Händlerkredit oder Ratenkredit?

Frankfurt 26.09.2014 –– Fernseher, Waschmaschinen, Wohnlandschaften – viele Händler locken Kunden mit zinslosen Krediten. Doch wer glaubt, mit einer Null-Prozent-Finanzierung besser zu fahren, täuscht sich oft. Noch schlimmer: Die Kreditwürdigkeit kann leiden.

Null Prozent Zinsen für einen Kredit über 12, 24 oder gar 36 Monate – was manchem Verbraucher in der Vorweihnachtszeit wie Musik in den Ohren klingen mag, entpuppt sich nicht selten als Mogelpackung. So ist auch ein Null-Prozent-Kredit ein Kreditvertrag und mit den entsprechenden Pflichten für den Darlehensnehmer verbunden. Manche Anbieter werben zudem mit dem Hinweis „ohne Bearbeitungsgebühren“, als wäre das nach einschlägigen Gerichtsurteilen nicht schon selbstverständlich. Auch empfehlen manche Kreditinstitute Kunden eine Restschuldversicherung, was den Null-Prozent-Kredit richtig teuer macht.

Händler können sich über höhere Preise schadlos halten

Doch selbst wenn solche versteckten Kosten nicht anfallen, bedeutet ein Null-Prozent-Kredit nicht, dass man besser fährt als mit günstigen Ratenkrediten. Deren Effektivzins liegt derzeit zwischen vier und fünf Prozent. Wer für 3.000 Euro sein Wohnzimmer ausstattet oder verschönert, zahlt dafür bei einem dreijährigen Ratenkredit mit einem effektiven Jahreszins von 4,5 Prozent insgesamt rund 200 Euro an Zinsen – also knapp sechs Euro im Monat. Bei einem Ratenkredit mit null Prozent Zinsen indes können sich Händler und Bank durch einen höheren Produktpreis schadlos halten, da der Kunde, der diese Finanzierung will, keine Alternative hat. Im schlimmsten Fall kommt ihn das Null-Prozent-Paket sogar teurer zu stehen als der verzinste Ratenkredit.

Sparkonten bringen nur geringe Erträge

Das verkennen einige Verbraucher, die ihren Vorteil an der falschen Stelle suchen. Sie lassen gering verzinstes Geld auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto liegen und nutzen die Null-Prozent-Finanzierung im Glauben, dabei ein Schnäppchen zu machen. Ihr Kalkül: Lieber 0,5 Prozent an Zinsen kassieren als vier Prozent Zinsen für einen Ratenkredit überweisen. Doch nicht nur die teureren Produktpreise machen ihnen meist einen Strich durch die Rechnung; sie bekommen auch kaum etwas für das Geld auf ihrem Sparkonto. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Bei einer Anlage von 3.000 Euro und Zinsen von einem halben Prozent werden ihrem Konto am Jahresende 15 Euro gutgeschrieben.

Viele Kredite verschlechtern die Bonität

Für solche „Erträge“ riskieren diese Kunden, dass sich ihre Kreditwürdigkeit zunehmend verschlechtert und sie irgendwann vielleicht gar kein Darlehen mehr erhalten. Denn: Jeder von ihnen unterzeichnete Kredit wird der Schufa gemeldet, die diese Daten wiederum anderen Banken und Händlern zur Verfügung stellt, wenn der Kunde dort einen Kredit beantragt. Sehen die potenziellen Kreditgeber, welche Latte an Darlehen der Kunde bereits zu bedienen hat, ist es durchaus möglich, dass sie just jenen Kredit, den man wirklich bräuchte, verweigern. Läuft es ganz schlecht, handelt es sich dabei um das Hypothekendarlehen – und der Traum von den eigenen vier Wänden platzt wegen 15 Euro!

Fazit: Ratenkredite mit einer Verzinsung von null Prozent sind mit Vorsicht zu genießen. Nicht selten liegen die wahren Kosten höher oder das Produkt selbst ist überteuert. Keinesfalls ist es clever, wegen minimaler Erträge auf dem Sparkonto einen solchen Kredit in Anspruch zu nehmen. Wer dies öfter tut, riskiert seine Kreditwürdigkeit.