Lohnen sich Bausparverträge noch?

Frankfurt 26.02.2016 –– Auf die Bausparkassen kommen große Problemen zu – durchaus zu Recht. Denn ihren Kunden bieten die Bausparverträge in der aktuellen Zinslandschaft unter dem Strich mehr Nachteile als Vorzüge. Wir zeigen Ihnen, warum.

Auch wenn man es heute kaum glauben mag – es gab einmal Zeiten, in denen die Bausparkassen ordentliche Guthabenzinsen zahlten. Angesichts dessen war es ein Leichtes für den frisch gebackenen Bausparer, in der Ansparphase die Abschlussgebühr in Höhe von einem Prozent der Bausparsumme durch die Zinszahlungen auszugleichen.

Bei diesen Guthabenzinsen zahlen fast alle Kunden drauf

Heute sieht die Lage ganz anders aus: Nur bei 9 von 70 Bauspartarifen, die wir untersucht haben, liegt die Guthabenverzinsung noch oberhalb von 0,5 Prozent. Doch erst ab dieser Schwelle kann man die genannte Abschlussgebühr innerhalb von zehn Jahren gerade so erwirtschaften. Wird man indes, wie bei der LBS Ost, mit 0,05 Prozent p.a. abgespeist, schafft man gerade mal rund ein Zehntel der Abschlussgebühr. Da in den meisten Bauspartarifen weniger als 0,5 Prozent p.a. an Guthabenzinsen fließen, finanzieren diese Bausparer mehr oder minder die Gebühr aus eigener Tasche. Die Ansparphase ist also schon mal ein Minusgeschäft.

Auch bei den Darlehenszinsen gibt es kaum Vorteile

Wenn die Bausparkassen beim Ansparen keine Vorteile bieten, dann doch wenigstens in der Darlehensphase – das wollen ihre Vertreter die Welt zumindest glauben machen und trällern das ewige Lied der garantierten Darlehenszinsen. Schließen wir einmal aus, dass der Bausparer vorher aus dem alten Vertrag herausgekündigt wird, weil den Herrschaften im Vorstand die vereinbarten Guthabenzinsen zu hoch sind – bei den Minizinsen sehr wahrscheinlich! Doch selbst, wenn alles ordnungsgemäß zugeht, bieten die allermeisten Bauspartarife den Kunden im Vergleich zu Bankdarlehen aus mehreren Gründen keine wirklichen Vorteile.

Finanzielle Belastung wäre illusorisch hoch

Grund Nummer eins: Kaum jemand wird es schaffen, innerhalb von zehn Jahren einen Bausparvertrag über 325.000 Euro zu besparen – das ist der durchschnittliche Kaufpreis, der sich aus 110.000 Berechnungen unserer Nutzer mit dem FMH-Hypothekenvergleich ergibt. Denn in diesem Beispiel müsste unser Bausparer jeden Monat zusätzlich zu seiner Mietbelastung 1.100 Euro an die Bausparkasse überweisen und später im Eigenheim monatlich 1.625 bis 2.600 Euro, je nach Tarif und Bausparkasse, zurückzahlen.

Grund Nummer zwei: Wird „nur“ ein Teil – etwa 200.000 Euro – übers Bausparen finanziert, ist die Belastung ebenfalls hoch. In diesem Fall sind monatlich 700 Euro anzusparen und später etwa 1.200 Euro zurückzuzahlen. Zusammen mit der Rate für das Bankdarlehen über die restlichen 125.000 Euro kommt unser Bausparer bei einem Prozent Tilgung dann auf monatlich 2.137 Euro – auch das dürfte das Budget der meisten Immobilienkäufer übersteigen. Übrigens: Wir haben dabei acht Prozent Zinsen für das Bankdarlehen unterstellt, die von Bausparvertretern gerne genannt werden – als Verkaufsargument für einen Bausparvertrag. Da wäre es sinnvoller, die angesammelten 80.000 Euro an Bausparguthaben als Eigenkapital zu verwenden und den Rest von 245.000 Euro als Bankdarlehen aufzunehmen. Dann läge die finanzielle Gesamtbelastung monatlich bei 1.837 Euro – immerhin 300 Euro weniger.

Argument der Zinssicherheit zieht nicht

Was aber, wenn man davon ausgeht, dass die Zinsen in den nächsten zehn Jahren gar nicht steigen? In diesem Fall wäre man mit einem reinen Bankdarlehen besser bedient und könnte auf ein Bauspardarlehen mit unnötig hohen Zinsen verzichten. Doch selbst wenn diese Rechnung nicht aufgehen sollte, weil die Zinsen unerwartet steigen, ist das kein Beinbruch – im Gegenteil: Klettern die Kreditzinsen, dann steigen auch die Anlagezinsen.

In diesem Fall könnte man mit den beispielhaften monatlichen 700 Euro Ansparrate bei einer frei gewählten Geldanlage innerhalb von zehn Jahren durchaus 100.000 statt 80.000 Euro ansparen. Die Rate für das Bankdarlehen in Höhe von 225.000 Euro läge bei 1.637 Euro – und die Gesamtbelastung damit satte 500 Euro niedriger als bei der Finanzierung von 200.000 Euro über eine Bausparkasse. Logischerweise ist ein Bauspardarlehen in den Gesamtkosten oft unschlagbar niedrig, doch was nützt diese Rechnung, wenn man sich die Rate nicht leisten kann. Damit beantwortet sich auch die häufige Frage: Was ist besser, Bankdarlehen oder Bauspardarlehen?

Wohnriester ist oft schlechter als gedacht

Bleibt noch das Pseudo-Argument der Branche, dass Bausparverträge dank der staatlichen Unterstützung von „Wohnriester“ stets Vorteile bieten. Falls Ihnen jemand damit kommt, sollten Sie verlangen, dass er die Berechnung bis zum Endalter von 85 Jahren anstellt – denn so lange laufen die Wohnriester-Bausparverträge. Wir haben hier mehrfach hingewiesen, dass Wohnriester längst nicht immer besser ist als ein gewöhnliches Bankdarlehen. Jüngst kam auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zu dem gleichen Schluss.