld Anlagezeit von zwölf Monaten. Nach Monaten und Jahren, in denen die Zinsen kontinuierlich nach untern drifteten, ist das aber schon eine Meldung wert. Sogar der Mittelwert ist um 0,01 Prozentpunkte angestiegen. Die besten Festgeldzinsen liegen somit bei 0,90 Prozent, 0,15 Prozentpunkte höher als Anfang September.

Festgeldzinsen: Mehr als 1,5 Prozent pro Jahr sind wieder möglich

Wer bereit ist, sein Geld bei Banken mit der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde anzulegen, bekommt im Durchschnitt sogar ein Prozent für sein Festgeld. Auch in diesem Bereich geht die Entwicklung derzeit klar nach oben. In den vergangenen vier Wochen sind die Festgeldzinsen bei diesem Segment zwischen 0,05 bis 0,30 Prozentpunkte gestiegen. Betrachtet man die Durchschnittwerte für die 21 Banken in der FMH-Datenbank, die lediglich die gesetzliche Einlagensicherung bieten, ist sogar ein Plus von 0,05 Prozentpunkte zu verzeichnen. Die besten Zinsen gibt es bei den drei Vermittlern, die Festgeldzinsen auch vom europäischen Ausland anbieten.

Dort sind jetzt bereits 1,65 Prozent für Festgeld 12 Monate möglich – einmal über den Vermittler Savedo zur Atlantico Europa (portugiesische Bank) oder zur FIMBank (eine maltesische Bank) über den Vermittler Zinspilot. Bei 50.000 Euro Festgeldanlage ergibt sich zwischen den beiden besten Angeboten mit erweiterter deutschen Einlagensicherung und den beiden Vermittlerbanken mit nur gesetzlicher Einlagensicherung ein Zinsunterschied von 375 Euro in einem Jahr. Ein etwas höheres Risiko (man muss der Einlagensicherung eines anderen EU-Staates vertrauen) wird mit deutlich höheren Zinsen belohnt.

Gewissensfrage für Festgeldanlagen

Sind die aktuellen Entwicklungen bereits die Vorboten der lang ersehnten Zinswende? Einige Anzeichen sprechen dafür, so etwa, dass auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe wieder in den Plusbereich gewechselt ist, nachdem sie Anfang September (08. September) noch bei minus 0,11 Prozent gelegen hatte. Insgesamt aber ist es zu früh, für belastbare Aussagen – man wird die kommenden Wochen und Monate abwarten müssen, um zu sehen, ob sich der Trend verfestigt oder verflüchtigt.

Anleger, die überlegen, eine neue Festgeldanlage zu tätigen, stehen damit vor einer schwierigen Entscheidung. Nehmen sie die neuen, besseren Zinsen direkt mit? Oder wäre ein solcher Einstig zu früh – falls die Festgeldzinsen weiter steigen?

Ein Kompromiss könnte sein, wenigsten einen Teilbetrag schon mal für ein Jahr festzulegen – zu einem Zinssatz der einiges über der Inflationsrate des vergangenen Monats (0,7 Prozent) liegt. Garantierte Zinsverluste erleiden Anleger, wenn sie ihr Erspartes ganz auf den noch immer extrem gering verzinsten Tagesgeldkonten von nicht seltenen 0,05 Prozent liegen lassen.