EU-Gipfel: Welche Auswirkungen das gigantische Hilfspaket der EU nun hat
EU-Gipfel: Welche Auswirkungen das gigantische Hilfspaket der EU nun hat © jorisvo / Adobe Stock

Frankfurt 23.07.2020 –– In einem beispiellosen Kraftakt haben europäischen Staats- und Regierungsschefs ein gigantisches Corona-Hilfspaket auf den Weg gebracht – und entschieden, dass die EU erstmals im großen Stil gemeinsame Schulden macht. Das könnte weitreichende Folgen haben.

Es war nicht leicht, 27 Staaten dazu zu bringen, sich in der Corona-Krise solidarisch zu zeigen. Das gilt umso mehr als kein einziger Staat, egal wie reich oder arm, derzeit absehen kann, welche Unbilden die Pandemie noch bringen wird. Auch wirtschaftlich.

Umso bemerkenswerter ist es, dass am Ende eines viertägigen Verhandlungsmarathons in Brüssel dann doch eine Einigung stand, die viele als historisch bezeichnen. Die EU hat das größte Haushalts- und Finanzpaket ihrer Geschichte beschlossen. 1,8 Billionen Euro umfasst es insgesamt. Doch was bedeutet das für den Kapitalmarkt?

Viel Geld sorgt erst einmal für gute Stimmung

Die erste Reaktion war positiv. Dies ist wenig überraschend, wenn Unsummen in die Wirtschaft der europäischen Staaten fließen. Entsprechend dürften auch die Rendite vieler europäischer Staatsanleihen in den kommenden Tagen leicht sinken, denn die Sicherheit der einzelnen EU-Staaten verbessert sich durch die enormen Geldspritzen signifikant.

Doch gilt dies auch für Deutschland? Anleger haben die Bundesrepublik selbst in der Hochphase der Krise als sicheren Hafen für ihr Geld angesehen. Dies zeigt sich auch daran, dass deutsche Staatsanleihen nach wie vor nur eine Minusrendite abwerfen. Vor diesem Hintergrund sind hier wohl keine dramatischen Veränderungen zu erwarten. Ein weiteres Absinken der Rendite von derzeit minus 0,46 auf minus 0,55 ist allerdings nicht ausgeschlossen. Dass die Rendite der Bundesanleihe ihr bisheriges Allzeittief von minus 0,83 Prozent noch unterschreitet, ist jedoch nicht zu erwarten, denn der Deal von Brüssel führt dazu, dass Investitionen in andere EU-Staaten wieder attraktiver werden, da sie nicht nur mehr Rendite bieten, sondern jetzt auch wieder etwas sicherer sind.

Werden Bauzinsen nun günstiger?

Diese Entwicklungen sind auch für Bauherren interessant. Denn die Zinsen für Hypothekendarlehen entwickeln sich stets in dieselbe Richtung wie die Renditen der Bundesanleihen. Doch wie schnell ziehen die Bauzinsen nach, wenn die Rendite der Bundesanleihen sich verändert?

Hierzu lohnt ein Blick zurück. Seit dem Jahr 2000 lag der durchschnittliche Abstand der beiden Werte bei etwa einem Prozent: Der Effektivzins fürs Baugeld betrug in dieser Zeit im Mittel 3,44 Prozent, Bundesanleihen rentierten im Schnitt mit 2,47 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren lag die die Differenz (Bauzinsen zu Staatsanleihe) bei 1,99 zu 0,92 Prozentpunkten und in den letzten 5 Jahren bei 1,23 zu 0,17 Prozent. In den vergangenen 12 Monaten vergrößerte sich der Abstand auf 1,17 Prozent (0,76 zu minus 0,41 Prozent) im Mittel.

Das zeigt, dass die Zinsen auf absehbare Zeit weiter sinken könnten, wenn die Geldgeber mit einer geringeren Marge bei der Baufinanzierung zufrieden wären. Aber warum sollten die Banken auf Geld verzichten, wenn das Geschäft mit der Baufinanzierung gerade gut läuft? Diese Überlegung und die Tatsache, dass auch die Rendite der Bundesanleihe wohl nur leicht sinken wird, legt den Schluss nahe, dass ein dramatischer Einbruch bei den Zinsen für eine Baufinanzierung in den kommenden Wochen wohl nicht zu erwarten ist.

Das gilt umso mehr, als die Banken sich auch mit den Regeln der Wohnimmobilienkreditrichtlinie befassen müssen, die einen wirklichen Mehraufwand für sie bedeuten und damit auch die Kosten treiben Und dann ist da noch die Tatsache, dass die Urlaubszeit ganz generell nicht die beste Zeit ist, um auf fallende Bauzinsen zu warten. Das belegen die FMH-Zinsbeobachtungen der vergangenen Jahrzehnte. Zinsbewegungen von 0,05 Prozentpunkten nach oben und unten sind zwar immer möglich. Bis zu einem neuen absoluten Zinstief bei einer Zinsbindung von zehn Jahre fest sind es nur noch 0,07 Prozentpunkte. Das bisher absolute Zinstief war am 11.März 2020 mit 0,62 Prozent. Aktuell sind wir bei 0,69 Prozent.

Wirkliche Zinssenkungen sehen wir daher wohl erst wieder im September, wenn die Urlaubszeit vorbei ist und das Jahresendgeschäft bei der Kreditvergabe eingeläutet wird.

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