Nach der Zinserhöhung in den USA

Frankfurt 16.12.2016 –– Die US-Notenbank hat den Leitzins erhöht. Nun befürchten manche Bauherren in spe, dass die Hypothekenzinsen in Deutschland steigen – eher unwahrscheinlich: Wir rechnen 2017 mit nur leicht höheren Baugeldzinsen.

Mit der Wahl Donald Trumps zum künftigen Präsidenten der USA hat sich an den Kapitalmärkten etliches getan: Die US-Aktienmärkte sind inzwischen auf neue Hochstände geklettert, während die Kurse von Staatsanleihen und der Goldpreis deutliche Verluste verbuchen. Offenbar blicken die Märkte vor allem auf die Trumpsche Schokoladenseite – und die besteht aus ihrer Sicht aus massiven Steuersenkungen und einem gigantischen Infrastruktur-Programm. Beides dürfte das Wirtschaftswachstum ankurbeln, daher die steigenden Aktienkurse und der stärkere Dollar.

Anleger verlangen von USA höhere Zinsen

Doch ein Wachstum, das der Staat über Kredite finanziert, finanziert sich erstens nicht zum Nulltarif, zweitens birgt es die Gefahr höherer Inflation. Beide Risiken lassen sich die Anleger mit höheren Renditen bzw. Zinsen für US-Staatsanleihen bezahlen: Je länger die Laufzeit, umso höher fiel der Zinsanstieg aus – spiegelbildlich sind die Kurse dieser Papiere gesunken. Dass auch der Goldpreis nachgibt, zeigt: Die Anleger gehen davon aus, dass die US-Notenbank die Inflation mit höheren Leitzinsen im Griff hat. Mit der jüngsten Zinserhöhung hat die Federal Reserve diese Erwartung erfüllt.

Zinstrend schwappt in die Eurozone

Was hat all das mit den Hypothekenzinsen in Deutschland zu tun? Ganz einfach: Die weltweiten Kapitalmärkte sind derart miteinander vernetzt, dass die Geschehnisse in Amerika hier nicht ohne Folgen bleiben. So ist die Rendite von Bundesanleihen, an denen sich letztlich die Hypothekenzinsen orientieren, ebenfalls spürbar gestiegen: Bei der 10-jährigen deutschen Anleihe kletterte die Rendite von minus 0,15 Prozent im September auf derzeit plus 0,4 Prozent. In diesem Anstieg spiegelt sich wider, dass Energieträger wie Öl und Gas in der Euro-Zone teurer werden, da sie in Dollar gehandelt werden. Dies wird vermutlich zu einer höheren Inflationsrate führen, was sich auch die Euro-Anleger mit höherer Rendite bezahlen lassen.

Ab Januar verbessern sich die Konditionen für Baugeld

Wir rechnen für die kommenden Wochen mit einem leichten Zinsrückgang bei Staatsanleihen, da diese – wie die Fachleute sagen – „überverkauft“ sind. Dieser Rückgang sollte auf Sicht von mehreren Wochen auch den Hypothekenzinsen zugutekommen, die Banken und Versicherer zum Jahresende hin angezogen haben. Aktuell lautet die Devise der Branche dank fast geschlossener Bücher: „Wer jetzt unbedingt ein Baudarlehen will, soll ordentlich bezahlen.“ Spätestens im Januar, wenn Banken und Versicherungen ordentlich Neugeschäft machen wollen, brauchen sie attraktivere Konditionen, um die angestrebten Marktanteile zu erreichen.

Hypothekenzinsen dürften 2017 leicht steigen

Trotz dieser kurzfristigen Prognose gehen wir für 2017 in der Tendenz von leicht steigenden Hypothekenzinsen aus. Eine kräftige Zinswende, wie sie manche offenbar herbei schreiben wollen, dürfte es ebenso wenig geben wie neue Tiefststände, wie wir sie 2015 und 2016 erlebt haben. Ohnehin halten wir es für sinnvoller, nach den günstigsten Darlehen zu suchen als zu versuchen, die Zinswende zu „timen“. Das zeigt unser Hypothekenvergleich: Über 5 Jahre fest kostet das günstigste im FMH-IndeX erfasste Darlehen derzeit 0,70 %, das teuerste 1,57 %. Über 10 Jahre reicht die Zinsspanne von 1,0 bis 1,76 % im Jahr, bei einer Zinsbindung von 15 Jahren von 1,46 bis 2,27 %. Bei den von uns im Falle eines Erstdarlehens favorisierten Kredit über 20 Jahre fest zahlt man im besten Fall 1,71 % und im schlechtesten 2,67 %. Wir glauben, dass diese Unterschiede viel wichtiger für Bauherren sind als alle Spekulationen über eine wie auch immer geartete Zinswende.