Strafzinsen der EZB

Frankfurt 11.12.2015 –– Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, macht Ernst: Institute, die ihr Geld bei der EZB parken, statt Kredite zu vergeben, müssen künftig noch höhere Strafzinsen zahlen. Was bedeutet das für die deutschen Tages- und Festgeldanleger?

Die Märkte reagierten enttäuscht, als die Zahlen bekannt wurden. Insider hatten eigentlich erwartet, dass die EZB den Strafzins von 0,2 auf 0,4 Prozent anheben werde, um Banken zur Kreditvergabe zu zwingen. Dass es am Ende „nur“ 0,3 Prozent geworden sind, war Branchenkennern zu wenig.

Sparer hingegen sorgen sich nach der jüngsten Strafzinserhöhung. Viele fürchten, ihre Bank könnte das Geschäftsgebaren der EZB übernehmen und auch Privatkunden fürs Geldanlegen zur Kasse bitten. Völlig abwegig ist dieses Szenario nicht. Das Gros der deutschen Sparer aber muss bis auf weiteres wohl keine Negativ-Zinsen fürchten.

Reale Risiken für Sparer

Viele deutsche Banken, allen voran die Sparkassen und Volksbanken zahlen derzeit verschwindend geringe Zinssätze von 0,01 bis 0,05 Prozent pro Jahr. Wer 10.000 Euro angelegt hat, bekommt dann lediglich einen bis fünf Euro an Zinsgutschriften für ein ganzes Jahr – eine überschaubare Belastung für die Geldhäuser. Eine weitere Senkung würde lediglich negative Presse, aber kaum mehr Geld bringen. Ergo: Einen Minuszins werden sie von ihren Kunden nicht verlangen.

Etwas anders ist die Lage bereits bei Bankzinsen zwischen 0,1 und 0,6 Prozent. Nennenswerte Renditen können Kunden hier zwar auch nicht erwirtschaften. Dennoch besteht die Gefahr, dass Banken mit solchen Angeboten die EZB-Vorlage nutzen und die Zinsen weiter senken. Wenn die Bank nämlich viele Kundengelder besitzt, aber zu wenig Kreditnachfragen hat, muss sie das Geld bei der EZB zwischenparken. Dem Kunden zahlt sie zwar zum Beispiel weiterhin nur 0,5 Prozent. Zuzüglich der 0,3 Prozent EZB-Strafzinsen entstehen ihr aber Unkosten von 0,8 Prozent. Bei einer Million Euro sind dies immerhin 666,67 Euro pro Monat. Und Sparkassen und alle anderen Banken haben viele Milliarden an Kundengeldern zu verwalten.

Das Ende eines bewährten Geschäftsmodells

Vergleicht man das aktuelle Zinsumfeld mit „normalen“ Zeiten, ist die Lage der Banken relativ verzweifelt. Vor Beginn der Niedrigzinsphase legten die Institute Kundengelder schwach verzinst an (zu etwa ein bis drei Prozent) und verliehen sie mit hohen Zinsen (zehn bis 15 Prozent) an andere Kunden. Von dieser Differenz ließ es sich hervorragend leben – jahrelang. Inzwischen wird diese Spanne immer kleiner. Die Kreditzinsen sind so billig wie nie – bei den Anlagezinsen ist bei null Prozent aber immer noch Schluss. Denn, wie gesehen: Echte Minuszinsen auszurufen getrauen sich die Institute (noch) nicht: Zu groß scheint die Gefahr, dass die Kunden in diesem Fall ihr Geld abholen und für immer verschwinden könnten. Unsere Vermutung ist daher: Wenn es für Anleger einen Strafzins geben wird, dann erst für Summen weit oberhalb der 100.000 Euro -Marke. Allerdings werden viele Banken im Laufe der nächsten Wochen ihre kurzfristigen Anlagezinsen senken.

Sparer, die sich nicht mit einem Hauch von Nichts zufrieden geben wollen, sind gefordert sich nach Alternativen umzusehen, ohne die Anlagesicherheit außer Acht zu lassen. Zwischen 0,5 Prozent und dubiosen Anleiheversprechen von fünf Prozent gibt es ja immer noch recht passable Zwischenlösungen. Beim Einschätzen des Risikos hilft der FMH-IndeX. Je weiter ein Zinssatz von ihm entfernt ist, desto höher ist das Ausfallrisiko.

Die besten Anlagen für Sicherheitsbewusste

Wer für einige Monate oder Jahre eine Anlageentscheidung sucht, ist mit Festgeldangeboten sehr gut bedient. Bei zwölf Monaten sind Verzinsungen von 1,2 Prozent noch möglich. Die Einlagensicherung in Frankreich, den Niederlande und Österreich bewerten wir dabei als ähnlich sicher wie das deutsche System.

Bei einer Festgeldanlage für zwei Jahre können Kunden aktuell mit 1,4 Prozent und für dreijähriges Festgeld mit 1,6 Prozent rechnen. Angebote von professionellen Anlagenvermittlern wie Weltsparen oder Savedo sind pauschal etwa 0,4 Prozentpunkte besser verzinst. Weil viele Anleger anderen EU-Ländern skeptisch gegenüber stehen, haben wir in unserem Rechner aber auch die Möglichkeit eingebaut, Zinsangebote über Vermittler auszublenden.

Das Gesamtpaket ist gar nicht so schlecht

Zum Glück ist auch die Inflationsrate sehr moderat, was die wenigen Zinsen weniger schmerzhaft macht. In den vergangenen zwölf Monaten betrug die Teuerung lediglich 0,24 Prozent. Damit ist die Realverzinsung (Zinsgutschrift minus Inflation) bei guten Festgeldangeboten sogar noch richtig gut.

Zum Vergleich: Im Dezember 2010 lagen die Inflationsrate bei 1,70, der durchschnittliche Tagesgeldzins bei 1,22 Prozent und die Festgeld-Rendite für 12 Monate bei 1,42 Prozent. Das TOP-Angebot verzinste mit 2,40 Prozent für 12 Monate. Selbst die Realverzinsung beim TOP-Angebot war damals folglich nur bei 0,7 Prozent.

Tipp: Bei einer Geldanlage im Dezember 2015 ist die Realverzinsung bei der akf bank (bestes Angebot mit deutscher Einlagensicherung) bei 1,26 Prozent und die Inflationsrate bei 0,4 Prozent. Der Zinssatz ist zwar erschreckend niedrig, aber im Ganzen betrachtet gar nicht so schlecht. Die Realverzinsung ist höher als vor fünf Jahren.