Negativzinsen: Volksbank verunsichert Anleger

Frankfurt 16.06.2017 –– Muss ich als Normalsparer für Geld auf dem Konto bald Strafzinsen zahlen? Diese Frage beschäftigt dank der Volksbank Reutlingen jetzt auch Bankkunden ohne sechsstellige Summen auf dem Konto. Doch Strafzinsen muss sich niemand bieten lassen.

Dass die Debatte um Strafzinsen für Kleinsparer in Gang gekommen ist, geht vor allem auf das Konto der Volksbank Reutlingen. Die Schwaben hatten in ihrem Preisaushang, der laut Verbraucherschützern klar und wahr sein muss, angekündigt, vom Tagesgeld-Sparer ab einer Einlage von 10.000 Euro 0,5 Prozent Zinsen zu kassieren – ein dankbares Thema nicht nur für die Finanzpresse. Nach etlichen Berichten über die knauserige Volksbank ruderten die Genossen zurück: Man habe „aktuell keinerlei Pläne, Normalsparern Negativzinsen zu berechnen“, heißt es auf der Website. Die Erhebung von Negativzinsen diene „rein vorsorglich nur dazu, bei neuen Konten und neuen großen Summen reagieren zu können“.

Ausgleich für Strafzins der EZB

Man könnte diese Geschichte unter „missglückter Kommunikation“ ablegen, hätte sie nicht einen ernsten Hintergrund. Die Volksbank Reutlingen sowie andere Häuser wollen verhindern, dass sie größere Einlagesummen bei der Zentralbank anlegen und dafür Negativzinsen in Höhe von 0,4 Prozent im Jahr zahlen müssen. Dies betrifft insbesondere Banken, die nur einen Teil der Einlagen als Kredit weitergeben können.

Begonnen hatte die Debatte über Strafzinsen für Privatanleger 2014 mit der Ankündigung der Deutschen Skatbank, für Summen über 500.000 Euro einen Strafzins von 0,25 Prozent zu verlangen. Zwei Jahre später ließ die kleine Raiffeisenbank Gmund betuchte Tegernsee-Anrainer wissen, dass für Beträge über 100.000 Euro ein „Verwahrentgelt“ von 0,4 Prozent im Jahr fällig würde. Inzwischen verlangt laut dem Vergleichsportal Verivox ein Dutzend Geldinstitute eine Strafgebühr, in der Regel ab einem Volumen von mindestens 100.000 Euro – angesichts von 1.300 Banken noch eine überschaubare Anzahl.

Aufteilung schützt vor Strafzinsen

Ob manche Banken demnächst auch Kunden mit Einlagen ab 50.000, 25.000 oder gar 10.000 Euro zur Kasse bitten werden, ist unklar. Die Verbände der Volks-und Raiffeisenbanken sowie der Sparkassen sehen das zwar noch nicht kommen, wollen es aber auch nicht ausschließen. In einem solchen Fall hätten Anleger zwei Möglichkeiten. Erstens könnten sie den Anlagebetrag auf mehrere Banken aufteilen, sodass sie unter dem jeweiligen Schwellenwert bleiben, ab dem der Strafzins gilt. Eine solche Aufteilung erscheint ohnehin sinnvoll, weil sich dadurch die Abhängigkeit vom Wohl und Wehe eines Geldinstituts verringert. Zugleich ist dies das Mittel der Wahl für alle, die ihr Geld keinesfalls dem Auf und Ab der Börse aussetzen wollen.

Indexfonds kommen auf 5 bis 7 % p.a.

Wer höhere Ansprüche an die Verzinsung seines Vermögens hat, kann und sollte den Teil des Geldes, der in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht benötigt wird, an der Börse investieren. Dazu bieten sich vor allem kostengünstige Indexfonds (ETFs) auf Aktien, Anleihen, Edelmetalle und Immobilien an. Jedoch müssen Anleger dabei gewisse Schwankungen aushalten. Dafür werden sie aber belohnt: Ein über verschiedene Anlageklassen gestreutes ETF-Portfolio kann über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren durchaus eine annualisierte Rendite von fünf bis sieben Prozent erzielen. Bei jährlich gut sieben Prozent verdoppelt sich das Geld in zehn Jahren – das ist weit mehr, als in den kommenden Jahren bei jeder Bank zu erwarten ist.

Zinseszins-Effekt: Wissen Sie Bescheid?

Leider wird der Zinseszins-Effekt von vielen Anlegern, die meist auf die Rendite eines einzelnen Jahres schauen, sträflich unterschätzt. So macht eine Verzinsung von jährlich durchschnittlich 0,5 Prozent nach 10 Jahren aus 100.000 Euro 105.114 Euro. Eine durchschnittliche Jahresrendite von sechs Prozent indes lässt diese Summe im selben Zeitraum auf knapp 179.100 Euro anwachsen. Die 12-fach so hohe Jahresrendite führt dank des exponentiellen Wachstums durch den Zinseszins in diesem Fall also zu einem fast 16 Mal so hohen Gewinn. Wie sich verschiedene Zinsraten und Laufzeiten auf das Kapital auswirken, können Sie mit unserem Renditerechner leicht selbst herausfinden. Besonderheit unserers Rechners: Mit dem Button „Alternative berechnen“ können Sie der ersten Variante eine Alternative gegenüberstellen und so sofort die Vor- bzw. Nachteile der Veränderung erkennen.