Frankfurt 08.07.2011 –– Deutsche Sparer haben die Qual der Wahl: Immer mehr Banken wollen mit hohen Zinsen für Tages- und Festgeld Privatanleger für sich gewinnen und sich so günstig refinanzieren. Einige dieser Häuser sind erst seit wenigen Monaten mit ihren Angeboten auf dem Markt. Die jüngste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte diesen Aufwärtstrend bei den Zinsen verstärken und vor allem Sparkassen und Volksbanken in Zugzwang bringen – „eine gute Nachricht für die Kunden“, findet Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

Die EZB hat am 7. Juli zum zweiten Mal in Folge die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf nun 1,5 Prozent erhöht. Hintergrund ist, dass vor allem die Preise für Energie und Nahrungsmittel in jüngster Zeit kräftig gestiegen sind. Die jährliche Teuerungsrate in den 17 Euro-Ländern lag im Mai bei 2,7 Prozent und damit deutlich über dem Stabilitätsziel der Notenbank von knapp unter zwei Prozent.

Trotz Erhöhung: Zinsen historisch niedrig

Mit der zweiten Zinserhöhung hat die EZB, anders als die Bank of England oder die US-amerikanische Fed, die Zinswende eingeleitet – auch wenn sich die kurzfristigen Zinsen mit 1,5 Prozent noch immer auf einem historisch sehr niedrigen Niveau bewegen. „Für die Banken bedeutet diese Erhöhung, dass es unattraktiver wird, sich Geld von der EZB oder von anderen Banken zu leihen, denn mit dem Leitzins steigt in der Regel der Euribor“, sagt Max Herbst. Der Euribor ist der Referenzzinssatz, zu dem sich ausgewählte Banken untereinander Geld leihen – inzwischen liegt der Preis für eine dreimonatige Geldleihe unter Banken bei 1,58 Prozent.

Mit Mini-Zinsen abgespeist

Für manche Bank ist es da weitaus attraktiver, sich Geld bei der treuen Klientel zu besorgen – vor allem wenn diese ihr das Ersparte zu Mini-Zinsen überlässt. So beträgt der niedrigste Zinssatz für Tagesgeld in Höhe von 5.000 Euro derzeit unglaubliche 0,25 Prozent. Vor allem Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken, die Angaben zu den Zinsen teils nur bei Anfrage von Interessenten machen, finden sich häufig unter den schlecht zahlenden Banken. „Das wird sich erst ändern, wenn viele Kunden die besseren Angebote nutzen. Dann werden Sparkassen und Volksbanken gezwungen sein, endlich nachzuziehen“, so der FMH-Inhaber.

1,9 Billionen Euro liegen auf deutschen Bankkonten

Ob es so weit kommt, ist schwer zu prognostizieren. Attraktive Zinsangebote für Tages- und Festgeld gibt es auf jeden Fall reichlich. Dafür sorgen auch einige neue Anbieter, die auf den deutschen Markt drängen. Angelockt werden sie von dessen schierer Größe: Deutschlands Sparer parken nach Angaben des Bundesverbands deutscher Banken 1,9 Billionen Euro in Spar-, Sicht- und Termineinlagen sowie in Bargeld – ein ideales Umfeld zur Refinanzierung von Banken. Angesichts der eher schwach ausgeprägten Wechselbereitschaft vieler Bankkunden müssen neue Anbieter jedoch mit attraktiven Zinsen aufwarten, um eine reelle Chance zu haben.

Mittelstands-Bank zahlt 2,4 Prozent

Zu den neuen Mitspielern auf dem deutschen Markt, die seit maximal zwölf Monaten präsent sind, gehört etwa die akf-Bank mit vier Jahrzehnten Erfahrung als Finanzierungspartner des Mittelstandes. Das Wuppertaler Haus, an dem zu 90 Prozent der Familienkonzern Vorwerk beteiligt ist, bietet Neukunden beim Tagesgeld ab einer Mindestanlage von 2.500 Euro einen Zinssatz von 2,4 Prozent. Noch einen Zehntel Prozentpunkt mehr zahlt die niederländische ABN AMRO Bank mit ihrem Tagesgeldprodukt „moneyou“ – und das ab dem ersten Euro.

Ordentliche Tagesgeldzinsen bietet auch die Bank11, die sich auf die Absatzfinanzierung für Kfz-Händler spezialisiert hat: Sie zahlt derzeit 2,2 Prozent ab dem ersten Euro. GE Capital Direkt, eine Tochter des Weltkonzerns General Electric, liegt mit einem Tagesgeldzins von 2,1 Prozent ebenfalls klar über dem Durchschnitt von derzeit 1,55 Prozent.

Industriebank IKB mit attraktivem Festgeldzins

Im Festgeld-Segment sticht bei den Zugängen innerhalb der vergangenen zwölf Monate insbesondere das Online-Angebot der IKB Deutsche Industriebank AG heraus. Die Bank, die im Zug der Finanzkrise zunächst von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau übernommen und dann an die Investmentgesellschaft Lone Star veräußert wurde, zahlt für zwölfmonatiges Festgeld derzeit einen Jahreszins von 2,8 Prozent, wenn mindestens 5.000 Euro angelegt werden.

Wegen der Einlagensicherung muss sich nach den Worten von Max Herbst niemand allzu große Gedanken machen: „Zum einen sind pro Bank und Anleger 100.000 Euro durch gesetzliche Bestimmung gesichert, zum anderen gehören Häuser wie die IKB darüber hinaus dem Einlagensicherungsfonds der privaten Banken in Deutschland an“, so der FMH-Inhaber.