Der Gesetzgeber und der Dispozins

Frankfurt 06.10.2014 –– Die Politik will die Banken endlich dazu bewegen, ihre Dispozinsen zu senken. Doch ihr fehlt der Mut, tatsächlich etwas vorzugeben. Die neuesten Pläne aus Berlin werden die Situation für die Nutzer von Dispokrediten nicht verbessern, sondern neue Kosten verursachen.

Fakt ist: Viele Banken kassieren angesichts der minimalen Verzinsung von Spargeldern und der ultragünstigen Leitzinsen zu hohe Zinsen von Kunden, die zeitweilig ihr Girokonto überziehen. So bewegt sich der FMH-IndeX für Dispozinsen, der die Daten von 35 ausgewählten Instituten erfasst, aktuell bei 9,94 Prozent. Dabei werden viele Volksbanken und Sparkassen, die notorisch hohe Dispozinsen verlangen, nicht einmal erfasst. Deshalb ist davon auszugehen, dass viele Schuldner höhere Dispozinsen zahlen als im Indexwert ausgewiesen.

Vergleichsportal und Beratungen sollen es richten

Der Impuls der Politik, etwas gegen die überzogenen Zinsen zu tun, ist also verständlich. Doch mit den jüngst vorgestellten Plänen wird Verbraucherschutzminister Heiko Maas dieses Ziel kaum erreichen. Zum einen will der SPD-Mann die Banken dazu verpflichten, die Dispozinsen auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen. Ein Vergleichsportal soll dann alle Dispozinsen bundesweit erfassen und durch diese Verbraucherinformation für mehr Wettbewerb zwischen den Banken und damit für niedrigere Dispozinsen sorgen. Zum anderen will Maas, dass Schuldner, die dauerhaft im Minus sind, von den Banken über alternative Finanzierungen beraten werden – etwa zu Raten- oder Abrufkrediten.

Dispozinsen sind nur für wenige Kunden wichtig

Zur ersten Forderung: Schon heute stellen alle namhaften Banken ihre Dispozinsen online. Sicher gibt es Volksbanken oder Sparkassen, die sich noch immer weigern, die Dispozinsen im Preisaushang oder im Internet jedermann zugänglich zu machen. Einige ganz teure Sparkassen nehmen die Zinssätze sogar wieder aus dem Internet. Aber spätestens bei der Kontoeröffnung würde der Neukunde vermutlich danach fragen und dann auf eine Kontoeröffnung verzichten.

Man sollte sich aber fragen, warum es neben der FMH-Finanzberatung so wenige Vergleichsportale gibt, die den Nutzern eine objektive Auswertung der Dispozinsen ermöglichen? Der Grund ist einfach: Das Interesse ist nicht hoch genug, denn nicht einmal ein Fünftel der Girokunden nimmt überhaupt den Dispokredit in Anspruch. Und von diesen knapp 20 Prozent sucht vermutlich nur ein Viertel wirklich nach Alternativen. Für die meisten Kunden ist entscheidend, ein insgesamt passendes und kostengünstiges Girokonto zu finden; der Dispozins spielt eine untergeordnete Rolle. Wenn die Politik ihn derart in den Vordergrund stellt, misst sie ihm einen zu hohen Wert bei.

Weltfremder Wunsch

Fast weltfremd mutet der Wunsch nach einem neuen Vergleichsportal an, das alle, wirklich alle Dispozinsen in Deutschland erfassen soll. Dieses soll vermutlich von den Verbraucherzentralen betrieben und mit staatlichen Geldern subventioniert werden, denn Geld verdienen lässt sich damit wohl nicht – ein Schelm, wer dahinter eine gute Lobby-Arbeit der Verbraucherzentralen oder der Stiftung Warentest vermutet. Meint das Verbraucherministerium denn wirklich, dass es für einen Kunden in Frankfurt interessant ist, zu wissen, wie hoch die Dispozinsen der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg sind? Hier macht die Politik viel Show, statt einfach zu sagen: Der Dispozins darf maximal acht Prozent über dem EZB-Leitzins liegen – aber zu einer solchen klaren Ansage fehlt offenbar der politische Mut.

Kreditalternativen helfen Dispokunden kaum

Die weitere Forderung, notorischen Schuldnern Kreditalternativen anzubieten, betrifft viele Kunden gar nicht, da die meisten Banken Ratenkredite erst ab 5.000 Euro vergeben – und diese Summe liegt bei vielen Dispokunden weit über den zwei bis drei Monatsnettogehältern, die der Dispo ausmachen darf. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Dispokunden gar nicht umschulden kann, auch wenn es der Minister so möchte. Die wenigen Schuldner, die in Frage kommen, laufen indes Gefahr, dass sie nach einer Umschuldung etwa in einen Ratenkredit schlechter dastehen als zuvor, weil sie nicht nur Zinsen zahlen, sondern auch den Kredit tilgen müssen.

Fazit: Die Politik will demonstrieren, dass sie sich mit Wählerproblemen befasst, hat aber nicht den Mut, tatsächlich was zu tun. Wer glaubt, dass die Banken freiwillig auf die hohe Rendite verzichten und die Dispozinsen senken, ist auf dem Holzweg. Weit effektiver als dieser Aktionismus wäre eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen.