Kontowechselservice fürs Girokonto

Frankfurt 15.09.2016 –– Ein neues Gesetz vereinfacht Kunden den Girokontowechsel. Wie sich der Kontowechselservice bei den einzelnen Banken gestaltet und weshalb Kunden die Anbieter dennoch vergleichen sollten.

Wieder sorgt eine EU-Vorschrift für Wirbel im Finanzmarkt. Wurden unlängst erst in Deutschland die EU-Vorgaben zur Wohnimmobilienkreditrichtlinie und dem Jedermann-Konto per neuem Gesetz erfüllt, ist nun der Kontowechsel an der Reihe: Ab dem 18. September müssen Banken dafür sorgen, dass ihre Kunden ihr Girokonto leichter wechseln können. So will es das so genannte Zahlungskontengesetz, das schon für die Einführung des Basiskontos im Juni 2016 verantwortlich war – und uns auch 2017 Neuerungen bringen wird, dann zur Entgelttransparenz.

Neuer Kontowechselservice: Jetzt werden Kunden wohl flügge

Während der Kontowechselservice bislang ein reines Serviceangebot mancher Banken war, müssen nun auch die Banken den Kontowechsel unterstützen, die ihre Kunden bei gewünschtem Kontoumzug bislang mit einem schnöden Papierantrag abspeisten. Ab sofort ist es nämlich nicht mehr der Kunde, der seine Daueraufträge ändern und Zahlungspartner informieren muss, sondern die Bank.

Einige Anbieter bieten dafür schon seit geraumer Zeit einen digitalen Rundumsorglos-Service, bei dem der Neukunde mit wenigen Mausklicks bestimmt, welche wechselbedingten Änderungen die Bank vornehmen soll und der Kontowechsel innerhalb von Minuten online vollzogen ist. Andere Anbieter sind längst noch nicht so weit, aber dennoch verpflichtet, den Kontowechsel inklusive Information der Zahlungspartner innerhalb von maximal 12 Tagen zu vollziehen. Wir haben den FMH-Girovergleich entsprechend erweitert.

Während Bankkunden ihrer Hausbank früher aus Bequemlichkeit oft ein Leben lang treu waren, wird sich das zukünftig sicherlich ändern.

Dennoch beim Wechsel beachten: Absurde Gebühren lauern hinter Lockangeboten

Fakt ist: Das kostenlose Girokonto stirbt. An seine Stelle treten Kontomodelle, die dem Kunden zum Teil absurde Gebühren abverlangen. Wer sucht, findet aber noch fair gepreiste Angebote.

Das Elend der Banken – es könnte einen zu Tränen rühren. Von Verlusten sind die Institute zwar weit entfernt. Aber eben auch von den Rekordmargen vergangener Zeiten. Das möchten die Geldhäuser ändern und endlich wieder Renditen von zehn Prozent oder mehr erwirtschaften. Die Methode ist denkbar einfach: Sie bitten ihre Kunden zur Kasse. Das bringt eine Menge Geld – und macht deutlich weniger Mühe, als manch anderer gangbarer Weg zur Gewinnmaximierung.

Warum sollten die Herren in den Chefetagen weniger lukrative Sparkassenfilialen oder Volks-und Raiffeisenbanken zusammenlegen oder gar die Presse gegen sich aufbringen, weil sie vermögenden Kunden dieselben Negativzinsen abknöpfen, die auch die EZB verlangt? Viel bequemer (und effizienter) ist es doch, einmal mehr an der Gebührenschraube beim Girokonto zu drehen. So erstaunt es kaum, dass der Chef des Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, die Verbraucher unlängst schon wieder einmal auf eine unerfreuliche Zukunft einstimmte. „Ich erwarte, dass es in einigen Jahren praktisch nirgendwo mehr kostenlose Girokonten geben wird", sagte er der Bild-Zeitung – wohlwissend, dass diese Zukunft bei etlichen Banken längst begonnen hat.

Doppelte Gebühr, halber Service

Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen: Wir von der FMH Finanzberatung sind nicht generell gegen Kontogebühren. Solange Kunden für ihr Geld eine Gegenleistung der Bank erhalten, gibt es daran wenig zu beanstanden. Warum sich etliche Geldhäuser inzwischen aber sogar die Ausgabe von GiroCard und Kreditkarte bezahlen lassen, wo sie doch an den Umsätzen der Kunden beteiligt sind, ist nicht nachvollziehbar.

