Einlagensicherung verbessert sich

Frankfurt 03.07.2015 –– Kunden ausländischer Banken mit einer Zweigstelle in Deutschland genießen seit dem 3. Juli besseren Schutz: Im Fall einer Bankinsolvenz erhalten sie direkt über die deutsche Einlagensicherung ihr Geld zurück, ohne einen Antrag zu stellen.

Damit endet eine Unwägbarkeit, die vermutlich etliche Sparer bewogen hat, ihr Geld nicht bei einer ausländischen Bank anzulegen – obwohl deren Zinsen teils deutlich höher sind als beim Durchschnitt der deutschen Geldhäuser, wie sowohl unser Tagesgeld- als auch unser Festgeld-Vergleich zeigen. Die Neuerung ist eine von mehreren Änderungen, die mit der Umsetzung der EU-weiten Richtlinie zur Einlagensicherung verbunden sind. Das Gesetz tritt in Deutschland am 3. Juli in Kraft.

Deutsche Einlagensicherung ist Ansprechpartner

Bislang war es so: Kunden, die bei einer ausländischen Bank mit Zweigstelle in Deutschland Geld anlegten, mussten im Fall einer Bankinsolvenz ihre Rechtsansprüche im jeweiligen Land und in einer Fremdsprache, deren sie womöglich nicht mächtig sind, durchsetzen. Nun ist im Fall einer solchen Bankinsolvenz die deutsche Einlagensiche-rung ihr Ansprechpartner. Damit entfallen womöglich zeit- und nervenraubende Rechts-streitigkeiten im Ausland. Voraussetzung für die Entschädigung ist, dass die Filiale zu einer Bank gehört, die ihren Hauptsitz in einem anderen Land des Europäischen Wirt-schaftsraums hat. Dazu gehören neben den Ländern der Europäischen Union (nicht Währungsunion!) auch Norwegen, Liechtenstein und Island.

Kein höheres Risiko bei Entschädigungen mehr

Die Gesetzesänderung ist für Anleger aus Deutschland von Vorteil: Wer ein Tagesgeldkonto etwa bei der französischen Renault Bank direkt (1,10 Prozent) oder bei der niederländischen NIBC Direct (1,0 Prozent) eröffnet, geht in Sachen Entschädigung jetzt kein höheres Risiko mehr ein als mit der Commerzbank (0,02 Prozent) oder einer regionalen Bank oder Sparkasse, die kaum noch Zinsen zahlt. Denn: Im Fall einer Bankpleite wendet sich die deutsche Einlagensicherung an die Kollegen in dem betreffenden Land und leitet später die Entschädigung – maximal 100.000 Euro pro Anleger und Bank – an die hiesigen Sparer weiter.

Blick über den Tellerrand lohnt sich

Aus Sicht deutscher Sparer werden auch Festgeldanlagen im Ausland risikoärmer – etwa bei der österreichischen VTB Direktbank oder der DenizBank, die ebenfalls in der Alpenrepublik eine Banklizenz hat. Zwar ist die Einlagensicherung demnächst komplett durch die Kreditinstitute eines Landes zu tragen. Doch sollten Anleger, die eine erneute größere Bankenkrise nicht ausschließen wollen, bedenken, dass diese das Sicherungssystem überfordern könnte. Am Ende wäre jede Einlagensicherung nur so stark, wie der Staat, der hinter ihr steht. Wer mit diesem eher pessimistischen Gedanken seine Auswahl unter den ausländischen Banken trifft, dürfte sich im Ausland vor allem auf Länder wie Holland, Österreich, Großbritannien und Frankreich konzentrieren.

Entschädigung erfolgt fortan automatisch

Egal ob im In- oder Ausland: Im Fall einer Bankpleite müssen Anleger keinen Antrag auf Entschädigung mehr stellen, denn diese soll künftig automatisch durch die zuständige Einlagensicherung erfolgen. Gleichwohl müssen Anleger der deutschen Einlagensicherung mitteilen, auf welches Konto die Entschädigung überwiesen werden soll. Außerdem ist in besonderen Lebenslagen ein Betrag von bis zu 500.000 Euro pro Anleger und Bank für die Dauer von sechs Monaten geschützt. Dazu gehören bedeutende Lebensereignisse wie etwa Heirat, Scheidung, Renteneintritt, Ruhestand, Kündigung bzw. Entlassung, Geburt, Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Behinderung. Auch nach dem Verkauf einer privaten Wohnimmobilie erhöht sich der Schutzumfang der Einlagensicherung für ein halbes Jahr auf eine halbe Million Euro.

Last but not least verkürzt sich die Zeit, die ein Anleger in Deutschland auf die Auszahlung seines Geldes warten muss, von derzeit 20 auf 7 Arbeitstage – allerdings erst zum 1. Juni 2016.