Sparkassen wollen kostenlose Girokonten abschaffen

Frankfurt 08.04.2016 –– Das war ein Eigentor der Sparkassen: Ihre Ankündigung, bald keine kostenfreie Girokonten mehr anzubieten, heißt vermutlich mehr Geschäft für die Direktbanken. Wechselwillige sollten aber genau hinsehen: Nicht nur Gehaltskonten sind kostenlos.

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon hat das für Branchenkenner offene Geheimnis vor Kurzem offenbart: Viele Sparkassen werden sich von ihren begrenzt kostenfreien Girokonten verabschieden, weil sie angesichts der schwindenden Zinsmarge auf mehr Einnahmen angewiesen sind. Damit niemand auf den Gedanken kommt, dass dieses Problem seine Banksparte besonders hart drückt, proklamierte der ehemalige bayerische Finanzminister vollmundig: Die Ära des kostenlosen Girokontos werde generell schon bald enden.

Sparkassen bescheren Direktbanken mehr Geschäft

Für Sparkassen, Volksbanken und viele Geschäftsbanken mit Filialnetz mag das ja stimmen. Anders sieht es bei den Direktbanken aus, die aus mehreren Gründen wohl weiter kostenlose Girokonten anbieten werden: Die Ankündigung höherer Kosten bei der Konkurrenz dürfte ihnen neue Kunden bescheren. Wechselwilligen wird das neue Konto nicht nur dadurch versüßt, dass die neue und die bisherige Bank bei der Übertragung des Kontos zusammenarbeiten müssen – das verringert den Aufwand für Neukunden spürbar. Oft locken Banken auch mit einem Wechselbonus, um die verbleibende Arbeit finanziell zu vergelten.

Gehaltskonto verschafft Bankern Röntgenblick

Viele Kunden denken beim neuen Girokonto zwangsläufig an ein Gehaltskonto. Schließlich verknüpfen Banken das Angebot, für die Kontoführung nichts zu verlangen, oft mit der Bedingung, dass regelmäßig das Gehalt oder die Rente eingeht (Mieteinnahmen erfüllen diese Bedingung oft nicht.) Der springende Punkt ist: Wer alle Transaktionen über das Konto abwickelt, auf dem auch das Gehalt eingeht, ermöglicht der Bank einen sehr tiefen Einblick in seine Finanzen. Aus dieser Kenntnis können die Banken Kapital schlagen, indem sie den Girokunden mehr oder minder passende Produkte – von der Police über Festgeldkonto und Bausparvertrag bis zum Fonds – anbieten. Kein Wunder, dass Banker dafür bereit sind, auf ein paar Euro im Monat zu verzichten.

Girokonto heißt nicht immer Gehaltskonto

Glücklicherweise gibt es auch Banken, die kostenlose Girokonten anbieten, die keinen regelmäßigen Geldeingang erfordern. Zwar verringert sich ihre Zahl zunehmend – in der FMH-Datenbank finden sich derzeit acht solcher bundesweit tätiger Banken. Doch wer ein solches Konto und ein kostenloses Gehaltskonto miteinander kombiniert, fährt nicht nur günstiger als mit Sparkasse & Co. Indem das eigene Verhalten mit zwei Konten nicht mehr so leicht nachvollziehbar ist, reduziert sich vermutlich auch die Zahl der unerwünschten Angebote der Bankberater – und das könnte so manchen Kunden vor möglicherweise teuren Fehlentscheidungen bewahren.

Zehn Banken bieten kostenlose Girokonten ohne Bedingungen

Neben comdirekt bankcomdirect bank und Consorsbank sind DKB Deutsche KreditbankDKB Deutsche Kreditbank, DAB BankDAB Bank, ING-DiBaING-DiBa, norisbanknorisbank sowie Santander Bank und Wüstenrot directWüstenrot direct bundesweit die einzigen Banken, die kostenlose Girokonten ohne Bedingungen anbieten. Kostenlos heißt: Die Kontoführung ist ebenso kostenlos wie die Nutzung der Maestro- und der Kreditkarte. Auch die Einreichung eines Schecks, den man zur Gutanschrift per Post an die Direktbank schicken kann, ist gratis – was sonst leicht 2,50 Euro kosten kann.

Unter diesen Banken ist die Santander Bank die einzige, die Guthaben auf dem Girokonto noch verzinst – mit 0,25 Prozent. Bei den regional tätigen Banken bieten lediglich PSD Bank Hessen-Thüringen und finosdirect (Sparda Bank Südwest) solche komplett kostenlosen Konten an. Klar, dass für Nicht-Gehaltskonten zumindest anfangs keine umfangreichen Disporahmen eingeräumt werden.

Drehen auch Direktbanken an der Gebührenschraube?

Sollte die Niedrigzins-Phase der Europäischen Zentralbank (EZB) noch einige Jahre andauern, könnten auch die Direktbanken an der Gebührenschraube drehen. Dies dürfte ihnen umso leichter fallen, je weniger Banken es gibt, die noch kostenfreie Girokonten anbieten. Ebenso wahrscheinlich ist es aber, dass diese Banken mit dem Wissen über das finanzielle Gebaren ihrer Kunden, die ein Gehalts-Girokonto führen, weiterhin genügend Geld verdienen, um auf pauschale Entgelte und Gebühren verzichten zu können.