Die EZB drückt die Anlagezinsen

Frankfurt 22.11.2015 –– Sparer geraten immer mehr in die Klemme: Falls die EZB im Dezember die Strafgebühr für Banken erhöht, dürften die mickrigen Anlagezinsen noch weiter sinken. Es wird Zeit, sich nach besseren Angeboten bzw. nach Alternativen umzuschauen.

Im Dezember wird die Europäische Zentralbank nicht nur darüber entscheiden, ob sie das Kaufprogramm für Staatsanleihen und andere Wertpapiere verlängert bzw. ausweitet. Zur Debatte steht auch, ob die Strafgebühr, die Banken der Eurozone für das Parken von Geld bei der Notenbank zahlen müssen, erhöht wird – laut Medienberichten befürworten mehrere Mitglieder das. Sollte die EZB von den Banken künftig mehr verlangen als die derzeitigen 0,2 Prozent p.a., wird das für die Sparer negative Folgen haben. Denn: Für jeden Euro an Kundeneinlagen, den eine Bank nicht weiter verleihen kann, muss sie die erhöhte Strafgebühr zahlen. Es ist daher zu erwarten, dass die niedrigen Anlagezinsen noch weiter sinken werden.

Zinsverweigerer sind bald in der Mehrheit

Schon jetzt zeigt die Zinsentwicklung in der FMH-Tagesgeldliste: Fast ein Drittel der 90 Banken zahlt derzeit „Zinsen“ unter 0,05 Prozent. Beim Festgeld über 6 Monate sind es inzwischen 13 von 84 ausgewerteten Häusern, die ihre Kunden mit Zinsen in eben dieser Größenordnung belohnen. Und bei zwölf Monaten Laufzeit trauen sich immerhin bereits neun Banken, dem Publikum mit derart spärlichen Zinsen unter die Augen zu treten. Am weitesten vor wagen sich die Zinsverweigerer beim Sparbuch: In diesem Segment speisen bereits 37 von 55 Banken die Sparer mit 0,05 Prozent und weniger ab. Dass dies so ist, liegt auch an der Langmut der Sparer, die offenbar selten zum Wechsel des Anbieters bereit sind. In den Augen der Banken sind sie mit dem Zinsangebot anscheinend zufrieden.

Sind manche Sparer schizophren?

Umso unverständlicher ist, dass manche Anleger, die einerseits genug von den Minizinsen haben, andererseits bereit sind, extrem hohe Risiken einzugehen – etwa indem sie Unternehmen Geld leihen, die am ungeregelten Kapitalmarkt mit absurd hohen Zinsen für ihre Anleihen bzw. Beteiligungen werben. Dass diese Menschen in ihrer Gutgläubigkeit und Gier von den Anbietern ausgenutzt werden, entbindet sie nicht von der Verantwortung. Schon immer galt der Grundsatz: Je höher der Zinssatz, desto höher das Risiko.

Warum auch sollte ein Unternehmen einem Anleger einen Zinssatz von sechs Prozent und mehr bezahlen, wenn der Bankkredit bei vernünftiger Bonität nur vier Prozent kostet? Es versteht sich (eigentlich) von selbst, dass nur solche Unternehmen zu diesen Konditionen von Privatanlegern Geld aufnehmen, die von der Bank kein Geld bekommen oder es wegen des größeren Ausfallrisikos nur zu deutlich höheren Zinsen erhalten würden.

Strategien für Konservative und Wagemutige

Sinnvoller als die unselige Kombination aus strengster Zins-Diät und solchen Himmelfahrts-Kommandos ist es, sich für das Geld, das sicher angelegt werden muss, nach attraktiv verzinsten Tages- und Festgeldkonten umzusehen. Aktuell zahlen sechs Banken mit deutscher Einlagensicherung für einjähriges Festgeld Zinsen von einem Prozent und mehr; der Spitzenreiter bietet 1,26 Prozent. Beim Tagesgeld sind Banken mit deutscher Einlagensicherung unter den Top-Anbietern sogar besonders stark vertreten. Sie zahlen Zinsen von 1,0 bis 1,25 Prozent.

Welt-Aktienmarkt in nur einem Fonds

Wer Wertschwankungen ertragen und auf einen Teil seines Geldes für mindestens fünf, besser sogar zehn Jahre verzichten kann, könnte diesen in einen oder mehrere Aktien-Indexfonds investieren, um so eine vermutlich spürbar höhere Rendite zu erzielen als mit Zinsangeboten. Mit einem solchen Indexfonds (ETF, für Exchange Traded Funds) lässt sich sogar der komplette Welt-Aktienmarkt abdecken, was eine sehr breite Streuung selbst kleiner Summen gewährleistet. So bietet der MSCI World All Country World Index die Möglichkeit, in fast 2.500 Unternehmen aus den Industrie- und Schwellenländern zu investieren. Einen ETF auf diesen Index gibt es zum Beispiel vom Anbieter iShares.