Kostenfalle Onlinekonto

Frankfurt 08.06.2017 –– Wer seiner Hausbank keine Arbeit macht, kann noch immer in den Genuss eines gebührenfreien Girokontos kommen. Um Filialen und SB-Terminals sollten solche Kunden allerdings einen weiten Bogen machen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Siegeszug, den kostenlose Girokonten vor einigen Jahren angetreten haben, neigt sich dem Ende zu: schuld sind, einmal mehr, die niedrigen Zinsen.

Als die Direktbanken Gratiskonten vor etwa 15 Jahren aus der Taufe hoben, gaben es auf Tagesgeld noch bis zu 2,5 Prozent Zinsen. Banken konnten damals das noch geringer verzinste Geld auf dem Girokonto (null bis 1,5 Prozent) mit hohen Margen von etwa sieben Prozent zur Kreditvergabe einsetzen – und sie taten das mit großem Erfolg. Dies war die Gegenfinanzierung für das kostenlose Girokonto. Selbst die kleinste Volksbank oder Sparkasse war damals gezwungen, sich zu überlegen, ob sie auch ein kostenloses Online-Konto ins Angebot nahm, um die Kundenabwanderung zu den Direktbanken zu stoppen.
Inzwischen hat das Blatt sich gewendet. Heute liegt so viel billiges Geld bei den Banken herum, dass sie dafür keine Zinsen mehr bezahlen. Im Gegenteil. Wohlhabende Kunden müssen schon froh sein, wenn sie keine Minuszinsen akzeptieren müssen. Selbst die Kreditzinsen sind im Mittelwert schon auf ein Niveau von unter fünf Prozent gefallen – wie der aktuelle FMH-Index beweist.

Diese Entwicklung drückt die Marge der Banken. Sie müssen sich also nach neuen Einnahmequellen umsehen. Was ist da naheliegender, als wieder Geld fürs Girokonto zu verlangen?

Girokonto-Wechsel lohnt sich – aber nicht für Jeden

Kunden, die sich an ihr Gratiskonto gewöhnt haben, haben zwar die Möglichkeit, durch einen Bank- oder Kontowechsel auch weiterhin von Gebühren verschont zu bleiben. Allerdings müssen sie dafür meist ein Online-Konto eröffnen. Und ihnen muss klar sein, dass die Bank in diesem Fall erwartet, dass sie ihre Geldgeschäfte wirklich ausschließlich übers Internet tätigen. Tun sie das nicht, kann sich das vermeintliche Gratiskonto zur Kostenfalle entwickeln. Denn Onlinekunden, die die Dienstleistung für den klassischen Filialkunden in Anspruch nehmen, zahlen dafür oft einen hohen Preis.

Eine beleghafte Überweisung schlägt dann schon mal mit drei bis fünf Euro zu Buche. Wer also zum Beispiel ein Knöllchen bekommt und den vorgedruckten Überweisungsträger der Stadtverwaltung bei der Bank abgibt, statt alle Daten mühsam in die Online-Maske einzutippen, zahlt doppelt: Einmal für den Strafzettel. Und einmal für die Dienste der Bank.

Girokonto-Gebühren sind okay – solange sie transparent sind

Kostspielig kann es auch sein, sich die Kontoauszüge in der Filiale auszudrucken, statt daheim am Rechner. Hierfür verlangen viele Banken von ihren Online-Kunden ein Entgelt. Das allein ist durchaus nachvollziehbar: Wenn vereinbart ist, dass ein Kunde seine Kontoauszüge elektronisch verwaltet, soll er nicht Strom, Papier und Hardware der Bank dafür benutzen. Das gleiche gilt für die Benutzung eines SB-Terminals, das für die Filialkunden gedacht ist. Tut er es doch, dann kostet das.

Nicht nachzuvollziehen ist es hingegen, wenn Banken solche Entgelte auch von klassischen Filialkunden einziehen, die eigentlich schon (durch zum Teil hohe pauschale Kontoführungsgebühren) für derlei Services bezahlen. Fragwürdig findet die FMH zudem die zum Teil sehr hohen Jahresgebühren für Kreditkarten sowie das Geschäftsmodell etlicher Banken, die Kontomodelle so zu stricken, dass Kunden sie kaum noch durchschauen können.

Warum etwa verlangen manche Banken von Ihren Kunden Geld, wenn sie zu bestimmten Uhrzeiten (etwa in der Mittagszeit oder nach Schalterschluss) den Geldautomaten nutzen? Und warum weisen sie eben jene Kunden nicht sehr früh zumindest darauf hin, dass sie gerade 35 Cent für eine einfache Bargeldabhebung zahlen müssen? Hier besteht deutlicher Nachbesserungsbedarf. Sonst werden – hoffentlich – die verärgerten Kunden zu einer Bank mit einem fairen und transparenten Kontomodell wechseln.