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09.01.2023
Zinswende mit Folgen

Zinswende mit Folgen

Was die höheren Leitzinsen für Verbraucher bedeuten

Ob Tagesgeld, Festgeld, Dispo- oder Ratenkredit: Die rasanten Zinssteigerungen durch die EZB wirken sich direkt auf die Finanzen der deutschen Verbraucher aus. In Sachen Transparenz ist bei vielen Banken aber noch Luft nach oben.

Max Herbst: Experte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Max HerbstExperte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Erstellt am 09.01.2023, Aktualisiert am 09.01.2023
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Zinswende mit Folgen

Die EZB hat im vergangenen halben Jahr die Leitzinsen um sagenhafte 2,5 Prozentpunkte erhöht. Diesen Schritt kann man fast schon historisch nennen, denn die letzten vergleichbaren Leitzinserhöhungen liegen mehr als zwei Jahrzehnte zurück.

Zwischen November 1999 und Oktober 2000 hoben die Währungshüter, den Leitzins von damals 2,50 Prozent auf 4,75 Prozent an. Allerdings in sieben, und nicht wie heute, in vier Schritten.

Höhere Erträge – und dennoch ein Minus

Damals wie heute wirkt sich die Zinspolitik zeitnah auf die Anlagezinsen aus. Mussten viele Tagesgeldkunden bis vor Kurzem noch Verwahrentgelte von minus 0,5 Prozent bezahlen, steigen die Zinsen nun auf plus 0,60 Prozent im Durchschnitt. In der Spitze sind wieder 2,10 Prozent für Neukunden möglich.

Die Festgeldzinsen für zwölf Monate sind seit Anfang 2022 im Mittel von 0,08 auf 1,60 Prozent gestiegen Auch hier gibt es in der Spitze wieder Zinsen von 2,73 Prozent.

Eigentlich eine traumhafte Entwicklung – wäre da nicht das Problem, dass Experten auch im Jahr 2023 eine Inflationsrate von um die 7,5 Prozent erwarten. Damit frisst die Teuerung erneut die Erträge der Geldanlage auf.

Kredite werden deutlich teurer

Unerfreulich aus Sicht der Verbraucher ist die Zinsentwicklung bei den Ratenkrediten. Hier geht es ebenfalls nach oben, denn die Banken nutzen die Festgeld- und Tagesgeldanlagen zur Refinanzierung von Konsumentenkrediten.

Lagen die Zinsen für ein solches Darlehen mit 60 Monate Laufzeit im Januar 2022 noch bei mittleren 3,70 Prozent, waren es zum Jahresende 2022 bereits 5,95 Prozent. Zwar haben sich Ratenkredite in den letzten Wochen wieder etwas verbilligt. Das allerdings ist keine Tendenz, sondern nur eine kleine, erfreuliche Delle.

Eine Aufwärtsbewegung gibt es auch bei den Dispozinsen und damit ausgerechnet zu Lasten jener, die ohnehin einen finanziellen Engpass zu meistern haben. Der Mittelwert von 90 Banken ist im Jahr 2022 von 9,14 Prozent auf 10,11 Prozent gestiegen. Interessant dabei ist, dass immerhin 24 Banken noch keine Dispoerhöhung vorgenommen haben und einen Mittelwert von 9,45 Prozent ausweisen. Darunter finden sich auch namhafte Banken wie eine ING (Dispoerhöhung ab Mitte Feb. von 6,99 auf 8,99 Prozent, N26, BBBank, Santander aber auch eine Frankfurter Volksbank oder Sparkasse Leipzig. Die Angebotspanne der Banken ohne Zinsanpassung reicht von 6,62 bis 11,75 Prozent. Die restlichen 66 Banken haben dafür umso kräftiger an der Preisschraube gedreht. Der Mittelwert dieser Banken liegt bei 10,53 Prozent also schon einen Prozentpunkt über der anderen Gruppe. Fairerweise muss aber auch gesagt werden, dass nur eine Bank eine Erhöhung vorgenommen hat, die über die 2,50 Prozent EZB hinausgeht.

Dies ist die DKB mit 2,71 Prozent Erhöhung (von 6,58 auf 9,29 Prozent). Die restlichen Erhöhungen reichen von 0,16 bis 2,50 Prozent. Das Mittel liegt bei 1,40 Prozent.

Oft fehlen wichtige Pflichtangaben

Unerfreulich ist, dass viele Geldhäuser keinen Referenzzins angeben, an den sie die Dispozinsänderungen koppeln. Dazu sind die Banken verpflichtet, dennoch sucht man einen passenden Bezug in vielen Fällen vergeblich.

Viele Banken etwa geben als Referenzzins den drei- oder sechsmonatigen Euribor an. Der aber hat sich 2022 von minus 0,573 auf 2,128 (Drei-Monats Euribor) bzw. von minus 0,546 auf 2,703 Prozent (Sechs-Monats Euribor) erhöht.

Das lässt zwei Schlüsse zu: Entweder die Banken hatten vorher den Dispozins nicht entsprechend gesenkt oder sie verzichten aktuell auf denkbare Erhöhungen.

Ganz allgemein ist bei unserer Recherche zu den Girobedingungen aufgefallen, dass etliche Banken ihre Entgeltinformationen nicht so aktualisieren, wie es Gesetzgeber im Zahlungskontengesetz vorgibt. Zu diesen Delinquenten gehören auch namhafte Anbieter wie Commerzbank und comdirect, Sparda-Bank Hannover, Stadtsparkasse Wuppertal, Sparkasse Aschaffenburg, um nur einige von 14 Banken und Sparkassen zu nennen.

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