Girokonto

Frankfurt 06.06.2014 –– Die EZB hat den Leitzins auf 0,15 Prozent gesenkt. Wer nun glaubt, dass auch die Dispozinsen sinken, dürfte enttäuscht werden. Wegen der nun negativen Einlagezinsen der Banken bei der EZB sollten Kunden vor allem auf die Kontogebühren achten.

Mit Spannung haben die Finanzmärkte in den vergangenen Tagen die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet. Für den normalen Kreditnehmer interessant ist die Frage, ob wegen der Zinssenkung um 0,1 Prozentpunkte auch die Kosten für Dispokredite zurückgehen werden. Dies wird aller Voraussicht nach nicht so kommen, denn: Die Banken koppeln eine Änderung der Dispozinsen entweder an eine Senkung bzw. Erhöhung der EZB-Leitzinsen von mindestens 0,25 Prozentpunkten. Oder sie verbinden eine Änderung damit, dass der Euribor – das ist das Maß für die Geldleihe unter den Banken – sich zu bestimmten Terminen in mindestens der gleichen Größenordnung ändert.

Schwellenwerte für Dispozins werden nicht überschritten

Die Senkung des Leitzinses auf 0,15 Punkte erfüllt dieses Kriterium nun ebenso wenig wie voraussichtlich der für die Dispozins-Senkung maßgebliche Drei-Monats-Euribor. Dies zeigt ein Blick in die jüngste Vergangenheit: Während die Notenbank im Herbst 2013 die Zinsen auf zuletzt 0,25 Prozent senkte, verlangten die Geschäftsbanken für diese Ausleihungen wie auch für Übernacht-Kredite (Eonia) deutlich mehr als zuvor: So schoss der Eonia von 0,1 auf inzwischen 0,5 Prozent; der Euribor kletterte von 0,2 auf bis zu 0,35 Prozent – beides dürfte eine Folge des anstehenden Banken-Stresstests durch die EZB sein. Sollte sich diese Kluft zwischen Leitzins und Interbankenmarkt fortsetzen, müssen Kunden mit Konten, die an den Euribor gekoppelt sind, sogar eher mit einem Anstieg der Dispozinsen rechnen als mit einer Senkung.

Strafzins – das Tor zu einer anderen Welt

Das Tor zu einer vollkommen neuen Welt hat die EZB mit dem sogenannten negativen Einlagezins aufgestoßen: Banken, die über Nacht Geld bei der Zentralbank parken, müssen dafür ab dem 11. Juni einen Zins in Höhe von 0,1 Prozent im Jahr zahlen. Angesichts einer Überschussliquidität von aktuell 150 Milliarden Euro müssten die Banken 150 Millionen Euro im Jahr an „Parkgebühr“ berappen. Ein solcher Strafzins wurde bislang von keiner Notenbank eines größeren Währungsraums erhoben, sodass die Reaktion der Geschäftsbanken auf diese Entscheidung abzuwarten bleibt. Im Vorhinein äußerten sich die Vertreter einzelner Bankenverbände dahingehend, dass die negativen Zinsen nicht an die Kunden weitergegeben würden.

Steigen jetzt Kontogebühren und Kreditkosten?

Erfahrungen aus Dänemark und der Schweiz zeigen jedoch, dass die Entscheidungen der dortigen Notenbanken durchaus zu höheren Kontogebühren und steigenden Kreditkosten für die Kunden geführt haben – eine Beobachtung, die man beim Verband der Auslandsbanken auch aus anderen Volkswirtschaften mit Negativzinsen bestätigt. Umso wichtiger wird die umsichtige Auswahl einer Bank mit konkurrenzfähigem Angebot.

Durchblick dank Girokonto-Vergleich

Dabei sollte man nicht nur auf die Dispozinsen achten – sie sollten nicht höher sein als der aktuelle FMH-Indexwert von zehn Prozent –, sondern auch auf die Höhe der Kontoführungsgebühren, die Entgelte für die Nutzung von Kreditkarten sowie das Netz an Geldautomaten, das man zur kostenfreien Abhebung nutzen kann. Ein etwaiger Bonus, den eine Bank für den Wechsel des Girokontos zahlt, sollte nie der alleinige Grund sein, um seine Bankverbindung zu ändern.

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