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29.10.2025

Tagesgeldzinsen steigen wieder

Attraktive Tagesgeld-Angebote für Neukunden

Die Inflationsgefahr in der Eurozone ist vorerst gebannt. Mit einer Teuerungsquote von rund zwei Prozent können die Währungshüter gut leben. Der Leitzins bleibt daher erst einmal unverändert. Sparer können sich zum Teil aber trotzdem über mehr Rendite freuen.

Max Herbst: Experte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Max HerbstExperte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Erstellt am 29.10.2025, Aktualisiert am 03.11.2025
Ballonfahrt

Moderate Teuerungsraten innerhalb des angepeilten Korridors: Für die Europäische Zentralbank (EZB) sind das gute Nachrichten. Die Leitzinsen bleiben daher bis auf Weiteres auf dem Stand von Juni 2025. Und auch der Einlagenzins, also jener Satz, den die Banken erhalten, wenn sie Kundengelder bei der EZB parken, vorerst bei zwei Prozent. 

Doch was bedeutet dieser Stillstand für Sparer, die ihr Geld auf einem Tagesgeldkonto liegen haben? 

Die Zahl der Aktionsangebote nimmt wieder zu 

Traditionell dürfen Anleger in einer solchen Konstellation nicht allzu viel erwarten. Normalerweise weisen Banken ihre Top-Tagesgeldangebote stets analog zum Einlagenzins der EZB aus. Mit anderen Worten: Selbst Neukunden, die in der Regel (zumindest vorübergehend) die besseren Konditionen erhalten als Bestandskunden, bekamen nur jenen Anlagezins garantiert, den die Banken auf der anderen Seite von der EZB erhalten, wenn sie die Einlagen dort parken.  

Inzwischen sehen wir allerdings, dass einige Banken wieder mehr bieten als den Standard. Meist stammen solche Offerten von Instituten, die sich auf dem deutschen Markt einen Namen machen wollen oder sehr genau rechnen. Ein Beispiel: Das Top-Zinsangebot laut Tagesgeldvergleich auf fmh.de von Ende Oktober 2025 liegt derzeit bei 3,50 Prozent. Das klingt sehr lukrativ. Allerdings garantiert die Bank diesen Zinssatz nur für drei Monate. Und sie begrenzt den maximalen Anlagebetrag, für den diese Konditionen gelten auf maximal 75.000 Euro.  

Für Kunden bedeutet das: Innerhalb der garantierten drei Monate können sie bis zu 656,25 Euro Zinsen erhalten. Auch für die Bank lohnt sich das Angebot: Sie bekommt im selben Zeitraum 375 Euro Einlagezinsen von der EZB und investiert damit effektiv 281,25 Euro, um neue Kunden zu gewinnen – die Aufmerksamkeit in den Zinsvergleichen gibt es gratis dazu. 

Tagesgeld ist für alle Beteiligten also durchaus wieder attraktiv. Und selbst Kunden, die bereits viele Neukundenaktionen ausgenutzt haben, haben wieder die Möglichkeit TOP-Tagesgeldzinsen zu ergattern. Wer etwa 50.000 Euro statt für 0,75 Prozent zu drei Prozent und mehr bei einer Bank mit Aktionszins anlegt, erwirtschaftet innerhalb von drei Monaten ein Plus von 281,25 Euro.  

Kaum Bewegung im Bestand 

Bleibt die Frage, wie sich die Zinsen für die Bestandskunden entwickeln. Der durchschnittliche Wert in diesem Segment liegt derzeit bei 0,71 Prozent (siehe Grafik). Das gleicht noch nicht einmal die Inflation aus.  

Die Banken hingegen verdienen dennoch gut: Sie parken einfach die Milliarden der Sparer bei der EZB und bekommen die Differenz zwischen EZB-Einlagenzins und jenem Wert, den sie ihren Bestandskunden zahlen, als Gewinn vergütet. Das ist ein gutes Geschäft für die Banken. Allein Sichteinlagen (Geld auf Girokonto, Tagesgeld und andere kurzfristige Geldanlagen) und Bargeld beliefen sich im Jahr 2024 auf knapp vier Billionen Euro. Selbst wenn die Differenz zwischen dem Einlagezins und dem für Bestandskunden nur bei 0,5 Prozent läge (und in der Praxis ist es oft deutlich mehr), hätte die EZB 20 Milliarden Euro an die Banken und Sparkassen auszahlen. 

Wechseln lohnt sich

Derzeit deutet wenig darauf hin, dass sich die Zinsen für Bestandskunden deutlich verbessern. Wer ein bisschen Zeit investiert, kann sich allerdings auch in Zukunft hervorragende Zinsen aufs Tagesgeld sichern – vorausgesetzt, er oder sie ist bereit, gelegentlich die Bank zu wechseln. Denn auch in Zukunft wird es immer wieder Banken geben, die Neukunden für das Tagesgeld mehr zahlen als den Einlagenzins der EZB. Um davon zu profitieren, muss man sich nur die Mühe machen, ab und zu sein Erspartes gelegentlich zu einer anderen Bank zu transferieren.

Tagesgeld und EZB-Einlagenzins und Inflation

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