Dispozinsen und Gebühren

Frankfurt 23.02.2015 –– Die Banken drehen an der Preisschraube: Individuellen Service zum Nulltarif bieten Girokonten immer seltener. Doch Kunden können gegensteuern – mit überschaubarem Aufwand.

Das beste Girokonto haben, aber keine Gebühren zahlen? Das ist heute nur noch in Ausnahmefällen möglich.

Zum einen können Banken mit den Guthaben auf den Girokonten ihrer Kunden nichts mehr verdienen. Sie verzichten daher immer häufiger auf potenziell unrentable Angebote. Auch erschweren neue Gesetze und verbraucherfreundliche Gerichtsurteile das Geldverdienen nebenbei (vgl. etwa BGH Az. XI ZR 170/13 und XI ZR 405/12). Zuguterletzt kostet es eine Menge Geld, das Personal für die Abwicklung bestimmter Buchungsvorgänge vorzuhalten. Und das beginnen die Institute nun von den Kun-den zurück zu holen.

Die FMH-Finanzberatung hat festgestellt, dass einzelne Banken in den vergangenen Jahren die Jahresentgelte der Kredit- und Zusatzkarten angehoben haben. Manche erhöhten die Kosten für beleghafte Buchungen – etwa über klassische Überweisungsträger – und auch die Kontoführungsgebühren. Die Berliner Volksbank senkte die beleghaften Buchungskosten von 1,5 auf einen Euro bzw. ganz auf Null innerhalb der letzten 3 Jahre. Und natürlich wurden die ohnehin schon kärglichen Guthabenzinsen auf vielen Girokonten weiter zusammengestrichen.

Die Sache mit dem Dispo

Angesichts dieses Trends erstaunen die immensen Unterschiede bei den Dispozinsen. Manche Banken geben sich hier vergleichsweise bescheiden. Diverse Geschäftsbanken, Volksbanken und Sparkassen hingegen langen richtig hin und verlangen Zinsen von teils deutlich über zehn Prozent. Bei Anlagezinsen und Leitzinsen, die um die Null-Linie pendeln, ist das schon recht gewagt.

Fast wie ein Hohn wirkt es schließlich, wenn der Sparkassenverband berichtet, dass etwa die Hälfte seiner Institute auf die weiteren Überziehungszinsen verzichten und auch die HypoVereinsbank vollmundig ankündigt, die Zinsen für zusätzliche Überziehungen streichen zu wollen. Damit nämlich ver-geben sich die Banken so gut wie nichts. Eine Erhebung der FMH-Finanzberatung belegt, dass nur etwa 4,4 Prozent aller Dispo-Nutzer ihre Kreditlinie überreizen – und wenn, dann liegt der durchschnittliche Überziehungsbetrag bei gerade einmal 200 Euro. Das vermeintliche Entgegenkommen der Banken ist also in erster Linie eines: ein Werbe-Gimmick. Und zwar ein ausgesprochen billiges.

Rechenbeispiel auf Grund der FMH-Recherche: Führt eine Bank zum Beispiel eine Million Konten, dann nutzen etwa 17 Prozent der Kunden ihren Dispo – durchschnittlich mit 1050 Euro. Bei einem Dispozins von zehn Prozent verdient die besagte Bank an ihnen stolze 1,5 Millionen Euro pro Monat. Zum Vergleich: Sieht man sich die 4,4 Prozent der Kunden an, die den Dispo nicht nur aus-, sondern überreizen, verzichtet dieselbe Bank durch das Erlassen der „Extra-Zinsen“ auf gerade einmal 6.300 Euro im Monat. Großzügigkeit sieht anders aus. Eine Dispozinssenkung um ein Prozent würde diese Bank etwa 15000 Euro im Monat kosten, würde vielen Kunden aber tatsächlich gut tun.

Selbst ist der Kunde

Wer sich über das Gebaren seiner Bank ärgert und einen neuen Anbieter sucht, kann dazu unseren Girovergleich nutzen. Dort kann er sein Zahlungsverhalten eingeben und aus den Ergebnissen die für ihn beste Bank herausfiltern. Wichtig: Damit das Wechsel-Vorhaben nicht an einem aufwendigen und lästigen Kontoumzug scheitert, sollten Interessenten auch darauf achten, ob die neue Bank einen (kostenlosen) Umzugsservice anbietet und wenn ja, wieviel Arbeit er dem Kunden tatsächlich erspart.