Frankfurt 28.12.2020 –– COVID-19 ist hoffentlich bald Geschichte, die ersten Impfungen werden bereits vorgenommen. Doch wird das Auswirkungen auf die Hypothekenzinsen haben? Welche anderen Faktoren könnten außerdem für die Zinsentwicklung ausschlaggebend sein? Die mögliche Inflationsrate, oder doch eher die EZB mit ihrer Entscheidung, das Geld weiterhin billig zu halten, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen? Keine leichte Frage, die wir in diesem Jahr sechs Branchen-Expert:innen gestellt haben. Hier ihre Antworten.


Eva Grunwald

Leiterin Immobiliengeschäft für Privat- und Firmenkunden in Deutschland, Deutsche Bank

Eva Grunwald
Eva Grunwald © Deutsche Bank AG / Urheber ist Datenquelle (Bank, Red. etc.)
Die gute Nachricht für Bauherren ist, dass wir bei den Hypotheken keinen deutlichen Zinsanstieg erwarten. Da sich die langfristigen Bauzinsen üblicherweise grob an der Verzinsung deutscher Staatsanleihen orientieren, sollte man diese im Blick behalten. Die geldpolitischen Maßnahmen in der Pandemie sprechen für Negativ- und Nullzinsen auf absehbare Zeit. Damit dürften auch zehnjährige Bundrenditen kaum Potenzial nach oben besitzen. Die durchschnittlichen Hypothekenzinsen für Darlehen mit fünf- bis zehnjähriger Zinsbindung lagen im Oktober bei 1,03 Prozent und werden sich zunächst wohl weiter auf diesem Niveau bewegen.


Oliver Lüsch

stv. Vorsitzender des Vorstands, BBBank eG

Oliver Lüsch
Oliver Lüsch © BBBank / Urheber ist Datenquelle (Bank, Red. etc.)
Die Zinsen bleiben 2021 niedrig. Immer mehr Banken verlangen Negativzinsen auf Einlagen. Daher interessieren sich Kunden für Anlagealternativen & Investitionen in Sachwerte. Diese Nachfrage führt zu steigenden Immobilienpreisen. Insbesondere in den Ballungsräumen & Metropolen, wo Wohnraum knapp ist. Die steigenden Preise stehen so den Vorteilen des niedrigen Zinssatzes entgegen. Deshalb ist es wichtig, auf ein stabiles Finanzierungsmodell zu setzen, um als Selbstnutzer Planungssicherheit zu haben. Die Vorteile niedriger Zinsen sollten idealerweise durch höhere Tilgungsanteile ergänzt werden.


Michael Neumann

Vorstandsvorsitzender, Dr. Klein Privatkunden AG

Michael Neumann
Michael Neumann © Dr. Klein Privatkunden AG / Urheber ist Datenquelle (Bank, Red. etc.)
Selbst wenn wir von einem günstigen Szenario ausgehen – ein wirksamer Impfstoff wird im Laufe des Jahres flächendeckend geimpft und die Pandemie bremst die Wirtschaft nicht weiter aus – brauchen sowohl Deutschland als auch die EU-Nachbarn über das Jahr 2021 hinaus, um die Wirtschaftsleistung wieder auf Vor-Corona-Niveau zu heben. Die EZB wird weiter massiv Geld drucken und so die Zinsen künstlich niedrig halten. Wenn die Märkte eine steigende Inflation erwarten, kann sich der Spread zwischen kurz- und langfristigen Zinsbindungen wieder vergrößern. Aber in Summe erwarte ich keinen nennenswerten Anstieg der Bauzinsen.


Christoph Müller

Geschäftsführer, DTW GmbH

Christoph Müller
Christoph Müller © DTW / Urheber ist Datenquelle (Bank, Red. etc.)
Auch im Jahr 2021 werden Baufinanzierer mit hoher Wahrscheinlichkeit von weiter niedrigen Bauzinsen profitieren. Die weltweit durch die Corona-Krise geschwächte Konjunktur, das bis ins Jahr 2022 verlängerte Notkaufprogramm für Anleihen und die weiterhin lockere Geldpolitik der EZB, die nicht vorhandene Inflation, sowie der erstarkte Euro sprechen für niedrige Bauzinsen. Auf der anderen Seite steigt krisenbedingt das Ausfallrisiko für Baudarlehen. Höhere Risikokosten sowie die Gefahr von Preisübertreibungen am Immobilienmarkt werden bei höheren Beleihungen real steigende Zinsen bewirken.


Sabine Münster

Chapter Lead Group Kredit Private Baufinanzierung, Commerzbank AG

Sabine Münster
Sabine Münster © Commerzbank AG / Urheber ist Datenquelle (Bank, Red. etc.)
Wir erwarten 2021 eine Seitwärtsbewegung mit geringer Volatilität bei den Bauzinsen. Vieles hängt davon ab, wie schnell die Pandemie unter Kontrolle ist. Unsere Wirtschaft sehen wir als so stabil, dass es dann eine rasche konjunkturelle Erholung geben sollte. Für den privaten Immobilienmarkt sind wir positiv gestimmt. Der Trend ins Home-Office wird bleiben. Damit wird der Gang ins Büro sicherlich nicht vollständig ersetzt, aber ergänzt. Gewinnen werden die guten Wohnlagen in der Peripherie, hier übersteigt die Nachfrage das Angebot. Damit bleiben die Immobilienpreise insgesamt stabil, regionale Verschiebungen sind möglich.


Christof Lehr

Leiter Markt Personenversicherung – Finanzierungen und Bausparen, AXA Konzern AG

Christof Lehr
Cristof Lehr © Christof Lehr / Urheber ist Datenquelle (Bank, Red. etc.)
Die Eindämmung der Corona-Pandemie mit ihren wirtschaftlichen Auswirkungen wird auch 2021 das beherrschende Thema sein. Geldpolitische Aufräumarbeiten, ungelöste Handelsstreitigkeiten, negative Brexit-Folgen und eine branchenbedingte Insolvenzwelle werden Zinssteigerungsphantasien einschränken. Aber es gibt auch Lichtblicke (eine neue US-Regierung oder die Corona-Impfstoffe). Daher könnte es in 2021 bei einer fortschreitenden wirtschaftlichen Erholung sogar den ein oder anderen leichten Zinssprung nach oben geben. Auswirkungen auf den Immobilienmarkt sehe ich kurzfristig nicht, mittelfristig wird allerdings eine wirtschaftliche Stabilität erforderlich sein.

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