Girokonto: Oft lohnt sich ein Wechsel

Frankfurt 15.10.2012 –– 100 Euro Gutschrift – so viel bietet 1822direkt einem Neukunden, der bei der Bank ein Girokonto eröffnet. Auch andere Häuser lassen sich nicht lumpen und zahlen dafür zwischen 50 und 75 Euro, wie eine aktuelle Untersuchung der FMH-Finanzberatung zeigt. Der Grund für die Großzügigkeit: Banken verdienen gut an ihren Giro-Kunden – entweder durch hohe Dispozinsen, wenn das Konto überzogen wird, oder durch eine extrem geringe oder gar keine Verzinsung für Kontoguthaben.

Ein neuer Girokunde ist der Bank echtes Geld Wert – diesen Eindruck bekommt, wer sich die unten stehende Tabelle ansieht. Um Kunden zum Wechsel ihres Girokontos zu motivieren, zahlt etwa die netbank 70 Euro. PSD Bank Berlin-Brandenburg lässt einen iPod shuffle springen, und Postbank honoriert Tagesgeld bis zur Höhe von 10.000 Euro mit einem Zins von 2,5 Prozent.

Finanzielles Bonbon für die Motivation

Das finanzielle Bonbon ist nötig, um für die rechte Motivation unter den Kunden zu sorgen. Schließlich ist der Wechsel eines Girokontos eine mühsame Angelegenheit, da etliche Unternehmen und Institutionen über den Schritt zu unterrichten sind. Auch wenn viele Banken einen Kontoumzug-Service bieten, muss der Input der Daten – etwa die Information, welche Daueraufträge geändert werden müssen – vom Kunden kommen.

Angebote zielen auf unzufriedene Kunden

Wer einen solchen Wechsel bereits absolviert hat, dürfte daher wenig Neigung verspüren, ihn bald zu wiederholen. Etliche unzufriedene Kunden sind ihren Banken vermutlich nur deshalb noch treu, weil sie die Mühe scheuen, die mit einem Kontotransfer verbunden ist. Wie sonst ist zu erklären, dass ausgerechnet die Sparkassen, die bei Dispozinsen und Kontoführungsentgelten am meisten verlangen, so viele Kunden haben? Vor allem die Gruppe der latent unzufriedenen Kunden dürfte im Fokus der Banken stehen, die mit Prämien für ihre Girokonten werben.

Lohnendes Geschäft für die Banken

Für die Kreditinstitute sind neue Giro-Kunden in der Tat ein lohnendes Geschäft. Wenn eine Bank 500.000 Girokonten hat und jeder Kunde für zehn Tage im Durchschnitt 1.000 Euro auf dem nicht verzinsten Konto liegen hat, verdient die Bank bereits bei einer Verzinsung von 0,75 Prozent, die problemlos zu erwirtschaften ist, in diesen zehn Tagen rund 100.000 Euro. Zudem lassen sich mit Dispozinsen, die laut unserem FMH-IndeX derzeit bei durchschnittlich 10,7 Prozent liegen, nennenswerte Erträge erzielen. Nicht zu vergessen: Die Banken können Giro-Kunden über hauseigene Produkte wie Fonds oder Versicherungen informieren und bei erfolgreicher Vermittlung Provisionen einstreichen.

Girokonto-Vergleich gibt neutrale Auskunft

Dass sich ein Wechsel des Girokontos für Bankkunden lohnen kann, zeigt unser detaillierter Girokonto-Vergleich. Damit können sie ganz neutral prüfen, welches Girokonto am besten zu ihrem tatsächlichen Nutzungsverhalten passt. Sollte die Bank in der engeren Wahl den Kontowechsel auch noch finanziell versüßen, ist das umso schöner. Trennt sich der Giro-Kunde im Zuge des Wechsels noch von unnötigen Abbuchungen und Verträgen, hat sich die Mühe richtig gelohnt.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung