Klimaschutz – auch eine Frage der richtigen Bankwahl.
Klimaschutz – auch eine Frage der richtigen Bankwahl. © patpitchaya / Adobe Stock

Frankfurt 22.04.2021 –– Immer mehr Menschen überdenken das eigene Leben und dessen Auswirkungen auf Klima und Gesellschaft: Sie kaufen regional, werden Vegetarier oder gar Veganer, beziehen Ökostrom und reduzieren den eigenen Plastikkonsum. Doch wer denkt schon darüber nach, dass auch das eigene Geld je nach gewählter Bank eine schmutzige Weste haben kann?

Wer seine Bank auswählt, hält meist nach ganz bestimmten Qualitätsfaktoren Ausschau. Persönliche Erfahrungen zum Beispiel: Mit welcher Bank sind meine Freunde und Familie zufrieden? Geographische Nähe kann ebenfalls eine Rolle spielen: Welche Bank bietet Filialen in der Nähe, bei welcher kann ich am unkompliziertesten Bargeld abheben? Auch Kosten sind für viele Kunden entscheidend: Ist die Kontoführung kostenfrei? Was kosten Überweisungen, Bargeldabheben und Karten?

Was dagegen die wenigsten auf dem Schirm haben dürften: Wie sehr passen mein Girokonto und meine Bank eigentlich zu meinen eigenen Werten? Dabei liegt es auf der Hand, wenn man mal darüber nachdenkt: Rüstungsindustrie, Zementhersteller, Großfleischereien – sie alle haben Banken, sie alle brauchen Kredite, viele von ihnen sind an der Börse. Und so kann es durchaus passieren, dass das eigene Geld direkt oder indirekt Unternehmen finanziert, die ganz und gar nicht mit den eigenen Werten korrelieren.

Wenn Pazifisten die Rüstungsindustrie finanzieren und Veganer CO²-Großemittenten

Es ist schon etwas absurd, wenn man sich überlegt, dass Menschen auf Fleisch verzichten, damit der Amazonas nicht brennt – und dann unwissentlich mit ihrem Geld Zementhersteller unterstützen, die für fast acht Prozent der weltweiten CO²-Emissionen verantwortlich sind.

Was können Verbraucher also tun, wenn sie sichergehen wollen, dass ihre Bank die eigenen moralischen und ethischen Werte unterstützt? Zunächst einmal kann man grundsätzlich davon ausgehen, dass jede konventionelle Bank in Rüstungsindustrie, Kohle & Co. investiert.

Einige Großbanken allerdings wie die BNP Paribas verlangen bei Finanzierungsanfragen von Kohleunternehmen einen Kohleausstiegsfahrplan und schließen Unternehmen mit einem langfristigen Kohleanteil von über 20% komplett aus. Die Deka Bank hat unter den konventionellen Banken laut der Organisation „Urgewald“ für den Rüstungsbereich die weitreichendsten Einschränkungen formuliert und schließt grundsätzlich Finanzierungen im Zusammenhang mit Waffengeschäften aus. Auch die DKB schließt laut ihrer Website die grundsätzliche Finanzierung von Atomkraftwerken, Rüstungsgütern, gentechnisch veränderten Organismen, Pornografie, Prostitution und illegalem Drogenhandel aus.

Bislang waren das jedoch Informationen, die sich Verbraucher selbst mühsam zusammenrecherchieren mussten. Das ändert sich nun glücklicherweise.

Gesetzgeber schafft mehr Transparenz: Europäische Offenlegungsverordnung

Seit dem 10. März greift die europäische Offenlegungsverordnung. Zwar ist laut Bafin noch nicht ganz klar, was das im Detail bedeutet. Fest steht jedoch: Finanzunternehmen müssen nun belegen, wie nachhaltig ihre Angebote sind. Man darf gespannt sein, wie Banken diesen Transparenzanspruch im Einzelnen umsetzen.

Womöglich ist diese Verordnung auch der Grund für die vielen kleinen Nachhaltigkeitsangebote, die aktuell auf den Markt strömen: So bietet awa7 beispielsweise eine VISA Kreditkarte, mit der Kunden durch ihre Umsätze Bäume pflanzen können. Auch die ING pflanzt jetzt Bäume – fünf Stück pro Ratenkredit für Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge sowie E-Bikes und Pedelecs.

Wem das nicht genug ist, der sollte sich an „echten“ Nachhaltigkeitsbanken orientieren. Diese setzen bereits seit Jahren strengste Kriterien für ihr Bankengeschäft an und kommunizieren diese Leitlinien auch sehr transparent.

Nummer sicher: Die vier großen Nachhaltigkeitsbanken

In Deutschland gibt es ca. 14 Banken, die sich an strengen ethischen Werten orientieren, darunter einige kirchliche Banken. Da letztere jedoch teilweise Standards ansetzen, die unter Umständen Kohle- oder Rüstungsindustrie nicht ausschließen und zudem häufig kirchliche Projekte unterstützen – was nun einmal nicht jedermanns Sache ist – konzentrieren wir uns auf die vier großen Nachhaltigkeitsbanken mit den weitreichendsten Ansprüchen: EthikBank, GLS Bank, Triodos Bank und UmweltBank.

Diese setzen strenge Maßstäbe an, wenn es um Waffen und Rüstung, Kinderarbeit, Arbeitsrechts- oder Menschenrechtsverletzungen geht. Auch Atomkraft, fossile Brennstoffe, industrielle Tierhaltung und Glücksspiel gelten als Ausschlusskriterien.

Die genauen Nachhaltigkeitsstandards und Ausschlusskriterien finden Sie auf den oben verlinkten Seiten der jeweiligen Nachhaltigkeitsbank. Mehr Informationen zum Thema Nachhaltig und Banken im Allgemeinen gibt es bei Organisationen wie Urgewald oder Facing Finance sowie von staatlicher Stelle unter www.geld-bewegt.de.

Übrigens: Auch wir beschäftigen uns immer mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit. So haben wir in unserem neuen Vergleichsrechner für Robo Advisors die Option „Nachhaltigkeit“ als Auswahlkriterium angelegt, damit Verbraucher Anbieter mit diesem Fokus auf einen Blick sehen.

Für Testzwecke können hier alle Rechner aufgerufen werden. Wird auf der richtigen Seite dann nicht mehr angezeigt.
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