Hypothekenzinsen fallen auf neues Rekord-Tief

Frankfurt 29.04.2013 –– Trotz aller Unkenrufe vor steigenden Zinsen: Die Hypothekenzinsen in Deutschland sind in den vergangenen Tagen auf ein nie erreichtes Niveau gefallen – und kurzfristig ist kein Trendwechsel abzusehen. Damit wird der Kauf einer Immobilie noch leichter erschwinglich. Lesen Sie, warum das so ist und welche Optionen Haus- und Wohnungskäufer haben, um das Beste aus dieser guten Nachricht zu machen.

Baudarlehen mit auf fünf Jahre festgeschriebenen Zinsen kosten nach dem FMH-IndeX, in den die Zinsdaten von 40 Finanzhäusern und Vermittlern einfließen, derzeit nur noch 1,77 Prozent. Bei zehnjährigen Darlehen sind es 2,36 Prozent und bei 15-jährigen Krediten 2,91 Prozent. Damit haben diese drei Laufzeiten ihre Tiefpunkte vom Dezember 2012 unterboten und sind auf ein Niveau gefallen, das es seit Beginn der FMH-Zinserhebungen im Jahr 1986 nicht gegeben hat.

Deutsche Pfandbriefe profitieren von Krisen – und jetzt vielleicht von Japan

Seit 2008 fallen die Hypothekenzinsen in Deutschland bevorzugt dann, wenn es irgendwo zu einer Krise kommt. Der Grund: In diesem Fall fließt viel Kapital in die als noch sicher geltenden Regionen und Anlageformen, zu denen deutsche Staatsanleihen und Pfandbriefe zählen, was deren Rendite drückt. Und da die Pfandbrief-Rendite maßgeblich für die Entwicklung der Hypothekenzinsen ist, sinken auch die Zinsen für Baudarlehen. Allerdings scheint die aktuelle Nachfrage nach Pfandbriefen nicht durch eine Krise im klassischen Sinn getrieben zu sein. Dieses Mal könnte der Geldzufluss vielmehr vom Anlagenotstand der Japaner motiviert werden. Denn mit ihrem Plan, die Zentralbank-Geldmenge in Kürze zu verdoppeln, treibt die dortige Notenbank scharenweise Versicherungen, Pensionsfonds und Vermögensverwalter aus japanischen Anleihen hinaus – und in andere Währungen hinein, die gegenüber dem Yen dank der Inflationierung massiv aufwerten.

Fünf-Jahres-Darlehen kann sich lohnen

Wer eine Immobilie kaufen will, steht früher oder später vor der Frage: Ist eine längerfristige Zinsfestschreibung über 15, 20 oder mehr Jahre sinnvoll – oder sollte man die ultragünstigen Fünfjahres-Konditionen nutzen? Die Antwort hängt vom Temperament der betreffenden Person ab. Kreditnehmer, die mit weiterhin niedrigen Zinsen rechnen, können durchaus ein Darlehen bei einem regionalen Anbieter mit fünf Jahren Laufzeit zu nur 1,6 Prozent abschließen. Denn: Im Vergleich zum 15-jährigen Darlehen, das im Durchschnitt aktuell 2,9 Prozent kostet, fährt man mit dem Fünf-Jahres-Kredit nur dann schlechter, wenn der Zins für ein zehnjähriges Anschlussdarlehen die Schwelle von 3,9 Prozent (aktuell: 2,36 Prozent laut FMH-IndeX) überschreitet. Wer dies für unwahrscheinlich hält, ist mit dem Kurzfrist-Kredit besser beraten. Im Gegenzug muss man sich jedoch regelmäßig mit dem Zinsmarkt beschäftigen, um gegebenenfalls rechtzeitig ein Forward-Darlehen abzuschließen. Kreditnehmer, die dies nicht wollen, sollten sich für den teureren, aber wesentlich sichereren Langfristzins entscheiden.

Forward-Darlehen: Wunsch nach Sicherheit ist entscheidend

Immobilienbesitzer, die ein Anschlussdarlehen benötigen, stehen ebenfalls vor der Frage, ob sie sich die günstigen Zinsen mit einem Forward-Darlehen sichern sollen. Auch in diesem Fall gilt: Wer Sicherheit braucht, sollte das tun. Allerdings sind kaum Gründe erkennbar, warum die Zinsen in den nächsten Monaten steigen sollten. So tun die Notenbanken der Industriestaaten weiterhin alles, um die Zinsen möglichst unten zu halten. Diese Politik wie auch die sich häufenden Krisen haben in den vergangenen Jahren zu immer neuen Zinstiefs in Deutschland geführt – und all diejenigen Geld gekostet, die sich mit Forward-Darlehen gegen einen Zinsanstieg absichern wollten. Es ist fraglich, ob sich das in Kürze ändern wird.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung