Tagesgeld von null bis ein Prozent Zinsen

Frankfurt 14.09.2017 –– Dass Tages- und Festgeldkonten derzeit nicht viel abwerfen, ist bekannt. Negativzinsen für Privatanleger galten hingegen lange als Tabu. Das könnte sich nun ändern.

Kein Geringerer als Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret hat es unlängst ausgesprochen: Wenn die EZB-Zinsen weiter so niedrig bleiben, könnten Banken bald auch von Privatkunden Minuszinsen verlangen. Der Bundesbanker beruft sich dabei auf eine aktuelle Umfrage, die sein Haus zusammen mit der Finanzaufsicht Bafin unter 1.555 kleinen und mittelgroßen Kreditinstituten in Deutschland durchgeführt hat.

Für die meisten Firmen mit Geldbeständen von einer Million Euro und mehr ist die Weitergabe der EZB-Negativzinsen längst Usus. Neu ist hingegen, dass immer mehr Kreditinstitute überlegen, auch geringere Anlagevolumina mit solchen Strafzinsen zu belegen. Als nächstes könnten dann die vermögenden Privatkunden an die Reihe kommen, wenn sie größere Summen auf dem Giro-oder Tagesgeldkonto parken. Die Rede ist von Beträgen deutlich oberhalb der 100.000 Euro-Grenze pro Konto und Kunde. Doch selbst wer deutlich weniger auf dem Konto hat, braucht mit nennenswerten Renditen schon heute kaum noch zu rechnen.

Die FMH-Finanzberatung hat festgestellt, dass in den vergangenen beiden Monaten 16 von 640 untersuchten Banken ihre Tagesgeldzinsen ein weiteres Mal gesenkt haben. Die Bandbreite der Senkungen reicht von 0,005 Prozent bei der Sparda-Bank Nürnberg bis zu 0,79 Prozent bei der net-m privatbank 1891 – ausgerechnet jener Bank, die im Sommer noch mit 0,8 Prozent Zinsen für Neukunden von sich reden gemacht hatte. Wie so oft in diesen Tagen war das offenbar nicht mehr als ein Lockangebot von sehr sehr kurzer Dauer.

Tagesgeld & Co.: Trübe Aussichten

Bereiten die Banken insgeheim gar schon die flächendeckenden Minuszinsen vor? Überraschend wäre es nicht. Denn ihre Risiken sind dabei gering. Schon heute parken deutsche Anleger Milliarden auf dem Tagesgeld und Girokonto. Zum Nulltarif. Zwar beschwert man sich ab und an über die miesen Zinsen – eine andere Anlageformen wählen aber nur wenige Kunden. Viel spricht dafür, dass die Sparer ähnlich reagieren, wenn es statt Null-Zinsen plötzlich Minuszinsen gibt.

Eigentlich dachten wir immer, dass die Banken nicht den Mut aufbringen werden, auch Kleinanlegern mit weniger als 50.000 Euro Guthaben eine Parkgebühr fürs Geld abzuverlangen. Mittlerweile sind wir uns da nicht mehr sicher. Zu oft schon haben sich Kunden in den vergangenen Jahren mit einer unvorteilhaften Situation abgefunden, haben ein bisschen über die EZB gejammert – und ihrer Sparkasse oder Volksbank vor Ort dennoch die Treue gehalten. „Die müssen ja so arbeiten, wenn sie noch von etwas leben wollen“, hieß und heißt es dann oft.

So lange Kunden so denken, solange können die Banken sich fast alles erlauben – selbst Gedankenspiele mit Negativzinsen. Und möglicherweise sogar deren Umsetzung.

Tagesgeldzinsen: Erstaunliche Bandbreite

Umso erstaunlicher (und erfreulicher) ist es, dass es nach wie vor Anbieter wie die Consorsbank gibt, die Neukunden bis zu einer Tagesgeldanlage von 50.000 Euro ein Prozent Zinsen zahlt und diesen sogar für sechs Monate garantiert. Am anderen Ende des Spektrums liegt hingegen die die Volksbank Stendal. Sie verlangt vom Privatkunden die mehr als 100.000 Euro auf ihrem Konto haben, schon heute 0,4 Prozent Minuszinsen.

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