Tagesgeld: 500 Banken zahlen maximal 0,01 Prozent

Frankfurt 06.04.2017 –– Unser großer Check von 600 Banken brachte es ans Licht: Die Zinsen für Tagesgeld sind noch tiefer gesunken als befürchtet. Doch es gibt Wege aus der Zinswüste – über Tagesgeldkonten im Ausland oder durch Kombinationen mit Festgeld.

In Deutschland sind rund 1.500 Banken tätig. All diese Institute zu kontaktieren, um ihre Tagesgeldzinsen zu erfragen, lohnt jedoch nicht. Daher hat sich die FMH-Finanzberatung im Internet auf die Suche gemacht und von 600 Banken die aktuellen Zinsen zusammengetragen. Ernüchternde Erkenntnis: Diese 600 Banken zahlen für Tagesgeld im Durchschnitt nur 0,02 Prozent – spürbar weniger als die 0,17 Prozent, die wir im repräsentativen FMH-IndeX ermittelt haben und auch weniger als das Statistische Bundesamt mit 0, 07 Prozent ausweist. Der Grund ist, dass fast 500 Banken maximal 0,01 Prozent fürs Tagesgeld zahlen. Unser Index weist diesen Instituten, meist Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen, geringeres Gewicht zu.

Tagesgeld: Im Ausland winken deutlich höhere Zinsen

Welche Möglichkeiten haben Sparer angesichts der extremen Zinsdürre in Deutschland? Wir raten Lesern, die sich mit diesem Gedanken anfreunden können, einen Teil ihres Tagesgelds über einen Vermittler wie Weltsparen oder Zinspilot bei einer ausländischen Bank anzulegen. Auf diesem Weg erhalten Anleger derzeit zwischen 0,5 und 1,0 Prozent an jährlichen Zinsen für ihre Anlage bei einer Bank in Rumänien, Italien, Schweden oder Österreich. Auch bieten sich ausländische Banken an, die ohne Vermittler arbeiten, aber rund ein halbes Prozent jährlich zahlen. Dazu gehören etwa Renault Bank direkt (Frankreich, 0,55 Prozent), Advanzia (Luxemburg, 0,5 Prozent) und Moneyou (Niederlande, 0,5 Prozent).

Selbst mit deutscher Einlagensicherung gibt es 0,6 Prozent

Egal ob über einen Vermittler oder nicht – die Gefahr, beim Tagesgeld von einer Bankpleite getroffen zu werden, ist gering, da man sich das Geld von heute auf morgen aufs Girokonto überweisen lassen kann. Aber selbst wenn man in diesem Fall den besten Zeitpunkt verpasst, greift in der Europäischen Union die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro je Anleger und Bank. Wer sein Geld lieber Banken mit erweiterter deutscher Einlagensicherung anvertraut, muss zwar kürzer treten, fährt aber noch weitaus besser als bei den Hunderten von knausrigen Instituten: Immerhin neun Banken zahlen jährlich mehr als 0,25 Prozent; der Spitzenreiter ist derzeit die Akbank mit bis zu 0,6 Prozent für Neukunden und 0,5 Prozent für Bestandskunden.

Festgeld: Kombination sorgt für mehr Rendite

Eine weitere Option ist die Aufteilung der Anlagesumme. Dabei kommt die Notreserve, idealerweise drei Monats-Nettogehälter, auf ein Tagesgeldkonto, der Rest wird als Festgeld mit ein und zwei Jahren Laufzeit angelegt. Wer sein Geld gleichmäßig auf diese drei Anlagen aufteilt und dabei nicht außer Landes geht, kommt derzeit auf einen maximalen Jahreszins von 0,7 Prozent. Bei 30.000 Euro Anlage sind dies immerhin gut 200 Euro – statt der null Euro, die viele Sparer als gottgegeben hinzunehmen scheinen. Sparer, die anspruchsvoller und etwas wagemutiger sind, legen das Festgeld über zwei Jahre in Deutschland an, das Tagesgeld sowie das einjährige Festgeld aber über einen Vermittler im Ausland. So steigern sie ihre Rendite auf 1,14 Prozent und erhalten bei 30.000 Euro rund 340 Euro im Jahr.

Fazit: Es gibt (noch immer) Wege aus der Zinswüste, in die viele deutsche Banken ihre Anleger geschickt haben. Eine kluge Kombination der Angebote aus dem In- und Ausland sowie der Laufzeiten beschert Sparern ohne viel Mühe ein paar Hundert Euro mehr im Jahr.