Die böse Null kommt – extreme Niedrigzinsen
Die große Null schwebt über dem Finanzmarkt. Was Sparer und Kreditnehmer jetzt wissen sollten. © TwilightArtPictures / Fotolia

Frankfurt 19.08.2019 –– Negativzinsen für wohlhabende Anleger, Baudarlehen zum Nulltarif und Girokonten, die so teuer sind wie nie zuvor: Die Finanzwelt steht Kopf – und die EZB tut alles dafür, diesen Zustand zu erhalten.

Wo soll es mit den Zinsen noch hingehen? Diese Frage stellen sich derzeit nicht nur die Banken, sondern auch Anleger und Kreditnehmer. Aus gutem Grund. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits angekündigt, das Zinsniveau noch einmal zu senken. Bei einem Leitzins, der ohnehin schon bei null Prozent liegt, ist das zwar nicht ganz einfach, aber machbar.

Denkbar wäre es etwa, dass die Währungshüter erneut zig Milliarden Euro Anleihen aufkaufen. Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, den aktuellen Strafzins für Banken, die ihr Geld bei der EZB parken von 0,4 auf 0,5 oder gar 0,6 Prozent anzuheben.

Tagesgeld und Festgeld: Negativzinsen für Privatanleger sind kein Tabu mehr

Für Sparer, die ihr Geld bevorzugt in Zinsprodukte wie Tages- oder Festgeld stecken oder ihre Ersparnisse einfach auf dem Girokonto liegen lassen, sind das keine guten Nachrichten. Denn egal für welchen Weg der Zinssenkung sich die EZB entscheidet: Sparer müssen sich in jedem Fall darauf einstellen, dass auch die letzten Banken, die derzeit noch so etwas wie Zinsen anbieten, die Renditen auf null Prozent senken. Wohlhabende Kunden mit mehreren hunderttausend Euro auf der hohen Kante müssen sogar damit rechnen, dass die Banken die EZB-Strafzinsen an sie weitergeben.

Bereits heute bewegen sich die Zinsen für Anleger, die auf festverzinsliche Produkte setzen, im kaum noch wahrnehmbaren Bereich. Der FMH-Index fürs Tagesgeld liegt Mitte August bei 0,08 Prozent, Festgeld für zwei Jahre bringt im Mittel 0,26 Prozent.

Tagesgeld und Festgeld gehen gegen null
© FMH-Finanzberatung / FMH-Finanzberatung

Ratenkredit: Schulden machen wird noch günstiger

Angesichts solcher Zahlen ist es kein Wunder, dass die meisten Menschen lieber konsumieren oder Schulden machen, als qua Sparkonto ihr Erspartes zu verringern. Das gilt umso mehr, als auch die Zinsen für Konsumentenkredite noch einmal billiger werden dürften. Laut FMH-Index kosten selbst bonitätsunabhängige Ratenkredite – also jene, die für zwei Drittel aller Interessenten in Frage kommen – bei einer Laufzeit zwischen 36 und 60 Monaten nur noch rund 4,2 Prozent.

Ratenkredite gehen gegen null
© FMH-Finanzberatung / FMH-Finanzberatung

Und für all jene, die ein Auto, eine Weltreise oder eine einfach nur eine neue Waschmaschine finanzieren wollen, könnten die kommenden Wochen noch mehr interessante Entwicklungen mit sich bringen. Zwar haben sich die Zinsen für Ratenkredite in den vergangenen zehn Jahren bereits mehr als halbiert. Neue Zinssenkungsmaßnahmen der EZB könnten hier aber noch einmal eine ganz neue Dynamik auslösen: Das gilt vor allem dann, wenn die Währungshüter die Strafzinsen anheben. Dann wird es für Banken endgültig unattraktiv, Kundengelder einzusammeln, zumal sich mit dem Verleih von Geld zumindest noch ein bisschen Geld verdienen lässt.

Baufinanzierung: Baugeldzinsen könnten gegen null gehen

Für all jene, die ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen wollen und deshalb eine Finanzierung brauchen, spielt die Zinsentwicklung die vielleicht größte Rolle. Selbst marginale Veränderungen machen hier einen immensen Unterschied, schließlich erreichen die Immobilienpreise und damit auch die Kreditvolumina immer neue Höchststände. Schon 0,5 Prozent Zinsunterschied bedeuten bei einem Hauskredit über 300.000 Euro innerhalb von 20 Jahren satte 25.000 Euro Differenz bei den Gesamtkosten.

Da sich die Hypothekenzinsen seit Jahren ziemlich analog den Renditen der deutschen Bundesanleihen entwickeln, hängt deren Entwicklung nicht zuletzt vom aktuellen politischen (Welt-)Klima ab. Und das hat derzeit durchaus Luft nach oben: Die politische Krise in Italien, der Handelskonflikt zwischen China und den USA, die schwächelnde Konjunktur in Europa – all das schickt die Rendite der deutschen Bundesanleihe weiter auf Talfahrt. Aktuell rentieren zehnjährige Bundesanleihen an einzelnen Tagen bereits mit weniger als minus 0,7 Prozent, zehnjährige Pfandbriefe mit null Prozent. Das bedeutet für Bauherren, die eine Finanzierung brauchen: Im Idealfall sind Kredite mit einer Zinsbindung von zehn Jahren bereits für 0,15 Prozent zu haben. Selbst null Prozent Zinsen sind inzwischen denkbar, weil die Banken viele Kundengelder verarbeiten können, für die sie bei der EZB Strafzinsen bezahlen müssten.

Girokonto: Banken werden kreativ – und Girokonten womöglich teurer

Schlecht ist die derzeitige Situation hingegen für Girokunden. Wenn die Banken mit der Kreditvergabe immer weniger verdienen und für die Geldanlagen sogar Strafzinsen zahlen, dann liegt es relativ nahe, an anderer Stelle zuzulangen – und beispielsweise die Gebühren fürs Girokonto nach oben zu setzen. Die Summen im Einzelfall mögen zwar überschaubar sein, der Effekt für die Geldhäuser ist aber immens: Wenn etwa alle Sparkassen die monatliche Girokonto-Gebühr nur um einen Euro anheben, dann machen sie damit ein Plus von über 40 Millionen Euro pro Monat oder eine halbe Milliarde Euro pro Jahr.

Für Testzwecke können hier alle Rechner aufgerufen werden. Wird auf der richtigen Seite dann nicht mehr angezeigt.
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