Frankfurt 09.05.2011 –– Von der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor drei Wochen profitieren bislang nur wenige Bankkunden. Der Grund: Nur eine Minderheit der Geldhäuser hat die Erhöhung genutzt, um die Tagesgeldzinsen anzuheben, wie die FMH-Finanzberatung recherchiert hat. Für FMH-Inhaber Max Herbst ist aber auch klar: Die Kunden sind an dieser Misere zum Teil selbst schuld.

Positiv fielen jene Banken auf, die die Tagesgeldzinsen für ihre Bestandskunden um 0,1 oder 0,2 Prozentpunkte erhöhten – auch wenn sie den Rest für die Erhöhung ihrer Marge verwendeten. So hebt die ING-DiBa den Zins von 1,3 Prozent auf 1,5 und die Targobank von 1,2 auf 1,4 Prozent an. Mehr auf ihren Vorteil bedacht waren schon jene Banken, die die Zinserhöhung nutzten, um Neukunden zu locken, ihre Bestandskunden aber weiter mit Niedrigzinsen abspeisen. Schlimmer noch sieht es bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken aus: „Die allermeisten Häuser aus diesem Sektor haben die Zinserhöhung der EZB ignoriert und zahlen weiterhin Zinsen zwischen 0,25 und einem Prozent", so FMH-Inhaber Herbst.

68 von 90 Banken zahlen unter zwei Prozent

Von  insgesamt 90 Banken im Vergleich der FMH-Finanzberatung zahlen 28 noch immer nur ein Prozent und weniger an Tagesgeldzinsen. Lediglich 22 Banken vergüten die kurzfristigen Einlagen mit zwei Prozent und mehr. Und nur drei Banken zahlen 2,40 Prozent, was – zumindest vor Steuern – einen Inflationsausgleich darstellt. Auffällig ist auch, dass unter den Spitzenanbietern überwiegend Banken mit der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro sind.

Sparkassen sehen keinen Anlass zur Zinserhöhung

Für den Zinsprofi, der die Marktentwicklung seit einem Vierteljahrhundert auswertet, kommt das nicht überraschend. „Warum sollten Sparkassen und Volksbanken die Zinsen erhöhen, wenn die Kunden sich mit dem bisschen begnügen, was die Banken offerieren, und keine Anstalten machen zu wechseln", so Herbst. Doch das sei angesichts der zunehmenden Geldentwertung besonders absurd. Denn: Sparer, die Geld für Unvorhergesehenes oder schlechte Zeiten zurücklegen, sich aber mit Zinsen weit unterhalb der Inflationsrate begnügen, verlieren erheblich an Kaufkraft.

In fünf Jahren zehn Prozent weniger Kaufkraft

Konkret: Wer 10.000 Euro über sechs Monate für zwei Prozent Zinsen anlegt statt für ein halbes Prozent, erhält in dieser Zeit 75 Euro mehr und schafft damit fast einen Inflationsausgleich. Bei einem Anlagezins von 2,40 Prozent wären sogar 95 Euro mehr auf dem Konto. Im Gegenzug verlieren jene Kunden, die ihr Geld zu einem halben Prozent anlegen, 95 Euro an Kaufkraft im halben Jahr. Und je länger das Ersparte bei diesen kundenunfreundlichen Banken bleibt, desto stärker sinkt der reale Wert des Geldes: „In fünf Jahren kann sich dieser Sparkassenkunde für seine 10.000 Euro nur noch Waren im Wert von aktuellen 9.000 Euro kaufen", rechnet Max Herbst vor.

Etliche Banken garantieren ansehnliche Tagesgeld-Zinsen

Wer sich vor diesem Hintergrund für einen Bankwechsel entscheidet, sollte vermeiden, bei der Auswahl der neuen Bank auf ein Lockzins-Angebot hereinzufallen, sodass er sich in ein paar Wochen nicht als Bestandskunde mit schlechteren Zinsen zufriedengeben muss. In der Tat ist die Auswahl an Banken, die ihre Tagesgeld-Zinsen für einige Monate garantieren, recht ansehnlich. „Damit genießt der Kunde die Vorteile eines Festgeldkontos, ist aber flexibel, die Bank von heute auf morgen zu wechseln, falls er andernorts bessere Konditionen findet", erläutert Max Herbst.

Cortal Consors etwa zahlt für die Dauer von zwölf Monaten einen Zinssatz von 2,30 Prozent, die DAB bank bietet diese Kondition bis Ende März 2012. 2,3 Prozent bekommen die Kunden der TargoBank für sechs Monate garantiert. Und immerhin zwei Prozent für Neukunden zahlen ING-DiBa, Hanseatic Bank und das Bankhaus August Lenz für die Dauer von sechs Monaten.