Kreditnehmer profitieren von Krisen und EZB

Frankfurt 14.03.2014 –– Die EZB zeigt sich entschlossen, die Zinsen dauerhaft unten zu halten. Vor allem anhaltende Krisen auf dem Globus sorgen dafür, dass sich Kreditnehmer auch in Zukunft günstig verschulden können – Dispokredite bilden die Ausnahme.

Es soll einmal Zeiten gegeben haben, in denen der Zins, den ein Schuldner zu zahlen hatte, vom Geldangebot und von der Nachfrage nach Geld bestimmt wurden. Dank der Niedrigzins-Politik der EZB hat sich das Geldangebot für die Banken künstlich vervielfacht. Von dieser für Sparer unangenehmen Tatsache profitieren seit Jahren die Schuldner – und so dürfte es mittelfristig auch weitergehen.

Hauskäufer leben in der besten aller Welten

Immobilienkäufer freuen sich aktuell wieder über traumhafte Bedingungen. Denn inzwischen rücken die Zinsen für Hypothekendarlehen erneut in Richtung der bisherigen Allzeittiefs vor. Nur noch 0,14 Prozentpunkte trennen den FMH-IndeX, der die Zinsen von 40 gezielt ausgewählten Hypothekenanbietern abbildet, mit 2,45 Prozent von den 2,31 Prozent, die im Frühsommer 2013 erreicht wurden. Bei den Darlehen mit 15-jähriger Zinsbindung sind es mit aktuell 3,03 Prozent nur noch 0,16 Prozentpunkte bis zum bisherigen Tief von 2,87 Prozent.

Entwicklung der Krisenherde ist entscheidend

Wie lange wird dieser Trend nach unten anhalten? Das hängt entscheidend davon ab, wie sich die aktuellen Krisenherde entwickeln. Dazu gehört zum einen die Situation in der Ukraine – sollte es dort schlimmstenfalls zu einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Russland kommen, ist die Einschätzung der Zinsentwicklung sehr schwierig. Auch die wirtschaftliche Situation in China und anderen Schwellenländern ist nicht mehr so euphorisch wie vor einigen Jahren. Diese Unsicherheit auf den Kapitalmärkten sorgt dafür, dass Anleger geneigt sind, sich mit der geringen Verzinsung deutscher Bundesanleihen und Pfandbriefe zu begnügen, weil diese ihnen mehr Sicherheit bieten.

Ratenkreditzinsen gleiten gemächlich nach unten

Auf die Zinsen von Raten- und Dispokrediten kann die Notenbank mit ihrer normalen Geldpolitik eher Einfluss nehmen als auf die Anleihe- und Hypothekenzinsen. Das liegt daran, dass die Banken ihren Kunden nach Zinssenkungen der EZB weniger fürs Tages- und Festgeld zahlen müssen und Kredite so letztlich günstiger refinanzieren können. Seit Jahren bewegen sich die Ratenkreditzinsen in einem steten Gefälle nach unten. Das scheint ganz im Sinne der Notenbanker und Politiker zu sein, die den Konsum über erneute Verschuldung ankurbeln wollen. In der Tat sind viele Deutsche angesichts sinkender Kreditzinsen und mangels Anlagealternativen bereit, mehr zu konsumieren, als das Konto hergibt, wie die neuesten Konsumstatistiken zeigen.

Hübsche Marge für Banken bei Konsumkrediten

Für die Banken ist das ein gutes Geschäft. Sie freuen sich zum einen über die gute Konjunktur, die ihnen ein geringes Risiko von Kreditausfällen beschert, zum anderen über den immer billiger werdenden Refinanzierungszins. Zugute halten darf man den Banken, dass sie die Zinssenkungen der EZB an ihre Kunden zu großen Teilen weitergeben. Gleichwohl liegt laut unseren FMH-IndeX-Zahlen die Differenz zwischen den knapp sechs Prozent der Ratenkredite (Laufzeit 36 bis 60 Monate) und den 1,5 Prozent der Festgeldzinsen derzeit bei etwa 4,5 Prozentpunkten. Damit deckt die „durchschnittliche Bank“ das Ausfallrisiko sowie Vermittlerprovisionen und Bearbeitungsentgelt ab. Was übrig bleibt, ist ihre Marge.

Dispozinsen sinken langsamer als andere Zinsen

Weniger erfreulich ist die Entwicklung beim FMH-IndeX für die Dispokreditzinsen. Dieser ist seit 2009 von 12,5 auf knapp 10,4 Prozent gefallen. Das entspricht einem Rückgang von 17 Prozent, während die Ratenkreditzinsen seither um mehr als 30 Prozent nachgegeben haben. Der jüngste PR-Coup der ING-DiBaING-DiBa , für die geduldete Überziehung fortan keine höheren Zinsen zu verlangen als für den Dispokredit, wird sicher Nachahmer unter den Banken finden – so hat die 1822direkt1822direkt bereits reagiert. Die Lage der angesprochenen Klientel wird sich dadurch aber voraussichtlich nicht verbessern. Zu vermuten ist eher, dass diese Kunden in einen Raten- oder Abrufkredit „umgeschuldet“ werden sollen – und das ist, der veröffentlichten Meinung zum Trotz, für diese Kunden nicht besser, sondern eher schlechter. Der Grund: Für den erforderlichen Abbau dieser Schulden fehlt schlicht das Geld. Wäre es anders, würden sie sicher den Dispokredit zurückfahren.