Sind Deutschlands Sparer schizophren?

Frankfurt 16.12.2011 –– Sind die Deutschen in Sachen Geldanlage schizophren? Diese Frage drängt sich derzeit förmlich auf. Zum einen wächst hierzulande die Furcht vor einer massiven Geldentwertung, wie eine neue Studie zeigt. Zum anderen legt rund die Hälfte der Befragten das Geld auf dem Sparbuch an – und kassiert dafür 0,5 Prozent Zinsen im Jahr. Wer so anlegt, sollte sich über Geldentwertung nicht beschweren.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TMS Infratest brachte es an den Tag: 46 Prozent der Befragten sagten, sie hätten Angst davor, dass ihr Vermögen künftig durch Inflation an Wert verliert. Bei der ersten Umfrage im Frühjahr, die ebenfalls die Allianz Bank in Auftrag gegeben hatte, waren es noch 37 Prozent. Trotz der Furcht vor einem sinkenden Geldwert legen 53 Prozent der Befragten ihr Geld aufs Sparbuch, das 0,5 Prozent an Zinsen bringt, oder stecken es in niedrig verzinste Sparbriefe.

Schleichende Geldentwertung kostet auf Dauer viel Geld

Offenbar glauben viele Anleger, dass erst eine Geldentwertung von fünf Prozent und mehr im Jahr die Kaufkraft ihres Vermögens spürbar verringert. In der Tat machen sich die Folgen einer so hohen Inflation binnen kurzem im Geldbeutel bemerkbar. Doch auch die „schleichende Geldentwertung“ in Höhe von jährlich zwei bis drei Prozent nagt unerbittlich an der Kaufkraft des Ersparten. Anleger sollten sich das unbedingt klarmachen.

Denn: Beträgt die Inflation wie derzeit 2,5 Prozent jährlich, der Spar Zins aber nur 0,5 Prozent, so verringert sich das reale Vermögen jedes Jahr um zwei Prozent. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Aus 25.000 Euro auf dem Sparbuch werden nominal so zwar 25.631 Euro. In realer Kaufkraft gemessen hat diese Summe nach fünf Jahren aber nur noch eine Kaufkraft von rund 23.000 Euro. Damit büßt der Anleger knapp acht Prozent seiner Kaufkraft ein.

4200 Euro an Kaufkraft verloren

Noch ärger wird es bei längeren Laufzeiten: Innerhalb von zehn Jahren schreibt die Bank dem Sparer zwar knapp 1300 Euro an Zinsen (0,5 Prozent pro Jahr) gut, doch davon hat er nicht viel. Denn dieses Geld hat am Ende nur noch eine Kaufkraft von rund 20.800 Euro – ein faktischer Verlust von 4200 Euro oder gut 16 Prozent bezogen auf die angelegte Summe. Hinzu kommt, dass bei höheren Anlagebeträgen und/oder leicht höheren Zinsen der Fiskus sein Scherflein haben will und Abgeltungssteuer auf die Erträge kassiert.

Fazit: In Zeiten mit schleichender Geldentwertung sollten sich Anleger unbedingt nach gut verzinsten Tages- und Festgeldkonten oder Sparbriefen umschauen. Nur so stellen sie sicher, dass die Kaufkraft ihres Ersparten (insbesondere nach Steuern) zumindest erhalten bleibt oder gar wächst. Wer sich das nicht bewusst macht, bezahlt das teuer – je länger, desto kostspieliger.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung