Gebühren fürs Girokonto

Frankfurt 05.08.2016 –– Schnell noch zulangen, bevor es zu spät ist: Etliche Banken haben in den vergangenen Monaten kräftig ihre Gebühren erhöht. Und der Trend dürfte anhalten – zumindest bis Mitte September. Spätestens dann sind wieder die Kunden am Zug.

Warum kleckern, wenn man auch klotzen kann? Nach dieser Maxime verfahren immer mehr Banken bei den Gebühren für ihre Girokonten. Mit schöner Regelmäßigkeit erhöhen sie die Entgelte, die Kunden selbst für Standardservices bezahlen müssen. In Zeiten, in denen in anderen Bereichen die Gewinne schmelzen, ist das offenbar die einfachste und bequemste Möglichkeit, möglichst viel Geld zu verdienen – denn eine echte Gegenleistung erbringen die Geldhäuser dafür nicht.
Die FMH-Finanzberatung hat die Kostenentwicklung bei 77 Konten von 61 in den vergangenen zwölf Monaten gegenübergestellt und dabei erstaunliche Veränderungen festgestellt. Alle nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf diese 61 Institute. Es ist aber davon auszugehen, dass es, bezogen auf den Gesamtmarkt, noch wesentlich extremere Beispiele gibt.

Die verwegenen Interpretationen des Begriffs „kostenlos“

Bei 24 Anbietern stiegen im besagten Zeitraum die jährlichen Kreditkartengebühren. Überwiegend zahlen Kunden zwischen vier und zehn Euro pro Jahr mehr als 2015 – in der Spitze fallen auch schon mal 20 oder gar 42 Euro an. Gerade einmal 25 Banken verzichten auf Kreditkartengebühren. Einige Banken sind zwar bereit, die Entgelte, je nach Umsatz, ganz oder teilweise zu erstatten. Um in den Genuss dieses Services zu kommen, müssen Verbraucher zum Teil aber eine sehr ausgeprägte Konsumfreude zeigen.

Ein Paradebeispiel dafür ist die Gebührenpraxis der 1822direkt: Ab dem 01.08.2016, steigt nicht nur das Jahresentgelt für die Kreditkarte der Bank von 25 auf 29,90 Euro; das Geldhaus hat gleichzeitig auch den Mindesteinkaufswert für die komplette Erstattung von 2.000 auf 4.000 Euro angehoben. Dass die Bank angesichts dieser Zahlen auch noch mit der „kostenlosen weltweiten Bargeldversorgung“ wirbt, wenn der Kunde per Visa-Karte Geld zieht, erscheint angesichts einer solchen Gebührenpraxis fast schon zynisch. Das gilt umso mehr, als die Bank das Entgelt für Transaktionen außerhalb des Euro-Raums von 1,50 auf 1,75 Prozent des jeweiligen Umsatzes angehoben hat.

Ähnlich irreführend sind die Werbeversprechen der Wüstenrotbank. Auch hier betont das Marketing gerne, Kunden könnten bis zu 24-mal pro Jahr kostenfrei mit der Kreditkarte Geld abheben. Das aber ist so nicht richtig. Denn die Bank hat die Jahresgebühr von null auf 19 Euro angehoben – kostenlos geht anders.

Der Wandel vollzieht sich schleichend

Bei den Gebühren für die Girocard (frühere EC-Karte) sind die Banken noch zurückhaltend. Allerdings haben sieben der zehn Banken mit einer pauschalen Gebühr innerhalb des vergangenen Jahres auch in diesem Bereich die Kosten nach oben getrieben. Die Erhöhungen bewegen sich zwischen zwei Euro (Mainzer Volksbank steigerte die Gebühr von zehn auf zwölf Euro) und die Sparda-Bank Hannover gleich von null auf zwölf Euro.

Erschreckend ist die Vielfalt der Verteuerungen, nicht unbedingt die Einzelerhöhung. Das kostenlose Girokonto wird etwas Besonderes werden – man soll sich vermutlich daran gewöhnen, dass es Geld kostet. Etliche Banken und Sparkassen haben schon in der Vergangenheit kräftig zugelangt: 28 Banken erheben bereits monatliche Kontoführungsgebühren zwischen zwei und 14,90 je nach Kontomodell und Anbieter. Einige haben neue Kontomodelle eingeführt und zugleich die monatlichen Entgelte um bis 7,90 Euro erhöht – zum Teil ohne die Gegenleistung anzupassen. Dass die Dispozinsen nur von 9,61 auf 9,45 Prozent gesenkt wurden, belegt eindrucksvoll, worum es den Banken wirklich geht. Sie wollen einfach Geldverdienen. Da auch die EZB-Leitzinsen und der Euribor/3 Monate nur um 0,05 bzw. 0,28 Prozentpunkte sich verbilligt haben, haben viele Banken keine Verpflichtung laut ihren Bedingungen, den Dispozins stärker dem Marktgeschehen anzupassen.

Schlechte Zeiten für Traditionalisten

Wer seine Geldgeschäfte nicht online erledigt, sondern noch einen guten alten Überweisungsträger nutzt, der wird schon seit langer Zeit zur Kasse gebeten: Bei 38 der 77 untersuchten Konten verlangen die Geldhäuser für solche beleghafte Buchungen Geld. Der durchschnittliche Preis liegt bei 94 Cent; in der Spitze können aber bis zu zehn Euro pro Buchung anfallen – etwa im Fall der netbank, einer Direktbank. Allerdings sollte man der Fairness halber erwähnen, dass wohl nur die wenigsten Kunden einer Direktbank mit papiernen Überweisungsträgern operieren. Der horrende Preis der netbank ist also wohl eher als Abschreckung zu interpretieren, um Kunden von einem solchen Verhalten auch weiterhin abzuhalten.

Auch Selbstbedienung kostet Geld

Fünf von 61 Banken verlangen zwischen 0,50 und 1,90 Euro, wenn Kunden das SB-Terminal der Bank nutzen, um Überweisungen einzutippen. Diese Praxis dürfte in Zukunft weiter zunehmen, weil die Banken in den Bankräumen mehr Geräte und Platz dafür vorhalten müssen und deshalb ihre Kunden zu (aus Sicht der Institute) kostenneutralem Verhalten erziehen wollen: Verbraucher sollen ihre Überweisungsaufträge von ihren eigenen Geräten aus vornehmen – egal ob PC, Tablett oder Smartphone.

Auch insgesamt dürfte der Trend zur Gebührenerhöhung erst einmal anhalten. Der Grund: Ab dem 18.September 2016 zwingt der Gesetzgeber Banken dazu, Kunden einen Kontowechsel zu erleichtern und denselben Service vorzuhalten, den DKB, ING-DiBa, comdirect, Consors und 15 weitere Banken von den untersuchten 61 Instituten heute schon anbieten. Da liegt es nahe, im Vorfeld nochmal kräftig zuzulangen und darauf zu setzen, dass der Kunde den ersten Ärger bis zum Herbst wieder vergessen hat – und von einem Kontowechsel absieht.

Immerhin: Ab Oktober dürfte die Welle von Preiserhöhungen abflauen. Denn wenn das Kontowechseln so einfach wird, hat die neue Bank jeden neu gewonnenen Kunden auch schnell wieder verloren. Lediglich Kunden, die sich regelmäßig im Dispo bewegen, müssten vorsichtig sein und die Disponutzung bereits vor einem Kontowechsel verbindlich klären.