Ändern kann man an dieser fast schon dreisten Geschäftspraxis aber schon etwas. Dazu allerdings müssten die Bankkunden diese Karten massenweise ablehnen und zu guten, kostenlosen Kreditkartenanbietern überlaufen, die die Kreditkartenausgabe nicht an ein Girokonto knüpfen. Zehn solcher Angebote gibt es derzeit, darunter etwa die Santander Consumer Bank, die Kunden gratis mit einer 1plus Visa-Card versorgt. Die Advanzia Bank gibt eine gebührenfreie MasterCard Gold aus.

Schlimmer geht immer

Einräumen muss man allerdings, dass wir Deutsche verwöhnt sind und uns sehr schnell an das Gratiskonto gewöhnt haben. Dabei ist das kostenlose Girokonto ein vergleichsweise neues Modell. Vor einem Jahrzehnt verlangte selbst die ING-DiBa noch vier Euro pro Monat für die Kontoführung, verzinste aber das Guthaben auch mit 1,5 Prozent.

Zwischen einer angemessenen Gebühr für die Kontoführung und den Preismodellen mancher Banken liegen allerdings Welten. Eine besonders unrühmliche Rolle spielen die Regionalbanken.

Viele dieser Anbieter haben die Kassen in kleineren Filialen abgeschafft und dafür Geldautomaten in den Schaltervorraum aufgestellt. Das spart nicht nur Personalkosten, weil die Mitarbeiter am Schalter nicht mehr bezahlt werden müssen. Dank der Automaten nehmen die Banken sogar noch ein paar Extra-Euros ein – etwa, wenn bankfremde Kunden den Automaten zum Geldabheben benutzen.

Einer fängt an, die andern ziehen nach

Doch auch die eigenen Kunden müssen am Automaten bluten. Zum Beispiel bei der Sparkasse Chemnitz. Sie verlangt für zwei Kontomodelle ab der vierten Bargeldabhebung im Monat 30 Cent am Automaten; am Schalter kostet eine Abhebung sogar 2,50 Euro – ab dem zweiten Mal. Dass die Nutzung des SB-Terminals im Schalterraum für das Online-Konto ebenfalls 60 Cent kostet und eine beleghafte Überweisung 2,50 Euro erstaunt dabei schon fast nicht mehr.

Die Volksbank in Chemnitz hat sich davon offenbar inspirieren lassen: Hier kostet die beleghafte Überweisung zwar „nur“ 1,50 Euro, die Kreditkarte schlägt dafür pro Jahr mit 30 Euro zu Buche. Und wer sich gar eine mTan übermitteln lässt, zahlt ab der elften Nummer pro Monat neun Cent für jeden weiteren Vorgang. Teuer wird es auch für Kunden, die bei besagter Volksbank zum Schalter gehen, um Geld abzuheben. Hier fallen 1,50 Euro an.

Richtig Geld kostet die Kontoführung zum Beispiel auch bei der Aachener Bank. Die beleghafte Überweisung schlägt hier mit 2,50 Euro zu Buche, das Geldabheben am Automaten mit 40 Cent und das Geldeinzahlen am Automaten 2,50 Euro. Wer das SB-Terminal nutzt und mühselig seine Überweisung eintippt, muss ebenfalls 40 Cent pro Vorgang bezahlen.

Positiv fällt hier fast schon die Sparda-Bank West auf, die für ihr Girokonto in Aachen mit weniger zufrieden ist. Die Kontoführung ist kostenfrei, allerdings fallen für die Kreditkarte und GiroCard insgesamt 50 Euro Gebühr an – das sind immerhin 4,17 Euro pro Monat. Zudem verlangt die Bank ab der 4. mTan 11 Cent für jede weiter, per SMS übermittelte Transaktionsnummer.

Fazit: Um ihre Renditen zu steigern, lassen Banken ihre Kunden inzwischen für jede Kleinigkeit bezahlen. Die Liste der Geldhäuser mit sehr kreativen oder auch unverschämten Preisen wird jeden Tag länger. Kunden, die das nicht mitmachen wollen, können den Girokonto-Vergleichsrechner der FMH-Finanzberatung nutzen. Hier ist der Kontowechselservice auf einen Blick ersichtlich, genau wie die Gebühren.