Frankfurt 29.06.2011 –– Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, sinken die langfristigen Zinsen den dritten Monat in Folge. So ist die Umlaufrendite von gut 3,2 Prozent im April auf inzwischen 2,7 Prozent gefallen. Das steht in starkem Kontrast zum Tenor vieler Medien, die in erster Linie Inflationsgefahren beschwören. „Für Anleger wie auch für Häuslebauer eröffnen sich durch diesen Rückgang der langfristigen Zinsen nun interessante Chancen“, so Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

Wer das Wort „Inflation“ über die Suchmaschine Google eingibt, dem werden derzeit 112 Millionen deutschsprachige Einträge aufgelistet. Bei der Suche nach „Deflation“, dem Gegenstück zur Geldentwertung, sind es nur knapp zehn Millionen. „Dies zeigt, wie sehr die Sorge vor einer Inflation im öffentlichen Bewusstsein verwurzelt ist“, sagt Max Herbst.

Umlaufrendite weiter im Abwärtstrend

In der Tat zog die Umlaufrendite – das ist die Rendite der aktuell umlaufenden festverzinslichen Wertpapiere der öffentlichen Hand – von ihrem Allzeittief bei 1,8 Prozent im August 2010 in wenigen Monaten auf gut 3,2 Prozent an. Dieser Zuwachs dürfte jedoch weniger eine echte Trendumkehr in Richtung höhere Zinsen darstellen als vielmehr eine Reaktion auf einen lang anhaltenden Abwärtstrend: Noch im Juli 2008 hatte die Umlaufrendite bei knapp 4,8 Prozent notiert, bis sie in den folgenden zwei Jahren um zwei Drittel auf 1,8 Prozent einbrach.

Zinskurve kündigt wirtschaftliche Abkühlung an

Dass die Rendite nach dem Anstieg auf 3,2 Prozent nun erneut deutlich nachgegeben hat, ist für den FMH-Inhaber ein Hinweis, dass der Inflationsdruck sinkt. Ob dies auf die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) oder auf den Wunsch der Anleger nach sicheren deutschen Staatsanleihen zurückzuführen ist, sei nicht eindeutig zu sagen. „Fest steht jedoch, dass sich die Anleger mit geringeren Renditen zufriedengeben“, so Herbst. Zudem verringert sich der Zinsabstand, weil die langfristigen Zinsen sinken, die kurzfristigen Zinsen mit der als sicher geltenden zweiten Zinsanhebung durch die EZB aber weiter klettern: „Das damit verbundene Abflachen der Zinskurve deutet auf eine wirtschaftliche Abkühlung hin –auch das sollte den Inflationsdruck mindern.“

Banken zahlen gute Zinsen für längerfristige Anlagen

In diesem Umfeld entfalten gut verzinste längerfristige Anlagen ihren Reiz. Aktuell zahlen große europäische Banken wie die Bank of Scotland (nicht zu verwechseln mit der verstaatlichten Royal Bank of Scotland) für fünfjährige Sparbriefe 4,25 Prozent Zinsen im Jahr; für dreijährige Sparbriefe bekommen Anleger bei der Santander Consumer Bank vier Prozent im Jahr.

Sparer profitieren in beiden Szenarien

Sinken die langfristigen Zinsen und der Inflationsdruck weiter, können sich Sparer, die das Geld für eine längerfristige Anlage übrig haben, über eine ansehnliche Realverzinsung freuen. Und sollte es doch anders kommen, schützt der hohe Zins vor dem Verlust der Kaufkraft des Geldes, wie Max Herbst am Beispiel eines Drei-Jahre-Sparbriefs mit vier Prozent Zinsen vorrechnet: „Wer für ein Jahr Festgeld den aktuellen Maximalzins von 2,8 Prozent kassiert, muss in den zwei Jahren danach schon 4,61 Prozent im Jahr an Zinsen bekommen, um die Rendite des Sparbriefs zu schlagen. Derzeit liegen die höchsten Zinsen für zweijährige Sparbriefe bei 3,4 Prozent im Jahr.“

Siehe Anlage-Entscheidungsrechner

Gute Nachrichten für Häuslebauer

Die sinkende Umlaufrendite ist auch eine gute Nachricht für künftige Häuslebauer, da in diesem Zug die Hypothekenzinsen erneut nachgeben müssten. Zudem dürfte die Unsicherheit aufgrund der Schuldenkrise in einigen Euro-Staaten die Attraktivität deutscher Pfandbriefe für Anleger erhöhen und damit deren Rendite drücken. „Das wiederum gibt den Hypothekenbanken mehr Spielraum, um günstigere Kredite anzubieten“, resümiert Max Herbst.
Fazit: Sparer wie auch Häuslebauer können derzeit von den Änderungen bei den langfristigen Zinsen profitieren. Für Sparer ist jetzt der Zeitpunkt, um sich ein attraktives Angebot zu sichern. Wer eine Immobilie finanzieren will, dürfte gut beraten sein, das aktuelle Zinstal zu nutzen.